SP-Fehr: «Das ist ein Geheimplan»

Aktualisiert

SP-Fehr: «Das ist ein Geheimplan»

Parteipräsident Hans Jürg Fehr über schlechte Umfragewerte, den Anti-Anti-Blocher-Wahlkampf der SP und über seine geheimen Rücktrittspläne.

Herr Fehr, laut dem neuesten Wahlbarometer der «SonntagsZeitung» geht die SP als grosse Verliererin aus den Wahlen. Wie besorgt sind Sie?

Hans-Jürg Fehr: Das ist eine völlig einseitige Interpretation der SonntagsZeitung. Ihre eigenen Zahlen besagen ja, dass die SP gegenüber 2003 ein Prozent verliert, die SVP 0,6 Prozent, die FDP sogar zwei Prozent.

Trotzdem wird – auch parteiintern – schon Kritik am SP-Wahlkampf laut. Dieser sei zu sehr auf eine Anti-Blocher-Kampagne gestützt gewesen. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Ich kann sie überhaupt nicht nachvollziehen. Wir haben sechs zentrale Themen lanciert und diese auch immer wieder klar ins Zentrum unseres Wahlkampfes gestellt. Von einem Anti-Blocher-Wahlkampf kann keine Rede sein.

Trotzdem wollte die SP beispielsweise in der Herbstsession die Blocher-Roschacher-Debatte unbedingt weiter diskutieren.

Wir waren ganz klar der Meinung, dass das Parlament nicht einfach schweigen darf. Die Geschäftsprüfungskommission musste gegenüber den massiven Diffamierungen in Schutz genommen werden. Da ging es um weitreichende Folgen wie beispielsweise den Kampf gegen Wirtschaftskriminalität durch eine handlungsfähige Bundesanwaltschaft.

Zu reden gaben auch die Anti-AKW-Plakate. Selbst in den eigenen Reihen sprach man von Angstmacher-Plakaten – eigentlich das Feld der SVP.

Diese Plakate haben mit der SVP nichts zu tun. Wir haben nur die grösstmögliche Gefahr thematisiert. Nämlich Terrorattacken auf AKWs. Dabei stützten wir uns auf ausländische Studien, die diese Gefahr ganz weit oben aufführen. Und den Vorwurf, dass eine solche Attacke unwahrscheinlich ist, lasse ich nicht gelten. Vor den Terrorattacken von 9/11 hat auch niemand geglaubt, dass so etwas möglich ist. Wir wollten deshalb auf die Risiken der Atomenergie aufmerksam machen.

Nun sind die neuen SP-Inserate geschaltet. Darin vergleichen Sie, was den Wählern blüht, wenn sie SP wählen – oder eben SVP. Diese Kampagne ist doch auf die SVP gerichtet?

Nein. Wir haben bis jetzt unseren Wahlkampf mit Themen geführt. Jetzt, im Finale, machen wir den Vergleich. Die Wähler und Wählerinnen sollen wissen, was sie erwartet, wenn sie die SP wählen – oder eben die SVP. Schliesslich geht es um eine Richtungswahl.

Haben Sie Angst, dass es für Sie in die falsche Richtung geht?

Nein, ich habe keine Angst. Wir erleben seit Monaten eine millionenschwere SVP-Kampagne, die auf Blocher und Angstmacherei basiert. Der Effekt ist laut Wahlbarometern, dass die SVP stagniert. Ich bin jedenfalls zuversichtlich für die SP.

Haben Sie sich schon Gedanken über Ihre Zukunft gemacht, sollten die Wahlen für die SP nicht wunschgemäss verlaufen?

Ich mache meine Zukunft nicht vom Wahlausgang abhängig. Ich habe das Jahr meines Rücktritts bereits bei meinem Amtsantritt festgelegt.

Ist das nach den Wahlen?

Da es sich hier um einen Geheimplan handelt, sage ich nichts mehr dazu…

Marius Egger, 20minuten.ch

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