Die Game-Oscars: Sony schickt PS3-Gamer auf den Horror-Trip
Aktualisiert

Die Game-OscarsSony schickt PS3-Gamer auf den Horror-Trip

An den Video Game Awards enthüllte Sony den neusten Playstation-3-Hit. Wir haben uns unter die Hollywood-Stars geschlichen und die Produzenten von «The Last of Us» ausgefragt.

von
B. Kratsch
Los Angeles

Los Angeles, 17 Uhr Lokalzeit. Die Sonne brennt, die Security schaut grimmig: «Alle Gegenstände ablegen, Sicherheits-Check», bläfft ein Hüne, breit wie ein Schrank. Mit gegeltem Haar und Knopf im Ohr, wie sie die Bodyguards der Stars tragen, steht er breitbeinig da. Wir sind bei den Spike Video Game Awards 2011. Einer Preisverleihung, die die Oscars der Game-Branche sein wollen.

Sony hat extra Journalisten nach Hollywood geflogen, damit sie dabei sind, wenn das neue Game von Naughty Dog enthüllt wird. Doch noch verstecken sich die Macher des Bestsellers «Uncharted 3» für die Playstation 3 hinter den Kulissen - zunächst sind die Hollywood-Stars dran: Gestylte Blondinen wie Stacy Keibler, die Neue von George Clooney, stolzieren über den roten Teppich und tun so, als hätten sie Ahnung von Games. Ex-«Two and a Half Man»-Star Charlie Sheen hingegen hat klare Worte: «Die zahlen gut und es gibt heisse Bräute, deshalb bin ich hier.»

Dann startet die Show: Raketen werden gezündet, Rauch breitet sich aus, rote Lichter schiessen durch die Sony Pictures Studios. Die Lichtshow beeindruckt, die Sony-Enthüllung weniger. In einem Video greift ein Monster an, ein mutierter Mensch, dem riesige, eklige Geschwülste aus dem Kopf wachsen. Soll das die grosse Neuankündigung von Naughty Dog sein? Dem derzeit besten Sony-Studio? «Nicht noch ein Zombie-Game», beschwert sich ein britischer Kollege neben mir über das soeben Enthüllte.

Das nächste grosse Spiel für die Playstation 3 heisst «The Last of Us». Die ersten Reaktionen im Saal sind verhalten: «Da haben sie sich aber heftig von ‹I Am Legend› inspirieren lassen», meint ein Italiener.

Charakterstudie statt Zombie-Gemetzel

«The Last of Us wird kein Zombie-Game», stellt Neil Druckmann am nächsten Tag klar, als ich den Chefdesigner zum Interview im Studio von Naughty Dog treffe. «Alles dreht sich um die Charaktere. Um Ellie und Joel, nicht um die Mutanten. Ginge es um die Monster, hätten wir sie gar nicht gezeigt», erklärt der Amerikaner.

Um die Beziehung der beiden zu verdeutlichen und wie dicht die Atmosphäre wird, zeigt er mir einige Spielszenen: Die junge Ellie rennt durch einen Gang, ihr Pullover zerrissen, das Messer fest in der Hand. Ihr Freund Joel erschlägt gerade einen mutierten Menschen mit einem Baseballschläger. Ist damit die Gefahr gebannt? Nein, ein Hecheln ertönt, es wird lauter. Joel, gross, muskulös, um die 40, packt Ellie am Arm, zieht die 14-Jährige hinter sich her, wartet an einer Tür und hält schützend seine Hand vor den Teenager. Er hat Angst um sie, obwohl er nicht ihr Vater ist, wie Druckmann erzählt.

Die Geschichte dreht sich darum, warum sich die beiden kennenlernen und wie die Epidemie ihr Leben verändert. Ein Virus hat die USA befallen, Millionen fallen ihm zum Opfer, ganze Städte sterben aus. Die beiden kämpfen ums Überleben, kämpfen mit Holzstücken und Stuhlbeinen statt AK-47 und Raketenwerfer. «The Last of Us» wird also nicht einfach nur das nächste Zombie-Spiel, sondern eher eine Charakterstudie sein, eine Liebesgeschichte um einen Mann, der Vater-Gefühle für Ellie empfindet und sie mit seinem Leben schützt.

Was würden Sie tun?

«The Last of Us» soll sich sehr authentisch anfühlen, dafür arbeitet Naughty Dog sehr stark mit der Filmindustrie zusammen. Die Zwischensequenzen stammen von einem Team, das vorher an «Transformers 3» gearbeitet hat. Für die Animationen und Synchronisation setzt das Studio auf echte Schauspieler. Das hier soll nicht die tausendste 08/15-Invasion von Aliens werden, sondern sich um die Frage drehen: «Was würdest du tun?» Eine Frage, die Chefdesigner Druckmann mir immer wieder stellt: «Was würdest du tun, wenn ein Freund einem Virus ausgesetzt ist, mutiert, dich angreift?»

Eine gute Frage, was würde ich wohl tun? Könnte ich ihn töten, wenn ich es müsste? Vermutlich würde ich ihn erst einmal k.o. schlagen und dann versuchen, ihm zu helfen, in der Hoffnung auf ein Gegenmittel. Und das ist die Story dieses Horror-Trips, der Ellie und Joel quer durch die USA treibt. Immer auf der Suche nach Nahrung, Munition, anderen Überlebenden und der Frage, wie konnte all das nur geschehen.

Weitere Informationen und ein exklusives Interview mit den Entwicklern von «Uncharted» und «The Last of Us» lesen Sie auf www.games.ch.

Trailer: «The Last of Us»

Quelle: YouTube

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