Aktualisiert 26.02.2010 14:44

Kollision in der AntarktisSorgt Monster-Eisberg für kalte Winter?

Eine Jahrhundert-Kollision hat in der Antarktis einen gigantischen neuen Eisberg von der Grösse Luxemburgs geschaffen. Forscher warnen, der Riese könne die Meeresströmungen und damit das Wetter verändern.

von
pbl

Der rund 90 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Koloss brach vor zwei Wochen von der Zunge des Mertz-Gletschers ab. So etwas komme einmal in 50 bis 100 Jahren vor, sagte der Gletscherexperte Neal Young am Freitag im australischen Radio. Die Eismasse hat die Grösse Luxemburgs und driftet leicht nach Norden. Auslöser war ein Zusammenstoss. Ein älterer Eisberg war in die Gletscherzunge gekracht.

«Die künftige Bewegung der beiden Eisberge ist von grösstem Interesse», teilte das australische Antarktis-Forschungszentrum mit. Der Mertz-Eisberg und der B9B driften in einer Region, die die Weltmeere mit besonders kaltem Wasser versorgt. Die Folgen einer Veränderung der Strömungen seien noch nicht abzusehen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Kolosse eine bislang eisfreie Zone in der Nähe blockieren könnten.

Umwälzung beeinflusst Klima

Diese grossen Öffnungen im Meereseis, die von Geologen als Polynja bezeichnet werden, sind massgeblich an der Bildung von sehr kaltem, salzreichem Wasser beteiligt, das wegen seiner grossen Dichte tief hinabsinkt. Die Umwälzung gigantischer Wassermassen in den Ozeanen beeinflusst das Weltklima. Sollten die Eisberge ostwärts treiben oder nach Norden in wärmere Klimazonen schwimmen, wäre ihr Einfluss wohl gering.

«Aber wenn sie in der Gegend bleiben, was wahrscheinlich ist, könnten sie die Entstehung des dichten Wassers blockieren, indem sie einen Deckel auf die Polynja setzen», sagte der französische Glaziologe Benoit Legresy. Dies könnte das Wetter auf Jahre hinaus verändern, und zwar auch im tausende Kilometer entfernten Nordatlantik. Die Folge wären nach Ansicht der Forscher kalte Winter in Europa.

Zunge schon fast weggebrochen

Der neue Eisberg umfasst rund 2500 Quadratkilometer und ist bis zu 400 Meter dick. Der Abbruch passierte nach Angaben der Experten, als ein anderer Gigant namens B9B, der bereits 1987 abgebrochen war, die Zunge des Mertz-Gletschers rammte. Diese wies bereits tiefe Risse aus. «Die Zunge war schon fast weggebrochen, sie hing wie ein lockerer Zahn am Gletscher», sagte Legresy der BBC.

Es handle sich um einen natürlichen Prozess, es gebe keine Anzeichen, dass der Klimawandel zu dem Abbruch beitrug, sagte sein australischer Kollege Neal Young. Neben dem Wetter könnte der Eisberg auch das Nahrungsangebot und damit die Biodiversität beeinflussen: «Er wird Folgen haben für die Pinguine und andere Lebewesen, die in dieser Region gewöhnlich Futter finden», erklärte Young der BBC.

Erst vor ein paar Tagen hat ein gigantischer Eisberg die Schelfeiskante der Antarktis in der Nähe einer deutschen Polarstation gerammt. Bei dem Zusammenstoss entstand ein rund zwei Kilometer langer Riss im Schelfeis. Ausserdem brach ein 300 Meter langes und 700 Meter breites Stück Eis heraus. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Abbrüchen grosser Eisberge - für Wissenschaftler eine Folge des Klimawandels. (pbl/sda)

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