Schneeball-Werfer: «Sorry an alle, welche ich getroffen habe»
Aktualisiert

Schneeball-Werfer«Sorry an alle, welche ich getroffen habe»

In Zuzwil verprügelt ein Mann einen 13-Jährigen, weil der angeblich Schneebälle auf sein Auto geworfen hat. Die 20-Minuten-Online-Leser haben schon beide Seiten erlebt – sie waren Täter und Opfer.

von
rme
Viele Leser erinnern sich an die eigene Kindheit und dass auch sie Schneebälle auf Autos geworfen haben. Dass ein 13-Jähriger von einem Autofahrer deswegen grün und blau geschlagen wurde, kann bloss eine Minderheit verstehen. (Bild: colourbox.com)

Viele Leser erinnern sich an die eigene Kindheit und dass auch sie Schneebälle auf Autos geworfen haben. Dass ein 13-Jähriger von einem Autofahrer deswegen grün und blau geschlagen wurde, kann bloss eine Minderheit verstehen. (Bild: colourbox.com)

Der Fall sorgt für hitzige Debatten: In Zuzwil SG stoppt ein wütender Autofahrer, steigt aus und geht auf einen Buben zu, den er beschimpft und mit einem Holzstock so stark verdrescht, dass dieser zu Bruch geht. Der Grund: Der Unbekannte beschuldigt den 13-Jährigen, Schneebälle gegen sein Auto geworfen zu haben.

Die Geschichte wird fleissig kommentiert. Eher überraschend goutiert manch einer die heftige Reaktion des 35 bis 40 Jahre alten Mannes. Besonders solche, die als Autofahrer selber einmal eine ähnliche Situation erlebt haben. «Ich war mal auf der Autobahn und von einer Brücke hat mich ein Schneeball genau auf Augenhöhe erwischt», schreibt 20-Minuten-Online-Leser «Boomer» (alle Namen und Meinungen dem Talkback entnommen, Anm.d.Red.). «Ich bin so was von erschrocken, da könnte je nach Reaktion ein Unfall passieren.»

Der Vater von Leser Thomas wurde ebenfalls Opfer, wie dieser schildert. Ihm sei bei einem Schneeballwurf «die eisig kalte Heckscheibe geborsten und mit einem riesigen Knall in tausende kleine Stücke zerfallen.» Denn im Schneeball sei ein Stein gewesen. Eine Anzeige gegen die ausfindig gemachten Eltern habe die Angelegenheit schliesslich geregelt.

Erinnerung an die eigene Kindheit

Lockerer nahm einen ähnlichen Vorfall Adrian. Auch er sei beim Autofahren schon von Schneebällen überrascht worden. «Nach kurzem Fluchen erinnerte ich mich jedoch an meine eigene Kindheit.» Schon sei wieder ein Lächeln über sein Gesicht gehuscht. In die gleiche Kerbe schlägt Chris. Auch er habe das als Bube gemacht, damals sei ihm aber nicht klar gewesen, wie gefährlich das sei. Deshalb entschuldigt er sich: «Sorry an alle, welche ich getroffen habe.»

Die Mehrheit der Leser ist sich einig, dass eine zünftige Schelte die bessere Lösung gewesen wäre als die Schläge mit dem Holzstock. Bei «Unknown» hat's genützt. Er habe auch Schneebälle geworfen, solange, bis ein Autofahrer angehalten und ihn «gröber beschimpft» habe. Da sei ihm klar geworden, dass das gefährlich sei. «Angel Hearts» Auto wurde auch schon beworfen, da habe er angehalten, um «den Saugoofen eine gesalzene Standpauke zu halten», die hoffentlich genützt habe.

Beidseitiger Respekt gefordert

Kreativ schlägt Mia Furrer vor, wie der Autofahrer die Angelegenheit hätte aus der Welt räumen können. «Wie wäre es denn gewesen, wenn er eine Schneeballschlacht für den Jungen und seine Kollegen organisiert und dort mitgemacht hätte? Alle hätten wohl ihren Spass gehabt.» Mehr Respekt von den Jungen einzufordern, sei in Ordnung, «aber auch wir sollten wieder lernen, die Jungen zu verstehen.» Gar eine neue Kampagne regt Edgar an. «Es wäre vielleicht an der Zeit, dass Kinder sensibilisiert werden, dass ein Schneeballwurf auf ein fahrendes Auto schlimme Folgen haben kann.»

Klar ist für «Traurig-aber-wahr» jedenfalls – Gefahr hin, Gefahr her – dass die Reaktion des Autofahrers in Zuzwil völlig überzogen war. «Kein Wunder, verlieren Jugendliche und Kinder den Respekt vor Erwachsenen und werden immer brutaler, wenn diese respektloses und brutales Verhalten vorleben.» Und Ueli doppelt nach: «Wie kann man denn von den Jungen Respekt erwarten, wenn ihnen keiner erwiesen wird?»

Haben Sie zum Vorfall eine Beobachtung gemacht? Oder verunfallten Sie, weil jemand etwas auf ihr Auto geworfen hat? Dann melden Sie sich bei uns: feedback@20minuten.ch

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