Aktualisiert 23.07.2018 14:30

Konflikte vorprogrammiertSP fordert freie Fahrt für Biker auf Wanderwegen

Der Kanton St. Gallen behandelt zwei Vorstösse, die Unterschiedliches fordern. Die SP will Wanderwege für Biker öffnen, die Grünen fürchten um die Natur.

von
dwe
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Biken liegt im Trend. Die Tourismusbranche wittert lukrative Geschäfte mit den Erlebnistouristen. Vom Boom profitieren könnten nicht nur Hotels, Restaurants und Bergbahnen, sondern auch lokale Fahrradgeschäfte und das übrige Gewerbe.

Biken liegt im Trend. Die Tourismusbranche wittert lukrative Geschäfte mit den Erlebnistouristen. Vom Boom profitieren könnten nicht nur Hotels, Restaurants und Bergbahnen, sondern auch lokale Fahrradgeschäfte und das übrige Gewerbe.

Keystone/Alessandro Della Bella
Konflikte mit Wanderern sind vorprogrammiert. Bei Gruppen nutzen häufig dieselben Wege und kommen sich nicht selten in die Quere.

Konflikte mit Wanderern sind vorprogrammiert. Bei Gruppen nutzen häufig dieselben Wege und kommen sich nicht selten in die Quere.

Keystone/Gaetan Bally
Auch Naturschützern sind die Biker ein Dorn im Auge. Besonders problematisch sei unkontrolliertes Biken, das Flora und Fauna beeinträchtigen kann.

Auch Naturschützern sind die Biker ein Dorn im Auge. Besonders problematisch sei unkontrolliertes Biken, das Flora und Fauna beeinträchtigen kann.

Keystone/Anthony Anex

In einem Vorstoss aus dem St. Galler Kantonsrat wird freie Fahrt für Biker auf allen St. Galler Wanderwegen gefordert. Ein zweiter Vorstoss aus der gleichen Fraktion geht in eine völlig andere Richtung: Darin wird vor den Folgen von unkontrolliertem Biken gewarnt.

Die St. Galler Regierung muss sich mit gleich zwei Vorstössen zum Thema Biken beschäftigen. Beide kommen aus der SP-Grüne-Fraktion – allerdings mit unterschiedlicher Stossrichtung.

Hotels, Restaurants und Bergbahnen wollen von Bikern profitieren

Biken liege im Trend: Mountainbiking, E-Mountainbiking oder «Genussbiking», schreibt SP-Kantonsrat Martin Sailer in seiner Interpellation. Dabei handle es sich um eine Touristengruppe, die viel Geld ins Tal bringe. Eine ganze Wertschöpfungskette könne profitieren, von den Hotels, Restaurants und Bergbahnen bis hin zu lokalen Fahrradgeschäften und dem übrigen Gewerbe.

Verschiedene touristische Regionen versuchten, für diese Touristengruppe ein gutes Angebot bereitzustellen. Sailer nennt im Vorstoss den Kanton Graubünden als Vorbild. Dort gelte die Regel: «Wanderwege sind auch Biketrails.»

Hat St. Gallen den Anschluss verloren?

Im Kanton St. Gallen scheiterten hingegen Angebote für Biker oft an den unterschiedlichen Interessen der involvierten Parteien: Landbesitzer, Alpkooperationen, Gemeinden, Naturschutzverbände, Jäger und die Biker selber. St. Gallen habe dadurch den Anschluss verloren.

Sailer will von der Regierung wissen, ob sie bereit sei, wie in Graubünden den unaufhaltsamen Bike-Boom zu stärken und alle Wanderwege ebenfalls als Biketrails zu deklarieren.

Biken soll negative Auswirkungen auf Landschaft haben

Mehr Kontrolle verlangt hingegen Sailers Ratskollegen Meinrad Gschwend, Kantonsrat der Grünen. Auch er stellt in seinem Vorstoss fest, dass der Mountainbike-Sport immer beliebter werde.

Waghalsige Abfahrtspisten mit ausgebauten Kurven, spektakulären Sprüngen und künstlich errichteten Bauen würden immer populärer. Dies habe aber negative Auswirkungen auf die Landschaft und ganz besonders auf die Lebensräume.

Besonders problematisch sei unkontrolliertes Biken, wenn die Fahrten durch Schutzgebiete, durch Wildeinstandsgebiete oder durch hochgelegene Gegenden mit geringer Vegetationsdauer und sensibler Pflanzendecke führten. Ausserdem entstünden durch Touren abseits der Wege Konflikte mit Grundeigentümern und Landwirten.

Grüne schlagen vorausschauende Planung vor

Gschwend will von der Regierung wissen, ob es eine Übersicht über die bestehenden Mountainbike-Strecken im Kanton St. Gallen gebe und wie viele davon ein Bewilligungsverfahren durchlaufen hätten.

Weiter soll die Regierung die Frage beantworten, wie die Schutzanliegen bestehende Inventare berücksichtigen. Der Kantonsrat der Grünen schlägt zudem «eine übergeordnete und vorausschauende Mountainbikestrecken-Planung» vor. (dwe/sda)

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