Sozialberufe: Sozialberufe: Männer werden gesucht

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SozialberufeSozialberufe: Männer werden gesucht

Der Mangel an qualifiziertem Personal im Gesundheitswesen ist unübersehbar. Die gute Nachricht: Auch geeignete Quereinsteiger können in diese Branche einsteigen.

von
Gabriel Aeschbacher
Soziale Berufe bereichern nicht nur das Leben älterer Mitmenschen, sondern bieten auch jungen Leuten Perspektiven.

Soziale Berufe bereichern nicht nur das Leben älterer Mitmenschen, sondern bieten auch jungen Leuten Perspektiven.

Andi Wolf wird im November 18 und steht in der Lehre zum Fachmann Gesundheit EFZ. In einer Branche also, wo Fachkräfte rar sind - und wo vor allem auch Männer fehlen. «Meine Freunde sind stolz auf mich», sagt Andi, der sich lange Zeit nicht sicher war, in welche Richtung es beruflich gehen sollte. Erst ein Zwischenjahr brachte ihn auf den Geschmack eines sozialen Berufs.

Dorthin kann man sich auch als berufs- und lebenserfahrener Erwachsener bewegen. Zum Beispiel an der Schule für Sozialbegleitung in Zürich. Interessenten können sich - nach der Lehre und mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung - entweder für die dreijährige Ausbildung oder dann für den zweijährigen Vorbereitungslehrgang (verkürzte Ausbildung speziell für Fachangestellte Betreuung oder Gesundheit) anmelden. «Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend, wobei hier eine Anstellung von mindestens 20 Prozent vorgewiesen werden muss, damit der Praxisbezug gewährleistet ist», sagt Schulleiterin Brigitte Meier. Sie erwähnt auch, dass der Beruf Sozialbegleiter seit 2010 vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovationen eidgenössich anerkannt ist. Mögliche Arbeitgeber sind soziale Organisationen wie zum Beispiel Jugendämter, Pro Infirmis oder Familien- und Wohnbegleitungen.

Obwohl Andi im Moment als Ziel seiner Ausbildung die Berufsmaturität und dann den Physiotherapeuten sieht, könnte er sich gut vorstellen, später eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen. «Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen - und bin zur Stelle, wenn man meine Unterstützung braucht. Wichtige Voraussetzungen, um dereinst auch als Sozialbegleiter arbeiten zu können. Das Betätigungsfeld allerdings ist ein anderes», wie Brigitte Meier zu bedenken gibt. «Sozialbegleiter unterstützen Menschen bei Veränderungen im Alltag. Das kann beispielsweise das Begleiten von Asylsuchenden im Durchgangsheim sein oder die Unterstützung von Obdachlosen in der Notschlafstelle».

Fakt ist, dass heute immer mehr Menschen situative Begleitung brauchen, damit sie sich in einer anspruchsvollen Lebenssituation zurechtfinden. Und genau dort setzt die Ausbildung zum Sozialbegleiter an. Fakt ist auch, dass es noch immer (zu) wenige Männer gibt, die sich an betreuende und begleitende Berufe wagen. Das Beispiel von Andi unterstreicht den momentanen Trend: In seiner Klasse gibt es nur zwei Jungs, dafür aber 17 junge Frauen, die sich zu Fachleuten Gesundheit ausbilden lassen. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, denkt sich Andi, der auch andere Männer dazu ermuntern möchte, einen sozialen Beruf in der höheren Berufsbildung zu wählen - nach absolvierter Berufslehre: «Erstens braucht es ganz einfach auch Männer in diesem Berufsfeld. Und zweitens freuen sich die Bewohner im Wohnheim, wenn sie auch einmal von einem Mann betreut werden!»

www.sozialbegleitung.ch

www.helidux.ch

Praxis: Der Alltag als Sozialbegleiter

Bei ihrer täglichen Arbeit knüpfen Sozialbegleiter möglichst an der Lebenswelt der Betroffenen an. Neben Gesprächen stehen auch andere Formen der Unterstützung und Förderung im Fokus: Sozialbegleiter entwickeln gemeinsam mit den Betroffenen hilfreiche Strategien der Alltagsbewältigung, helfen ihnen im Umgang mit Ämtern und Institutionen, setzen Methoden zur Stressbewältigung ein oder eröffnen neue Horizonte durch Tätigkeiten, welche zum Beispiel im kreativen Bereich liegen. In Absprache mit den begleiteten Personen binden sie auch deren soziales Umfeld mit ein. Sozialbegleiter begegnen den Betroffenen mit Respekt und Einfühlungsvermögen, müssen sich – ganz wichtig - aber auch abgrenzen können, ansonsten der Beruf zur Belastung wird.

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