Aktualisiert 11.08.2015 18:31

Vorstoss

SP-Frau will Teslas als Bundesrats-Limousinen

Bisher fährt von den Bundesräten nur Doris Leuthard elektrisch. Geht es nach Bea Heim (SP), soll sich dies ändern.

von
D. Waldmeier
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Ist zufrieden mit ihrem Tesla S 85: Bundesrätin Doris Leuthard. Bisher habe sie dank guter Planung keine Kompromisse eingehen müssen.

Ist zufrieden mit ihrem Tesla S 85: Bundesrätin Doris Leuthard. Bisher habe sie dank guter Planung keine Kompromisse eingehen müssen.

Twitter/@Uvek
Bundesrat Johann Schneider- Ammann hat wie Eveline Widmer-Schlumpf einen Audi A8 Quattro als Dienstwagen.

Bundesrat Johann Schneider- Ammann hat wie Eveline Widmer-Schlumpf einen Audi A8 Quattro als Dienstwagen.

Keystone/AP/Sigi Tischler
Didier Burkhalter, Ueli Maurer und Alain Berset haben einen Mercedes S 350 4 Matic als Dienstwagen. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga einen Mercedes S 400 Hybrid.

Didier Burkhalter, Ueli Maurer und Alain Berset haben einen Mercedes S 350 4 Matic als Dienstwagen. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga einen Mercedes S 400 Hybrid.

Keystone/Alessandro Della Valle

Umweltministerin Doris Leuthard hat seit Ende 2014 einen Tesla S 85 als Dienstwagen – und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Kürzlich bilanzierte sie in einem Interview mit der «Automobil Revue», dass sie bisher keine Kompromisse habe eingehen müssen und bereits tonnenweise CO2 eingespart habe. Auch der Chauffeur sei begeistert.

Ihre Kollegen werden indes weiterhin meist in Benzin- oder Dieselfahrzeugen mit Allradantrieb durch die Gegend kutschiert: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann haben einen Audi A8 L Quattro als Dienstwagen, die Kollegen setzen auf die Mercedes S-Klasse. Die Bundesräte Alain Berset, Ueli Maurer und Didier Burkhalter haben erst letztes Jahr neue Staatskarossen erhalten (Mercedes-Benz S 350 Bluetec).

Künftig elektrische Repräsentationsfahrzeuge?

SP-Nationalrätin Bea Heim ist das ein Dorn im Auge. Sie verlangt, dass künftig wenn immer möglich Bundesratslimousinen und Repräsentationsfahrzeuge beschafft werden, die kein CO2 ausstossen. In der Herbstsession wird sie einen entsprechenden Vorstoss einreichen. «Es gibt mittlerweile auch in der Oberklasse repräsentative Elektrofahrzeuge mit grosser Reichweite», sagt Heim.

Den Vorstoss begründet Heim mit der Vorbildfunktion des Bundesrates: «Die Schweiz hat sich dazu verpflichtet, ihren CO2-Ausstoss im Inland massiv zu senken. Unsere Regierung sollte mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es ihr mit der Förderung der Elektromobilität ernst ist.» Doris Leuthard jedenfalls habe mit ihrem Tesla gute Erfahrungen gemacht. Die Solothurnerin ist überzeugt, dass die Bundesräte mit dem Tesla auch bei ihren Repräsentationspflichten gegenüber dem Ausland punkten könnten: «Damit signalisiert die Schweiz, dass sie fortschrittlich ist und sich der Herausforderung des Klimawandels stellt.»

Frieda Hodel von Tesla elektrisiert

«Möchte nicht, dass das Bundeshaus brennt»

Nichts von der Idee hält SVP-Nationalrat Walter Wobmann: «Damit machen wir uns im Ausland höchstens zum Gespött. Der Vorschlag ist nicht praktikabel.» Der gelernte Automechaniker sagt, das Netz mit Ladestationen sei noch gar nicht weit genug. Er bezweifelt zudem, dass Elektrofahrzeuge effizienter sind als benzinbetriebene Fahrzeuge. «Die Motoren werden immer sparsamer. Und die Produktion der Akkus der Elektrofahrzeuge frisst Unmengen an Energie.»

Auch eine Anspielung auf den Hausbrand bei Bea Heim, den ihr altes Elektroauto verursacht hat, kann sich Wobmann nicht verkneifen: «Ich möchte nicht, dass am Ende noch das Bundeshaus brennt.»

Beschaffungskosten leicht tiefer

Heim entgegnet: «Fahren Autos mit Strom aus erneuerbaren Energien, sind sie von der Herstellung bis zur Entsorgung ökologisch klar besser als Benziner.» Mit der Anspielung auf den Brand habe Wobmann wohl witzig sein wollen. «Das zeugt aber eher davon, dass ihm die Argumente fehlen.»

Leuthards Verkehrsdepartement Uvek hatte anlässlich der Übernahme des Tesla erklärt, das Fahrzeug entspreche den Vorgaben des Bundes, die an ein offizielles Dienstfahrzeug gestellt werden. Als reines Elektrofahrzeug passe es zudem in die Strategie des Uvek, einerseits die CO2-Emissionen zu reduzieren und anderseits mit Energie-Ressourcen sparsam und effizient umzugehen.

Die Beschaffungskosten lägen leicht unterhalb jener einer üblichen Repräsentationslimousine für Bundesräte. Für das Nachladen stünden landesweit bereits zahlreiche Ladestationen zur Verfügung, sei es seitens der Anbieter oder bei den bundeseigenen Anlagen.

Der Fahrzeugpark des Bundes

Für Repräsentations- und Personentransporte sind beim Bund 20 weitere Limousinen im Einsatz. Diese legen jährlich rund 250'000 bis 300'000 Kilometer zurück. Der Fahrzeugpark ist aber viel grösser: Allein das Verteidigungsdepartment (VBS) besitzt 1800 Personenwagen für den Transport von militärischem Berufspersonal. 861 Autos hat auch das Finanzdepartement, vor allem für die Zollverwaltung.

Unklar ist, wie ökologisch die Fahrzeuge sind: Aufgrund des Umfangs des Fahrzeugparks kann der Bund keine detaillierten Angaben zum Co2-Ausstoss machen. Viele Elektro-Autos sind bislang nicht im Einsatz. Armasuisse, die für die Beschaffung der Fahrzeuge zuständig ist, kaufte in den letzten zwei Jahren für verschiedene Departemente acht Elektro-Autos ein. SP-Nationalrätin Bea Heim vermisst beim Flottenmanagement eine klare Strategie. Sie fordert den Bundesrat auf, klare und messbare Ziele zur Reduktion des CO2-Ausstosses der Bundesfahrzeuge vorzugeben.

Neue Fahrzeuge müssen heute gemäss einer Verordnung nach ökonomischen und ökologischen Grundsätzen ausgewählt werden. Zugelassen sind Fahrzeuge der Energieeffizienzkategorie A und B. Begründet muss die Beschaffung von Fahrzeugen der Kategorie C und D. Nicht gestattet ist die Beschaffung von Kategorien E, F und G. Über Ausnahmen entscheiden die Generalsekretariate der einzelnen Departemente.

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