Aktualisiert 13.03.2020 11:57

Schulschliessungen

«Sonst behalten wir unsere Kinder zu Hause»

Der Kanton Tessin hat auch die obligatorischen Schulen geschlossen. Ziehe der Bundesrat nicht nach, schicke man die Kinder nicht mehr in die Schule, sagen besorgte Eltern.

von
pam

An seiner heutigen Sitzung beschliesst der Bundesrat, mit welchen Massnahmen er der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in der Schweiz begegnen will.

Dabei berät er auch darüber, ob und wie das bereits erlassene Veranstaltungsverbot weitergeführt wird. Laut «Tages-Anzeiger» sind auch Schulschliessungen ein Thema. Eingestellt haben den Präsenzunterricht bereits die ETH Zürich und die Universität Zürich.

Lehrerpräsidentin kritisiert Bundesrat

Auch Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), sagte zu 20 Minuten: «Je mehr Massnahmen man ergreift, desto weniger kann ich nachvollziehen, dass man nicht auch an die Lehrerinnen und Lehrer an den obligatorischen Schulen denkt.» «Wenn sich die Lage zuspitzt, muss man über eine Schliessung der obligatorischen Schulen nachdenken.»

Auf Twitter fordern auch besorgte Eltern, dass der obligatorische Schulbetrieb – wie bereits im Tessin – eingestellt wird. Ansonsten behalte man die Kinder einfach zu Hause, findet etwa Oliver Classen.

Dasselbe fasst Bettina Konetschig ins Auge, sollte der Bundesrat nicht handeln.

Auch Isabel Villalon appelliert an die Eltern:

Bisher erklärte der Bund jeweils, die Schulen müssten offen bleiben, ansonsten müssten die Grosseltern für deren Betreuung einspringen. Forscher wie Jacques Fellay vom Lausanner Universitätsspital und der ETH Lausanne finden dies jedoch falsch, denn in einer Woche werde man sowieso dazu gezwungen. Auch Eltern finden, dass es eine Möglichkeit geben müsste, dass sie ihre Kinder zu Hause betreuen könnten.

Theoretisch drohen Bussen

«Wenn Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, verletzen sie theoretisch die Schulpflicht», sagte Anwalt Johann-Christoph Rudin zu 20 Minuten. Solange Bundesrat und Kantone die Schulen nicht schliessen, müssten die Eltern mit Bussen von bis zu 200 Franken rechnen. «In dieser besonderen Situation würde ich als Jurist empfehlen, nicht alle Regeln durchboxen zu wollen. Ich würde also davon ausgehen, dass eine normale Schule das Gespräch sucht und die Sorgen ernst nimmt.»

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