Terrordrohung: Sony sagt Start von «The Interview» ab
Aktualisiert

TerrordrohungSony sagt Start von «The Interview» ab

Nach einer Terrordrohung hat Sony Pictures beschlossen, «The Interview» vorerst nicht zu zeigen. Zuvor kippten Kinoketten die Nordkorea-Satire aus dem Programm.

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Nach dem Rückzug von «The Interview» kommt Sony Pictures immer mehr unter Druck.

Nach dem Rückzug von «The Interview» kommt Sony Pictures immer mehr unter Druck.

Keystone/Justin Lane
In der Komödie mit Seth Rogen (Mitte) und James Franco (rechts) geht es um einen Anschlag...

In der Komödie mit Seth Rogen (Mitte) und James Franco (rechts) geht es um einen Anschlag...

Keystone/AP/Ed Araquel
...auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un (Mitte, gespielt von Randall Park).

...auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un (Mitte, gespielt von Randall Park).

Keystone/AP/Ed Araquel

Am 25. Dezember sollte «The Interview» in den USA starten. Der Film dreht sich um zwei US-Journalisten, die den Auftrag erhalten, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einer Interview-Gelegenheit zu töten.

Dazu kommt es nun aber nicht: «Angesichts der Entscheidung einer Mehrheit unserer Kinobetreiber, den Film ‹The Interview› nicht zu zeigen, haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen», zitierten zahlreiche US-Medien am Mittwochabend aus einer Mitteilung des Filmstudios.

«Wir respektieren und verstehen die Entscheidung unserer Partner und teilen natürlich auch ihr vorrangiges Interesse an der Sicherheit ihrer Angestellten und Kinobesucher», hiess es weiter.

Anspielung auf 9/11

Hacker sollen Sony am Dienstag gedroht haben: «Erinnert Euch an den 11. September 2001.» Wegen des Films werde «die Welt mit Angst erfüllt». Sie riefen dazu auf, sich von den Kinos, in denen der Film gezeigt werde, fernzuhalten. «Sollte Ihr Haus in der Nähe sein, so verlassen sie es besser», warnten die Hacker.

Zahlreiche grosse Kino-Ketten in Nordamerika hatten bereits mitgeteilt, den Film nicht zeigen zu wollen. Auch die für Donnerstag geplante New Yorker Premiere wurde nach Medienberichten abgeblasen.

Keine Pläne für Veröffentlichung

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte ein Sony-Sprecher, es gebe nun gar keine Pläne mehr für eine Veröffentlichung. Es blieb aber zunächst unklar, was mit Veröffentlichungen auf DVD und anderen Formaten passieren soll und ob die Absage tatsächlich für alle Kinos weltweit galt. In der Schweiz soll der Film, dessen Produktion rund 44 Mio. Dollar gekostet hat, im März anlaufen.

Der Schauspieler Rob Lowe, der in «The Interview» mitspielt, zeigte sich erstaunt ob Sonys Entscheid. «Wow. Alle geben klein bei. Die Hacker haben gewonnen», schrieb er im Internetdienst Twitter. US-Präsident Barack Obama zeigte sich hingegen wenig beeindruckt von den Drohungen: «Mein Rat ist: Gehen Sie ins Kino.»

James-Bond-Drehbuch kopiert

Die Hacker kopierten Tausende interne Dokumente und veröffentlichten die Unterlagen zum Teil im Internet. Darunter sind brisante Details wie interne E-Mails und persönliche Daten von Filmstars. Auch ein Drehbuch zum neuen James-Bond-Film «Spectre» wurde kopiert und war teilweise im Netz verfügbar.

Die Daten von Tausenden Mitarbeitern wurden gestohlen und deren PCs beschädigt. Die Hacker stellten Daten zu Produktionskosten und Erlösen von Sony-Filmen, Gehälter von Schauspielern und Adressen von Mitarbeitern ins Netz.

Zuvor sollen die Hacker versucht haben, Geld von Sony Pictures zu erpressen. Laut «Computerworld» hatten die Unbekannten bereits Tage vor dem Angriff im November Geldforderungen gestellt. (sda)

Hackerangriff aus Nordkorea?

Bei dem Hackerangriff auf die Filmproduktionsfirma Sony Pictures Entertainment hat offenbar Nordkorea seine Hände im Spiel gehabt. Das haben Bundesermittler der USA herausgefunden, wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwochabend (Ortszeit) aus Untersuchungskreisen erfuhr.

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