Montreux: Soul-Rose blühte nur kurz
Aktualisiert

MontreuxSoul-Rose blühte nur kurz

Blumenkinder in der Miles Davis Hall: The Bees und die Soul-Rose Joss Stone liessen die 70er-Jahre aufleben.

Auf der Heimatinsel der Bees vor der Südwestküste Englands tickt man anders. So vesuchten sich gleich vier der Bienen mit Mützen – teils gar wollenen – vor dem schwülen Hallen-Klima zu schützen, das den sechs offensichtlich schwer auf die Augenlider schlug. Das half aber nicht übers ganze Konzert, und so tauschten sie ständig Platz und Instrumente. Leicht schrullig klingt auch ihre Musik. Live noch mehr als auf der Platte werden allerlei Stil-Einflüsse in einen Hippie-Kontext eingemottet. Bei «Wash in the Rain» gelingt ihnen das gar, einst undenkbar, mit einem Velvet-Underground-Riff.

Als sich Joss Stones routinierte Live-Band dann mit Verspätung warmspielte, schien ein gediegener Soul-Abend anzustehen. Doch als die 17-jährige Stone barfuss und mit besticktem Rock auf die Bühne hüpfte, wähnte man sich gleich wieder in Zeiten Janis Joplins. Erstaunlich, mit welch einer Gewaltsstimme und wie abgeklärt die junge Dame loslegte. Höhepunkt war ihr White-Stripes-Cover «Fell in Love with a Boy». Die Fans sangen ungefragt mit, worauf Stone zu ihnen hinunterstieg. Nur: Kurz waren die 45 Minuten halt schon.

Olivier Joliat

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