Quoten-Regelung: SP fordert 35% Männer in Zürcher Kinderkrippen

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Quoten-RegelungSP fordert 35% Männer in Zürcher Kinderkrippen

Dass in Kitas, Tagesschulen oder Eltern-Beratungsstellen fast nur Frauen arbeiten, stört die SP. Sie fordert, dass dort mindestens 35 Prozent Männer arbeiten sollen.

von
som
Das sähe die SP gerne mehr: Männer in so genannt typischen Frauenberufen wie Kinderbetreuerin.

Das sähe die SP gerne mehr: Männer in so genannt typischen Frauenberufen wie Kinderbetreuerin.

Eine Verfechterin der Quote sei sie nicht, sagt die Stadtzürcher SP-Gemeinderätin Christine Seidler: «Aber manchmal kann man eben doch nur mit einer Regulierung etwas bewegen.» Ihr Anliegen: Die typischen Geschlechterrollen im Berufsumfeld aufzubrechen. Dazu gehört für sie nicht nur, dass etwa mehr Frauen Ingenieurinnen oder CEOs werden: «Ich möchte auch, dass Männer häufiger so genannt typische Frauenberufe wie etwa Kindergärtnerin lernen.»

Deshalb hat sie mit ihren Parteikollegen Jean-Daniel Strub, Hans Urs von Matt und Marcel Savarioud zwei Postulate eingereicht. Darin wird der Stadtrat aufgefordert, Massnahmen zu treffen, um den Anteil von männlichem Personal in den städtischen ausserfamiliären Betreuungseinrichtungen wie Krippen, Horte oder Tagesstätten sowie in der Mütter-und Väterberatung zu erhöhen. Ihre Zielvorgabe: Männer und Frauen sollen dort mit je mindestens 35 Prozent vertreten sein.

Umsetzung wird schwierig

Wie man das erreichen will, lassen die SP-Politiker offen, wie Seidler sagt: «Mir ist auch bewusst, dass die Umsetzung schwierig ist.» Aber ihr sei es eben wichtig, eine Diskussion anzuregen: «Viele junge Männer haben Hemmungen, einen typischen Frauenberuf zu lernen – hier könnten etwa die Schulen, aber auch die Branchenverbände mehr Aufklärungsarbeit leisten.»

Doch auch für Eltern selbst sei es ein Gewinn, so Seidler: «Vielleicht geht man als Mann eher in eine Mütter- und Väterberatungsstelle, wenn dort auch männliche Mitarbeiter sitzen.»

«Unsere Löhne und Arbeitsbedingungen könnten sich verbessern»

Bei Kibesuisse, dem Verband Kinderbetreuung Schweiz, freut man sich über das Postulat, wie Geschäftsleiterin Nadine Hoch sagt: «Gemischte Teams wären für unsere Branche super – vielleicht würden sich sogar unsere Löhne und Arbeitsbedingungen verbessern.»

Eine Quote von 35 Prozent sei allerdings ein sehr sportliches Ziel: «Wir machen bereits viel, um mehr Männer zu gewinnen.» Etwa mit gezielten Informationen oder Plätzen für Zivildienstler: «Trotzdem liegt der Anteil an männlichen Lernenden noch immer bei höchstens sieben Prozent.»

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