Freiburg: Sozialhilfe bezahlt Bezügern den Stilcoach
Aktualisiert

FreiburgSozialhilfe bezahlt Bezügern den Stilcoach

Kleidung, Frisur, Make-up: Im Kanton Freiburg können die Behörden Sozialhilfebezüger zum Umstyling schicken, damit sie einfacher einen Job finden. Kostenpunkt: 785 Franken.

von
D. Waldmeier
Mit diesen Styling-Beispielen wirbt die Stilberaterin Coralie Andrey auf ihrer Website coaching-osmose.ch.

Mit diesen Styling-Beispielen wirbt die Stilberaterin Coralie Andrey auf ihrer Website coaching-osmose.ch.

Um zu verhindern, dass Personen ein Leben lang von der Sozialhilfe abhängig sind, setzen viele Kantone auf sogenannte Eingliederungsmassnahmen - Sozialhilfebezüger müssen Müll einsammeln, Sprachkurse besuchen oder sie werden beim Schreiben von Bewerbungen unterstützt. Besonders kreativ ist der Kanton Freiburg: Dort wird nicht nur ein Aquafit-Kurs, sondern seit rund einem Jahr auch ein professionelles Umstyling angeboten.

Das Angebot eignet sich laut dem Beschrieb im Internet für Personen, die ihr Aussehen «komplett vernachlässigt» haben. In mehreren Lektionen bei einer Stilberaterin befassen sich die Arbeitssuchenden mit der Wahl der passenden Farben, mit dem Make-up und der stilsicheren Kleidung - der Coach hilft beim Aussortieren der Garderobe, klärt über vorteilhafte Schnitte auf oder begleitet die Person beim Shopping. Sogar ein neuer Haarschnitt ist dabei.

Vom Entlein zum schönen Schwan

Dank des neuen Looks soll «das natürliche Strahlen einer Person durch das Erscheinungsbild zur Geltung gebracht werden» und deren Selbstwertgefühl gestärkt werden, was die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessere. Die Bilder auf der Homepage des Anbieters coaching-osmose.ch sind vielversprechend: Gezeigt werden professionelle Vorher-nachher-Bilder, wie man sie aus Hochglanz-Magazinen kennt.

«Wenn viele Arbeitgeber sagen, dass das Aussehen nicht entscheidend sei, so ist das nicht ganz ehrlich. Der erste Eindruck ist sehr wichtig», sagt die zuständige Image-Beraterin Coralie Andrey. Komme man verwahrlost oder unpassend gekleidet an ein Vorstellungsgespräch, habe man kaum Chancen auf den Job. Auch ein gutes Foto im Lebenslauf erhöhe die Erfolgschancen markant.

Kostenpunkt: 785 Franken

Die Sitzungen dauern zwischen einer und zwei Stunden und kosten den Steuerzahler insgesamt 785 Franken. Laut Jean-Claude Simonet, wissenschaftlicher Berater beim Sozialamt des Kantons Freiburgs, ist das Geld im Styling-Kurs aber gut investiert: «Es geht darum, dass man Leuten hilft, die lange nicht gearbeitet haben und alle Regeln eines ansprechenden Äusseren missachten.» Man wolle nicht, dass sich die Arbeitsuchenden wegen des verwahrlosten Aussehens die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbauten.

Bislang ist gemäss Simonet erst einer Person eine Image-Beratung bezahlt worden. Die Frau habe danach auch tatsächlich einen Job gefunden. «Die Massnahme hat sich für den Steuerzahler also mehr als gelohnt, sie ist wirkungsvoll.» Der Erfolg freut vor allem auch Stilberaterin Andrey: «Die Frau war kaum mehr wiederzuerkennen.»

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