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UNO-MillenniumsgipfelSorgenkinder Somalia und Haiti

Ein Bericht der «Weltweiten Kampagne für Bildung» zeigt, wo auf der Welt die Bedingungen für Schulkinder am schlechtesten sind.

Somalische Schulkinder leiden unter sehr schweren Bedingungen.

Somalische Schulkinder leiden unter sehr schweren Bedingungen.

In keinem anderen Land weltweit sind die Bedingungen für Schulkinder so schlecht wie im afrikanischen Bürgerkriegsland Somalia - gefolgt von Haiti in der Karibik. Das geht aus einem Bericht der «Weltweiten Kampagne für Bildung» hervor.

Unter den zehn schlimmsten «Bildungsbrennpunkten» sind ausserdem die afrikanischen Staaten Eritrea, Äthiopien, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Simbabwe und Burkina Faso, wie das Bündnis von mehr als 100 Organisationen in seinem Bericht festhält.

Ein Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam berichtete am Montag in Nairobi, angesichts chronischer Unterfinanzierung des Bildungswesens hätten weltweit 69 Millionen schulpflichtiger Kinder keine Chance auf einen Schulbesuch. Die weltweite Wirtschaftskrise habe diesen Trend im vergangenen Jahr noch deutlich verstärkt.

Uniform und Bücher zu teuer

So musste in Kenia wegen Budgetkürzungen freie Schulbildung für fast zehn Millionen Kinder gestrichen werden. In dem ostafrikanischen Land ist der Besuch der achtjährigen Grundschule kostenlos, ohne staatliche Hilfen stellen die Kosten für Schuluniformen, -bücher und Hefte für viele Kinder jedoch eine unüberwindbare Hürde dar.

Besonders kritisierte Oxfam die Lage im westafrikanischen Nigeria. Das Land ist zwar der weltweit sechstgrösste Erdölexporteur, wegen fehlender Investitionen ins Bildungswesen könnten jedoch mehr als acht Millionen Kinder nicht die Grundschule besuchen.

Viele Kinder beendeten zudem nicht einmal das erste Schuljahr, hiess es weiter. Besonders betroffen seien Mädchen. Millionen nigerianischer Mädchen besuchten nur etwa sechs Monate lang eine Schule.

Fortschritte konnten der Studie zufolge in Tansania verzeichnet werden, wo drei Millionen zusätzliche Schulplätze geschaffen wurden. Auch Ruanda wurde in dem Bericht für seine Bemühungen bei der Ausbildung zusätzlicher Lehrer und Investitionen ins Bildungssystem gelobt.

Die Grundausbildung für alle Kinder weltweit ist eines der acht Millenniumsziele. Demnach sollten bis 2015 alle Mädchen und Buben die ganze Primarschule besuchen können. (sda)

UNO-Gipfel zieht Bilanz zur Armutsbekämpfung

An einem mehrtägigen UNO-Gipfel zieht die Staatengemeinschaft ab heute Bilanz, wie weit die zum Beginn des Jahrtausends versprochene Armutsbekämpfung vorangekommen ist. An der Konferenz in New York nimmt auch Aussenministerin Micheline Calmy-Rey teil.

Vor zehn Jahren hatte sich die Staatengemeinschaft in den sogenannten Millenniumszielen verpflichtet, bis 2015 die Armut zu halbieren.

Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) beklagen jedoch, dass die Industriestaaten immer noch nicht genug Entwicklungshilfe leisten. Versprochen haben die Industriestaaten Zahlungen in Höhe von 0,7 Prozent.

Die acht Ziele

- Ziel 1: Bekämpfung von extremer Armut und extremem Hunger: Die extreme Armut auf der Welt soll bis 2015 halbiert werden. Als extrem arm gilt, wer weniger als den Gegenwert von 1,25 US-Dollar pro Tag zum Leben zur Verfügung hat.

- Ziel 2: Verbesserung der Bildungschancen: Alle Kinder sollen im Jahr 2015 die Möglichkeit haben, eine grundlegende Schulausbildung («Primarschulbildung für alle») zu absolvieren. Die Zahl der ausgebildeten Kinder hat sich offiziellen Angaben zufolge bereits leicht von 86 auf 89 Prozent gebessert.

- Ziel 3: Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen: Alle Länder sind aufgefordert, die Gleichstellung der Frau voranzutreiben. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Bildung zu legen. Mädchen sollen die gleichen Chancen bekommen wie Jungen.

- Ziel 4: Senkung der Kindersterblichkeit: Alle drei Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind. Die Todesursache ist oft eine vermeidbare Krankheit, die durch mangelhaften Impfschutz, verschmutztes Wasser oder unhygienische Lebensbedingungen hervorgerufen wird.

- Ziel 5: Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter: In den Entwicklungsländern stirbt UN-Angaben zufolge eine von 48 Frauen bei der Entbindung. Ein Grund ist auch, dass Mädchen dort oft schon im Alter von 12 bis 14 Jahren verheiratet werden.

- Ziel 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten: Allein Malaria tötet in Subsahara-Afrika alle 30 Sekunden ein Kind. Ziel ist es deshalb unter anderem, mehr Krankenhäuser zu bauen und genügend Ärzte vorzuhalten. Auch sollen beispielsweise die Lebensbedingungen von den geschätzt 100 Millionen in Slums lebenden Menschen deutlich verbessert werden.

- Ziel 7: Ökologische Nachhaltigkeit: Parallel zur Stärkung der Wirtschaftskraft soll die Umwelt nicht aus dem Blick geraten.

- Ziel 8: Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung: Die Industrieländer sollen unter anderem Produkten aus armen Ländern freien Marktzutritt gewähren.

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