Eis go zieh mit ... Tim Guldimann: «Sonst fahren wir das Land an die Wand»
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Eis go zieh mit ... Tim Guldimann«Sonst fahren wir das Land an die Wand»

Er ist ehemaliger Spitzendiplomat, Alt-68er und Gegenspieler von Roger Köppel. 20 Minuten hat Tim Guldimann (SP) zum Gespräch getroffen.

von
J. Büchi

Es ist neblig, der Flug von Berlin nach Zürich verspätet sich. Und damit auch der Beginn des Interviews. Einen Arbeitsweg von tausend Kilometern legt Tim Guldimann zurück, wenn er in Bern zur Session erscheint. Das macht viereinhalb Stunden von Haustür zu Haustür – sofern, anders als an diesem Montag in der Wintersession, alles glatt läuft. Schon vor Amtsantritt musste sich der Neo-Nationalrat wegen seiner Reisespesen happige Vorwürfe gefallen lassen.

Nun sitzt er da, im Café des Alpes im Bundeshaus, und knabbert an einem Zimtstern. Ein wenig scheint er sich darüber zu wundern, wie viel Beachtung im Schweizer Politzirkus den kleinen Dingen geschenkt wird, und wie wenig den grossen. Guldimann, der ehemalige Spitzendiplomat, hält sich nicht gerne mit Randnotizen auf. Er will Krisen lösen, wie er es in der Vergangenheit so oft getan hatte. 1996 etwa, als er in Tschetschenien den Waffenstillstand vermittelt hatte, oder später als Leiter der OSZE-Missionen in Kroatien und im Kosovo. Die Liste liesse sich noch lange fortsetzen.

«Sargnagel für die Bilateralen»

Und nun hat es sich der ehemalige Botschafter in Berlin also zur Aufgabe gemacht, die Beziehungen zur EU zu retten. Er sei nicht «spasseshalber» in die Politik gegangen, sagt der 65-Jährige auf die Frage, warum er nicht einfach seinen Ruhestand geniesse. «Ich habe wirklich Angst, wir fahren unser Land an die Wand.» Komme etwa die Durchsetzungsinitiative im Februar durch, wäre dies «ein weiterer Sargnagel für die Bilateralen.» Brüssel werde es nicht verstehen, wenn die Schweiz EU-Bürger «wegen Bagatellen» ausschafft, wie dies die SVP verlange.

«Ich fordere auch die Wirtschaft dazu auf, sich endlich gegen den Abschottungswahn der SVP einzusetzen», so Guldimann. Nichts Geringeres als der Produktionsstandort Schweiz stehe auf dem Spiel. Es sei zwar nicht so, als ob sofort die Guillotine runtersausen würde. «Es ist vielmehr so, wie wenn auf einem Computer das Word nie upgedatet wird.» Im ersten Moment seien vielleicht noch keine Probleme spürbar. «Doch dann kann man plötzlich keine Dokumente mehr öffnen – und am Schluss geht gar nichts mehr.» Auf die Schweizer Situation übertragen, heisse dies: «Verhandlungen über Handels-, Landwirtschafts- und Strom- und andere Abkommen werden gestoppt. Arbeitsplätze verschwinden. Wir steigen wirtschaftlich in die B-Liga ab.»

Hochzeit in Moskau

Guldimann kommt gerade in Fahrt, als sein Telefon klingelt – seine Frau. «Endlich! Grüss dich», nimmt er den Anruf entgegen. Der Ex-Botschafter der unter anderem Russisch, Arabisch und Persisch spricht, hat die deutsche «Spiegel»-Journalistin in Moskau kennengelernt, wo auch die Hochzeit stattfand. Heute hat das Paar zwei Töchter im Schulalter. Es sei viel «Akrobatik» nötig, um die zwei Berufe und die Familie unter einen Hut zu bringen, sagt Guldimann. Trotzdem unterstütze ihn seine Familie in seinem politischen Engagement. «Meine Töchter wussten, dass es mich getroffen hätte, wenn ich die Wahl in den Nationalrat verpasst hätte.»

Im Wahlkampf liess Guldimann denn auch nichts anbrennen. Er verteilte am Samstagmorgen Flugblätter vor Poststellen im Zürcher Oberland, sass an Stammtischen – und stritt leidenschaftlich mit seinem Lieblingsgegner Roger Köppel, etwa an der Fight Night von 20 Minuten. Das Duell der beiden findet nun unter der Bundeshauskuppel seine Fortsetzung. Sowohl Guldimann als auch sein SVP-Kontrahent schafften auf Anhieb den Sprung in die prestigeträchtige Aussenpolitische Kommission.

Vornamen geändert

Während des Gesprächs winken ihm immer wieder Parlamentarier aus anderen Parteien zu. «Tim» ist im Bundeshaus schon voll angekommen. Eigentlich hatten ihn seine Eltern ja auf den Namen Urs Christian Timotheus Guldimann getauft. Letztes Jahr liess er seinen Namen aber offiziell ändern. «Es war mühsam, Formulare auszufüllen. Und als mir einmal der Zutritt ins Weisse Haus verweigert wurde, weil die Namen nicht übereinstimmten, sagte ich mir: jetzt reichts.» 300 Franken habe die Namensänderung gekostet.

Guldimann wuchs als mittlerer von fünf Brüdern im zürcherischen Uitikon auf. Ein Rebell sei er gewesen früher, ein Marxist, Teil der 68er-Bewegung. Auch heute provoziert er zuweilen noch gern. Vor seinem Kroatien-Einsatz lud er die Bundesbeamten zum Abschieds-Apéro in die Berner Reithalle ein, ein Wahrzeichen der linksautonomen Szene. Heute treffe man ihn in Bern eher im Hallenbad an, wo er seine Längen schwimme, sagt Guldimann, und seine Augen funkeln vergnügt hinter der Brille hervor, die in kürzester Zeit zu seinem Markenzeichen geworden ist.

«Brand» in der Botschaft

Der Exil-Zürcher lacht gerne, auch über sich selbst. So erzählt er zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Anekdote aus seiner Berliner Zeit. Er habe den Auftrag gefasst, für die Familie Zmittag zu kochen. «Bouletten», in der Schweiz als «Hacktätschli» bekannt, sollte es geben. «Wie immer hatte ich keine Geduld und stellte den Herd folglich auf Volldampf.» Es habe ziemlich geraucht, so habe er das Fenster geöffnet. Als Minuten später die Feuerwehr vorfuhr, sei er ahnungslos heruntergegangen und habe gefragt, wo es denn brenne. «Da oben, bei diesem Fenster», habe der Feuerwehrkommandant geantwortet. Und er, der Botschafter, habe erwidert: «Nein, nein, ich bin doch nur am Kochen.»

Fünf Fragen an Tim Guldimann Reiseleiter 1997 in Moskau kürzlich Als Kind. seither bin ich Agnostiker und beneide die Gläubigen. Vorgestern

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«Eis go zieh mit...»

Während den Parlamentssessionen trifft sich 20 Minuten jeweils mit Politikern verschiedener Parteien auf ein Bier. Oder auch auf ein Glas Wein, einen Kaffee oder einen Himbeersirup. Hauptsache, es entstehen spannende Gespräche, die auch einen Einblick in die Persönlichkeiten hinter der politischen Arbeit erlauben.

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