Aktualisiert 06.09.2007 16:27

Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS)

Die sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS) wurde im Jahr 1888 nach mehreren erfolglosen Anläufen gegründet. Die Partei richtete ihr Wirken ganz auf die Interessen der Arbeiterschaft, indem sie sich für bessere Arbeitsbedingungen, die Einrichtung von Sozialeinrichtungen und eine bessere Entlöhnung einsetzte. Ebenfalls bedeutend war die kritische Haltung der SPS gegenüber der Polizei und der Armee, die als staatliche Institutionen zur Bespitzelung und Kontrolle der Arbeiterbewegung wahrgenommen wurden.Die SPS war eng mit den Gewerkschaften verbunden.

Um 1900 bestand die SPS-Anhängerschaft nicht mehr nur aus Industriearbeitern, sondern vermehrt auch aus den unteren Staatsbeamten. Die SPS wurde dadurch für die anderen Parteien zusehends zu einer ernst zu nehmenden politischen Macht, die z.B. die Sitzzahl im Nationalrat zwischen 1890 und 1917 von einem auf 19 Sitze erhöhen konnte. Mit der Einführung der Proporzwahl im Nationalrat 1919 vergrösserte sich die Sitzzahl gar auf 41.

Das SPS-Parteiprogramm war bis 1935 stark klassenkämpferisch und sozialrevolutionär ausgerichtet und orientierte sich klar an den sozialistischen Ideen von Karl Marx ("Diktatur des Proletariats"). Dennoch lehnte es die Partei im Jahr 1921 ab, der Kommunistischen Internationalen beizutreten. Dies führte zur Abspaltung des linken Flügels der Partei, der anschliessend die Kommunistische Partei (KPS) gründete. Ohne die kommunistisch eingestellten Parteianhänger und inzwischen zur stärksten Fraktion im Nationalrat herangewachsen, gab sich die SPS im Jahr 1935 ein neues Parteiprogramm, das sich angesichts der zunehmenden aussenpolitischen Bedrohung im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs positiver zur Armee stellte und sich auch weniger marxistisch gebärdete. Als Anerkennung für diesen Wandel wählte das Parlament 1943 den ersten Sozialdemokraten in den Bundesrat. Seit 1959 ist die SPS ständig mit zwei Bundesräten in der Landesregierung vertreten.

Die SPS reagierte, indem sie umweltpolitische Anliegen in ihr Programm aufnahm (z.B. die Unterstützung der Anti-Atominitiative 1978). Auch erinnerte sich die Partei wieder vermehrt ihrer ehemals autoritätskritischen Ziele und unterstützte zumindest teilweise die Armeeabschaffungsinitiative, die 1981 lanciert wurde und 1989 zur Abstimmung gelangte.

Mit der schweizerischen Wirtschaftskrise der 1990er Jahre wuchs auch das SPS-Wählerpotenzial wieder an. Die SPS wurde in den Nationalratswahlen 1995 nach langen Jahren wieder zur stärksten Fraktion. Zudem half ihr auch die Position als "Gegenpol" zur erstarkenden national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), neue Wählerschichten anzusprechen und dadurch die Wähleranteile auf einem relativ hohen Niveau zu halten. Nachdem sich die Partei Mitte der 1990er Jahre kurzfristig stärker an den Bedürfnissen der links-liberalen politischen Mitte orientiert hatte, wandte sich die SPS in den letzten Jahren wieder stärker klassisch linken bzw. links-alternativen Positionen zu (z.B. in der Sozial-, Wirtschafts- und Migrationspolitik).

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