Interview: Soulwax: Keine Drogen
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InterviewSoulwax: Keine Drogen

Immer auf Achse: Der Soulwax-Sänger und 2ManyDJs-Produzent Stephen Dewaele über Gott, Geld und Drogen.

Stephen, ihr pendelt als DJs und mit der Band ständig zwischen Glamourwelt und alternativem Underground. Wo habt ihr mehr Spass?

Stephen: Wir mögen beides. Es wäre schade und langweilig, nur das Eine zu machen. Hauptsache gute Leute, die Party machen. Das gute an Soulwax oder 2ManyDJs ist, dass wir weder der typischen Houseszene, noch der Alternative- oder der Elektro-Szene zugeordnet werden können. Wir leben unser eigenes Ding.

In Zürich habt ihr ja mit dem Konzert im Abart sowie mit DJ-Sets im G5 und im Kaufleuten beide Welten gerockt.

Stephen: Oh ja, das G5 war richtig spassig. Wir standen gebückt unter dem Dach, die Leute stiessen an die Turntables und die Nadeln hüpften. Das gefällt mir besser als die DJ-Kanzel im Kaufleuten. Der Club ist zwar einer der schönsten, die ich kenne, aber ich bin als DJ nicht gerne auf der Bühne. Es ist nicht gut für die Party, wenn der DJ auf die Leute runterschaut.

Aber God is a DJ...

Stephen: So ein Scheiss.

Immerhin: Das 2ManyDJs-Projekt finanziert eure Band.

Stephen: Es ist verrückt, was wir als DJs verdienen. Meine Finanzberaterin fragt immer: Warum nur machst du noch dieses Soulwax-Ding? Ich meine, es läuft auch mit Soulwax okay, aber manchmal ist es schon hart: Da spielen wir als Band vor gerade mal 300, 400 Leuten, wenn wir aber als DJs die Scheiben anderer Künstler spielen, kommen Tausende – und wir verdienen erst noch mehr.

Und aus künstlerisch-emotionaler Sicht?

Stephen: Ist es eine Schande.

Mit «Any Minute Now» verbindet ihr nun die einstigen Gegenpole Dance und Rock.

Stephen: Es geht um Musik. Der Stil ist doch egal. Ich hasse festgefahrene Bands oder DJs. Wir machen das Gegenteil und wechseln hin und her. Leider gibt es nur wenige Leute, die aus Dance- und Rock-Elementen etwas Neues machen.

Momentan bemühen sich doch viele Bands, Rock und Disco zu verbinden.

Stephen: Ich höre viele Bands, die versuchen, new wavy zu sein wie New Order. Klar, die waren grossartig, aber für mich besteht kein Bedarf nach einem neuen Abklatsch davon. Sehe ich diese Bands, werde ich oft misstrauisch: zu viel Style. Zum Beispiel The Bravery. Denen nehm ich die Musik nicht ab. Wird Reggae der neue Trend, veröffentlichen die als Nächstes eben ein Reggae-Album.

«Any Minute Now» klingt auch inspiriert von Drogen. Ist das eine Folge der Clubnächte als DJ?

Stephen: David und ich trinken ab und zu ein Bier, können aber sonst mit Drogen nix anfangen – aber ein Grossteil der Dancekultur wird schon stark von den konsumierten Drogen geprägt.

Nur im Dance? Ihr spielt ja auch «Slowburn» von den QOTSA-Vorgängern Kyuss. Die sind auch nicht heilig.

Stephen: Klar, im Rock ist es dasselbe. Das Cover ist eine Hommage an Kyuss und QOTSA. Sie sind die besten. Die Queens sind auch die einzige Band, die stoned spielen kann. Würde ich ein Zehntel von dem Zeug einnehmen, was die schlucken, müsste man mich ins Spital einliefern.

Dieses «Ich tue, was mir gefällt» scheint typisch für belgische Bands.

Stephen: Ich denke, diese Einstellung ist auch typisch schweizerisch.

An wen denkst du da?

Stephen: He, ihr habt mit Yello eine der Bands, die mich am meisten beeinflusst hat. Dieter Meier und Boris Blank machten ein paar der aufregendsten Platten überhaupt. Die sind so was von verrückt, krank und grossartig. Es gibt nichts wie Yello, genauso, wie es nichts gibt wie Front 242 – eine weitere Parallele. Ausserdem seid ihr auch beeinflusst von mehreren Sprachen, und Belgier wie Schweizer sind nicht Leute, die gross rumbrüllen. Wir sind eher die Underdogs. Das spiegelt sich auch in der Kunst.

Man misst sich weniger mit andern Ländern denn mit andern Städten oder Regionen. Bei uns etwa Basel – Zürich, bei euch Gent und Brüssel.

Stephen: Meine Informanten erzählten mir, Zürich sei snobistisch, neureich, Bankgeld – während Basel altes Geld habe und sehr kunstorientiert sei. Schlicht besser. Das ist wohl wie bei uns nicht böse gemeint.

Wann erscheint das neue Album?

Im September kommt ein Remixalbum. Dann kommt wohl auch was Neues von 2ManyDJs. Aber erst machen wir noch Remixes für die neue Daft Punk, einen Gorillas-Track und absolvieren ein paar Radioauftritte mit Freunden. Und wenn dann mal keine weiteren Anfragen kommen, nehmen wir ein neues Soulwax in Angriff. Das wird ein Riesenspass!

Interview: Olivier Joliat

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