SNB bekämpft Frankenstärke: «Sonst muss das Direktorium abtreten»
Aktualisiert

SNB bekämpft Frankenstärke«Sonst muss das Direktorium abtreten»

Beifall für die Nationalbank vom Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Er fordert jedoch, die Geldpolitiker müssten jetzt
ihre Strategie konsequent durchziehen.

von
Hans Peter Arnold
Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand (rechts) und Thomas Jordan, Direktoriums-Mitglied, an der Generalversammlung der Aktionaere in Bern

Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand (rechts) und Thomas Jordan, Direktoriums-Mitglied, an der Generalversammlung der Aktionaere in Bern

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ergreift Massnahmen gegen den starken Franken. Was ist Ihre Reaktion?

Tobias Straumann: Das ist ein sehr guter Schritt. Die Nationalbank signalisiert, dass sie einen Absturz des Frankens nicht duldet. Wenn sie nichts tut, wird der Euro nur noch einen Franken wert sein.

Diese Massnahmen waren also notwendig?

Ja, zuletzt herrschte eine eigentliche Panik. Die Nationalbank musste handeln.

Aber sie hatte doch bereits vor einem Jahr erfolglos am Devisenmarkt interveniert?

Damals war der Franken nicht überbewertet, das heisst, die Intervention kam zu früh. Ausserdem hat die SNB nur halbherzig interveniert. Diesmal ist sie offenbar bereit, auch einen geldpolitischen Kurswechsel vorzunehmen. Sie signalisiert klar, dass sie die Liquidität auf unbestimmte Zeit massiv erhöhen und den Leitzins auf das absolute Minimum reduzieren wird.

Kann sie diesen Zinssatz zuverlässig steuern?

Kein Problem, das macht sie ja die ganze Zeit. Auch die Ausdehnung der Giroguthaben ist technisch einfach.

Mit dieseren lockeren Geldpolitik nimmt die Nationalbank aber eine höhere Inflation in Kauf?

Das ist die negative Seite dieser neuen Politik. Die Nationalbank muss gegenüber dem Markt ganz klar signalisieren, dass sie alles tun will, um den Franken zu schwächen und dass sie bereit ist, eine höhere Inflation in Kauf zu nehmen. Ob die Inflation in zwei, drei Jahren auch tatsächlich eintritt, ist aber jetzt noch nicht absehbar.

Reicht dieses Instrumentarium der Nationalbank. Oder soll sie erneut Euro-Papiere aufkaufen?

Mit der Notenpresse hat die Nationalbank die stärkste Waffe. Wichtig ist allerdings, dass sie diesen Willen am Markt klar kommuniziert. Die Drohgebärden sollten die Spekulation eindämmen. Auch muss das SNB-Direktorium die Massnahmen konsequent durchziehen - und nicht wie vor einem Jahr zurückweichen, wenn die Intervention nicht wunschgemäss verläuft.

Wird ihr das gelingen?

Ich bin zuversichtlich. Sollte diese temporäre Aktion aber misslingen, so müssten die Mitglieder des Direktoriums geschlossen abtreten. Das wäre ein Fiasko.

Es gibt auch kritische Stimmen: Die Schweiz sei zu klein, um gegen globale Devisenmärkte anzukämpfen.

Diese Kritiker verkennen, dass die Nationalbank das Geldmonopol hat. Sie kann theoretisch beliebig viel Geld drucken. Es gibt eben nicht nur die Intervention am Devisenmarkt, sondern auch die Möglichkeit, durch Ausweitung der Geldmenge Inflation zu erzeugen. Dagegen können die Devisenmärkte nichts unternehmen.

Wenn wir zurückblicken - wann gab es in der Wirtschaftsgeschichte eine ähnliche Entwicklung?

Zwischen 1973 und 1978 hatten wir eine ähnliche Situation. Auch damals war der Franken immer wieder stark überbewertet. Die Nationalbank reagierte zuerst recht zaghaft. Es gab dann aber eine Lernkurve. Erst mit dem resoluten Eingreifen im Oktober 1978 bekam sie die Frankenstärke in den Griff.

Der SNB wurde jedoch angelastet, Ende der 80er-Jahre eine verfehlte Geldpolitik betrieben zu haben, welche den nachfolgenden Boom und Crash am

Immobilienmarkt begünstigt hatte.

Damals ging es jedoch weniger um die Franken-Stärke als um die richtige Einschätzung der Geldmenge. So hatten unter anderem die damals aufkommenden Kreditkarten ein Unsicherheitsmoment geschaffen.

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