Hacker-Angriff: Sony – ein Mega-Konzern in seiner grössten Krise
Aktualisiert

Hacker-AngriffSony – ein Mega-Konzern in seiner grössten Krise

Hacker sorgen dafür, dass «The Interview» nicht in die Kinos kommt. Der Schaden für die Marke Sony ist gigantisch – finanziell sowieso. Für den Ruf erst recht.

von
scy
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Nach dem Rückzug von «The Interview» kommt Sony Pictures immer mehr unter Druck.

Nach dem Rückzug von «The Interview» kommt Sony Pictures immer mehr unter Druck.

Keystone/Justin Lane
In der Komödie mit Seth Rogen (Mitte) und James Franco (rechts) geht es um einen Anschlag...

In der Komödie mit Seth Rogen (Mitte) und James Franco (rechts) geht es um einen Anschlag...

Keystone/AP/Ed Araquel
...auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un (Mitte, gespielt von Randall Park).

...auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un (Mitte, gespielt von Randall Park).

Keystone/AP/Ed Araquel

«Safety first» scheint oberste Devise gewesen zu sein. Sony hat wegen mysteriöser Terrordrohungen entschieden, den Film «The Interview» zurückzuziehen. Im Klamaukstreifen geht es um ein geplantes Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un. Eine Gruppe Hacker, die sich «Guardians of Peace» nennt, hatte bei der Premiere in New York mit einem Anschlag «ähnlich wie bei 9/11» gedroht.

In US-Behördenkreisen werden nordkoreanische Hacker hinter der Drohung und einem breiter angelegten Angriff vermutet. Erst kurz zuvor wurden Tausende interne Mails und Dokumente bei Sony Pictures geknackt und veröffentlicht.

«Nun implodiert Sony selbst»

Davon könnte einerseits die Konkurrenz profitieren, andererseits könnte das Verhältnis von Sony zu seinen Stars nachhaltig geschädigt werden, auf das Unternehmen könnten Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe zukommen. Damian Thong, Experte beim Finanzdienstleister Macquaire, rechnet mit einem Verlust von umgerechnet knapp 200 Milliarden Franken.

Die Sorge um eine mögliche Rufschädigung dürfte die Sony-Verantwortlichen zurzeit jedoch noch viel mehr beschäftigen als die finanziellen Ausfälle. Weil die «Guardians of Peace» etliche interne E-Mails und Gehaltslisten gehackt haben, weiss nun jeder, wer wie viel verdient. Nämlich, dass die Mitarbeiter in Japan deutlich weniger kassieren als ihre US-Kollegen. «Statt Kims Kopf explodieren zu lassen, implodiert nun Sony selbst», schreibt «Der Bund» treffend.

Clooneys harte Kritik

Zudem ist es mehr als fragwürdig, ob tatsächlich Nordkorea hinter der Cyber-Attacke steckt. Das Computer-Fachmagazin «Wired» etwa meint, es sei schwierig festzustellen, woher ein Angriff komme, weil Hacker absichtlich falsche Fährten legen würden. Zudem würden Staaten, die in IT-Systeme eindringen, möglichst geräuschlos vorgehen.

Mit den Medien hart ins Gericht geht Schauspieler George Clooney. Er selbst habe bereits vor Wochen versucht, Sony Pictures mit einer Petition zu unterstützen, erzählte Clooney dem Branchenportal «Deadline.com». Darin habe gestanden, man werde sich den Forderungen der Hacker nicht unterwerfen und zusammenhalten. Er und sein Agent hätten ein Schreiben an zahlreiche Manager aus dem Filmbusiness geschickt – doch niemand habe unterschrieben.

«Die USA haben ihren ersten Cyberkrieg verloren»

Erpressbarkeit betreffe «nicht nur Filme, das betrifft alle Angelegenheiten», sagte Clooney. «Wir sind in der Verantwortung, dagegen aufzustehen.» Das Geschehene sei für alle neu. «Jetzt sind wir hoffentlich darauf vorbereitet.»

Der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Newt Gingrich, wählte zu den aktuellen Vorkommnissen jedenfalls deutliche Worte: «Die USA haben ihren ersten Cyberkrieg verloren.» (scy/sda/dapd)

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