Zürich, Sonntag 4.3.: Soul Sister
Aktualisiert

Zürich, Sonntag 4.3.Soul Sister

Corinne Bailey Rae ist die absolute Senkrechtstarterin der UK-Szene. Mit wohlig-schmusigem Soul steckte sie 2006 die Musikwelt in ihre Tasche. Nun kommt die Sängerin nach Zürich.

Vor zwölf Monaten war Corinne Bailey Rae noch die grosse, aber unbekannte Hoffnung der englischen Soulszene und ihr selbstbetiteltes Debüt-Album ein heisser Insider-Tipp der Musikindustrie. Seitdem hat sich das Leben der 27-Jährigen radikal verändert. «Corinne Bailey Rae» verdrängte wenige Wochen nach seinem Erscheinen Madonna von der Pole-Position der englischen Charts, es folgten Nominationen für jeden erdenklichen Preis, vom «Mojo»-Award über die Brit-Awards bis hin zur wohl wichtigsten Ehrung der Musikindustrie, dem Grammy. «Ich reise ständig herum, bin zu Gast in Fernsehshows, gebe Interviews und absolviere Gigs. Bis vor einem Jahr war ich noch nie in Frankreich, jetzt sehe ich die ganze Welt – es ist wunderbar», erzählt sie im Interview mit einem charmanten Akzent, der ihre Herkunft aus Leeds mehr als deutlich verrät.

Der Senkrechtstarterin ist in dieser kurzen Zeit das gelungen, wovon Heerscharen europäischer Popstars träumen: die Eroberung des grössten Musikmarktes der Welt, der USA. «Meine Europa-Tour war ursprünglich für Oktober 2006 geplant. Das Interesse in Amerika war aber plötzlich so riesengross, dass ich dort unglaublich viele Promo-Termine absolvieren musste. Wir haben dann alles ein wenig umgestellt.»

Bei diesem Erfolg drängt sich die Frage auf, was eine junge Soulsängerin einem Megastar wie zum Beispiel Robbie Williams voraushat. Die Erklärung von Corinne ist so einfach wie einleuchtend: «Die Musik von Robbie hat eine ‹Englishness› an sich, einen gewissen Humor, zu dem die Amerikaner nur schwer einen Bezug finden. Ausserdem macht er Popmusik, und die hat dort keine richtige Tradition. Es gibt Rock, Soul, Hip-Hop oder R'n'B. Aber klassischer Pop im europäischen Sinne ist dort unbedeutend. Meine Musik ist im amerikanischen Soul der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre verwurzelt, geniesst aber zusätzlich einen Exotenbonus, weil ich aus England komme. Vielleicht liegt es daran …» Gut möglich – mit ihrem Exotenbonus hat sie jedenfalls schon Koryphäen wie Mary J. Blige um den Finger gewickelt, und selbst Oprah Winfrey, die Gastgeberin der wichtigsten Talkshow der Welt, konnte ihrem Charme nicht wiederstehen: «Nachdem ich für die Grammys nominiert worden war, riefen ihre Leute an, und wir wurden nach drei Stunden Schlaf im Privatjet von New York nach Chicago geflogen. Ich hätte eigentlich nur einen Song spielen sollen, aber Mary J. Blige war auch da und bat Oprah darum, dass ich noch einen zweiten singe. Verrückt!»

Die Wirren des Showbusiness sind tatsächlich verrückt – wenn man bedenkt, dass die Karriere von Corinne mit der Indierock-Band Helen ihren Anfang nahm. Gerade als die Frauencombo ihren ersten Plattenvertrag an Land gezogen hatte, wurde die Bassistin schwanger, und die Band löste sich auf. Eine Tatsache, die Corinne bis heute bedauert. «Meine drei besten Freunde waren in der Band, und ich habe diese Zeit sehr genossen. Es wäre schön gewesen, etwas mehr Erfolg zu haben. Aber wir haben nun einmal in keine Szene gepasst: Wir waren nie 100 % Rock'n'Roll, aber doch zu sehr, um in die Soul- und Jazzclubs zu passen, in denen wir immer rumhingen.» Ihre Liebe zur Gitarrenmusik hat sie trotz aller romantischen Soul-Balladen bis heute beibehalten: «Ich gehe nach wie vor gerne auf Konzerte. Ich mag die Melancholie, welche dieser Musik innewohnt. Kürzlich hab ich mir The Editors angehört und war bei einigen Gigs von Razorlight. Ihr Song ‹America› ist wunderschön.»

Thomas Nagy

CORINNE BAILEY RAE

DATUM: Sonntag, 4. März 2007

ZEIT: 20.00 Uhr

ORT: Volkshaus, Zürich

PREIS: Stehplätze à CHF 60.-

ALBUM: «Corinne Bailey Rae» (emI)

VERANSTALTER: GOOD NEWS concerts

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