Aktualisiert 11.08.2009 13:52

Illegale Sportwetten«Sonst gab es ja nichts Interessantes»

Der ehemalige Pächter eines Klublokals in Bern ist am Dienstag von einer Einzelrichterin zum Vorwurf unerlaubter Sportwetten einvernommen worden. Er soll damit illegale Gewinne von mehreren 100 000 Franken erzielt haben.

Gemäss Anzeige nach der Grossrazzia vom 5. Dezember 2008 im Klubhaus eines ausländischen Sportvereins steht für die Kantonspolizei Bern fest, dass auf dem beschlagnahmten Computer mit Fussballwetten ein Jahresumsatz von rund 1,6 Mio. Franken erzielt wurde.

20 Prozent des Wettumsatzes sollen in die Taschen des Pächters geflossen sein, was dieser am Dienstag vor der Einzelrichterin im Berner Amthaus jedoch bestritt. Er habe pro Woche 1000 Franken bar auf die Hand und ohne Quittung erhalten.

Im Rahmen ihrer Grossrazzia hatte die Polizei insgesamt 53 im Lokal anwesende Personen überprüft, lediglich eine war registriertes Vereinsmitglied. Bei einer Bekannten des Angeklagten, die das Lokal am fraglichen Abend betrieb, fand sie über 12 000 Franken Bargeld. Zudem wurden 1271 Wett-Quittungen sichergestellt.

Die Frau hatte, wie eine zweite Anwesende, keine gültige Arbeitsbewilligung.

Schon einmal verurteilt

Der ehemalige Pächter des Klublokals ist bereits einschlägig vorbestraft. Im Februar 2007 wurde er wegen Verstosses gegen das Lotteriegesetz schon einmal zu einer Geldstrafe verurteilt. Betrieben hatte er das Lokal im Berner Steigerhubelquartier seit 2003, dafür jedoch nie die erforderliche Betriebsbewilligung. Das Lokal ist seit Anfang Juni 2009 geschlossen.

Auf die Frage der Richterin, weshalb er wieder damit begonnen habe, in der Schweiz illegale Sportwetten anzubieten, sagte der Mann, ohne die Wetten habe sich der Betrieb des Lokals nicht gelohnt. Es seien nur wenige Leute gekommen. «Es gab sonst nichts Interessantes.» In seinem Heimatland sei das legal, es gebe an jeder Strassenecke Wettbüros.

Angeboten habe er die Sportwetten wieder ab August 2008. Vor diesem Zeitpunkt, wie dies viele Zeugen behaupten, habe er jedoch keine Wetten angenommen.

Die Polizei erachtet die Aussagen des Angeklagten als nicht glaubwürdig. Gemäss Laufliste der im beschlagnahmten Computer registrierten Quittungen wurden auf dem Gerät gegen 82 000 Wetten abgeschlossen.

Der Mann ist seit der Schliessung des Klublokals arbeitslos, versteuert aber gemäss Einschätzung der Steuerverwaltung jährlich 6000 bis 8000 Franken. Der Termin für die Hauptverhandlung in diesem Fall steht noch nicht fest. (sda)

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