Migration und Arbeit: Sozialhilfe für fast 10'000 Flüchtlinge

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Migration und ArbeitSozialhilfe für fast 10'000 Flüchtlinge

Wie lebt der durchschnittliche Flüchtling in der Schweiz? Zum ersten Mal wurde dazu eine Statistik veröffentlicht. Sie ergibt, dass 89 Prozent Sozialhilfe beziehen. Doch die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen.

Ein junger Tamile in der Schweiz - auch er ein Flüchtling.

Ein junger Tamile in der Schweiz - auch er ein Flüchtling.

89 Prozent der Flüchtlinge in der Schweiz haben 2010 Sozialhilfe bezogen. Von den Asylsuchenden waren es 88 Prozent im Jahr 2011. Dies zeigen zwei Statistiken, die am Freitag veröffentlicht wurden.

Die Zahlen für Flüchtlinge wurden zum ersten Mal erhoben und publiziert - im Bericht «Sozialhilfestatistik im Flüchtlingsbereich» des Bundesamts für Statistik (BFS). Demnach waren 2010 ein Drittel der Bezüger zwischen 26 und 35 Jahre alt. Sie stellen damit die grösste Gruppe vor den Minderjährigen. Knapp zwei Drittel sind Männer.

Als Flüchtlinge gelten Menschen mit Aufenthaltsbewilligung B, die bis zu fünf Jahre in der Schweiz leben, sowie vorläufig Aufgenommene mit F-Bewilligung, die bis zu sieben Jahre bleiben. Flüchtlinge mit Ausweis B machen in der Statistik mit 75 Prozent den Hauptharst aus.

Insgesamt beziehen 89 Prozent aller Flüchtlinge beider Kategorien Sozialhilfe, wie es beim Bundesamt für Migration (BFM) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA hiess. Das BFM hat die Statistik beim BFS in Auftrag gegeben.

Drei Viertel ohne Ausbildung

Die Zahlen sind laut BFM jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da Flüchtlinge mit Asyl nicht zum Arbeiten in die Schweiz kommen, sondern weil sie im Heimatland bedroht sind. Zudem tauchen sie auch in der Statistik auf, wenn sie lediglich einmal oder nur für kurze Zeit Gelder beziehen.

Laut Bericht haben die meisten (66,8 Prozent) ein Jahr oder weniger lang Sozialhilfe bezogen. Lediglich 1,6 Prozent wurden vier Jahre und länger unterstützt. Die Zahlen für Flüchtlinge werden gleich berechnet wie jene für Schweizerinnen und Schweizer.

Von den über 15-Jährigen gehen 653 einer Arbeit nach und erhalten die Sozialhilfe als Ergänzung. 1613 sind Erwerbslose, und 2054 sind sogenannte Nichterwerbspersonen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Jugendliche in Ausbildung, Hausfrauen oder Invalide. Drei Viertel aller Bezüger haben keine berufliche Ausbildung.

Pro Dossier - das kann sowohl eine Einzelperson als auch eine mehrköpfige Familie sein - wurden durchschnittlich im Jahr knapp 20'000 Franken Sozialhilfe ausbezahlt. Einzelpersonen erhielten durchschnittlich gut 14'000 Franken, Paare mit drei und mehr Kindern knapp 40'000 Franken.

Asylsuchende mit Arbeitsverbot

Von den Asylsuchenden waren schweizweit 11'540 in der Sozialhilfe. Die Zahlen beruhen auf einer Hochrechnung für das Jahr 2011. Das sind rund 88 Prozent aller Asylbewerber in der Schweiz, wie es beim BFS auf Anfrage der SDA hiess. Der hohe Wert sei dadurch zu erklären, dass die Betroffenen in den ersten drei bis sechs Monaten nicht arbeiten dürfen.

Während für Flüchtlinge der Bund zuständig ist, sind es bei den Asylbewerbern die Kantone. Am meisten asylsuchende Sozialhilfeempfänger leben in den Kantonen Zürich Bern und Waadt, am wenigsten in Appenzell-Innerrhoden.

Die Zahl der Bezüger schwankte in den letzten Jahren über die ganze Schweiz gesehen stark: 2010 waren es hochgerechnet knapp 10'000, 2009 gut 14'000 und 2008 fast 9000.

Das Bundesamt für Statistik hat am Freitag sowohl den Flüchtlingsbericht als auch mehrere Statistiken zu Asylsuchenden (eAsyl) unausgewertet und unkommentiert auf seine Website gestellt.

(sda)

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