Missbrauchsprozess in Thun: Sozialtherapeut akzeptiert Urteil

Aktualisiert

Missbrauchsprozess in ThunSozialtherapeut akzeptiert Urteil

9? Jahre Haft, aufgeschoben zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme: So lautet das Urteil gegen den Sozialtherapeuten, der 21 Buben missbraucht haben soll.

von
Nora Camenisch
Der ehemalige Sozialtherapeut, der 21 Buben missbraucht haben soll, steht seit Dienstag vor Gericht.

Der ehemalige Sozialtherapeut, der 21 Buben missbraucht haben soll, steht seit Dienstag vor Gericht.

Nach einer eintägigen Verhandlung hat das Regionalgericht Oberland in Thun am Mittwochnachmittag sein Urteil gefällt. Der 44-jährige Sozialtherapeut, der zwischen 1998 und 2011 21 Buben sexuell missbraucht haben soll, wurde zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Diese wird zugunsten einer sogenannten «kleinen Verwahrung», also einer stationären therapeutischen Massnahme, aufgeschoben.

Das Gericht sah die Tatbestände der Schändung, der sexuellen Handlung mit Kindern, der Pornografie sowie der Verabreichung von gesundheitsgefährdenden Stoffen an Kindern als erfüllt an. In zwei Fällen sprach es den Mann zudem der sexuellen Nötigung schuldig. Letztere hatte der Angeklagte bestritten. Ein dritter Fall ist bereits verjährt. Zudem wurde der 44-Jährige mit einem fünfjährigen Berufsverbot belegt. Dieses beginnt nach Ende der Massnahme zu laufen. Der ehemalige Sozialtherapeut nahm das Urteil ruhig und mit meist gesenktem Kopf entgegen.

Der verurteilte Mann will keinen Weiterzug: Sein Mandant bestreite die sexuelle Nötigung weiterhin, im Sinne der Opfer müsse aber nun ein Schlussstrich gezogen werden, so der Verteidiger Krishna Müller. «Hauptziel war die Massnahme und dass es nicht zu einer Verwahrung kommt.»

Parteien forderten beide Massnahme

Die Staatsanwältin hatte in ihrem Plädoyer am Dienstag eine achtjährige Haftstrafe gefordert, die zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben werden solle. Zudem verlangte sie ein Berufsverbot von fünf Jahren, was der gesetzlichen Maximaldauer entspricht. Der Pflichtverteidiger des Angeklagten sprach sich ebenfalls für eine kleine Verwahrung aus – allerdings forderte er eine aufzuschiebende Haftstrafe von 6,5 statt acht Jahren. Auch er forderte ein Berufsverbot.

Der Beschuldigte hatte bereits am Dienstag vor Gericht die meisten seiner Taten zugegeben. Aber: «Ich habe nie Drohungen oder physische Gewalt angewendet.» Der ehemalige Sozialtherapeut gab sich reumütig: «Ich hatte die Jugendlichen sehr gern und merke erst jetzt, wie sehr sie mir vertraut haben und ich dies ausgenutzt habe.» Die Opfer waren zwischen achteinhalb und 15 Jahre alt.

«Nur Perspektive mit Therapie»

Der ehemalige Sozialtherapeut befindet sich seit Anfang Jahr im vorzeitigen Massnahmenvollzug, wo er wöchentlich zur Therapie geht. Diese will er weiterführen. «Ich will vollumfassend begreifen, was ich getan habe.» Zudem wolle er lernen, mit seiner pädosexuellen Neigung umzugehen, «damit so etwas nie wieder passiert». Der ehemalige Sozialtherapeut sagte am Dienstag auch, dass er bereit sei, eine chemische Kastration in Erwägung zu ziehen.

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