30.03.2016 13:17

Öffnung für TranssexuelleSP Frauen benennen sich um – in «SP Frauen*»

Die Genossinnen wollen ihr Parteilogo mit einem Sternchen versehen. Es soll die Offenheit gegenüber Transsexuellen symbolisieren. Die Neuorientierung ist umstritten.

von
daw

Bislang kämpften die SP Frauen vor allem für die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Doch nun will sich die Organisation neu ausrichten: Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt haben die Mitglieder an einer ausserordentlichen Versammlung beschlossen, künftig ein Sternchen im Namen zu tragen. Der Asterisk soll symbolisieren, dass sich die Partei gegen die Diskriminierung aller Frauen, auch jener von Transfrauen, einsetzt.

«Unser Kampf muss für die Befreiung aller (A-)Sexualitäten, Gender-Identitäten und Lebensformen einstehen, die heute unter dem cis-sexistischen heteronormativen Patriarchat leiden», heisst es im schwer verdaubaren Antrag. Und weiter: Es gebe eine Spannweite von Geschlechtern, die nicht in zwei Kategorien aufgeteilt werden könnte. Verantwortlich für den Antrag sind neben Nationalrätin Mattea Meyer viele Jungsozialistinnen.

«Das Sternchen ist unglücklich gewählt»

Der Beschluss sorgt innerhalb der SP Frauen für rote Köpfe. Laut einem Mitglied gingen mehrere Anwesende davon aus, dass es nur darum gehe, ob ein Namenswechsel geprüft werden soll. «Als sie realisierten, dass es ein Ja zur Namensänderung war, fielen sie aus allen Wolken.»

Auch bei den Transgender-Organisationen hält sich die Begeisterung in Grenzen. «Wir begrüssen das Engagement. Allerdings ist das Sternchen unglücklich gewählt», sagt Mia Willener, Verantwortliche Politik beim Transgender Network Switzerland. Es sei innerhalb der Community üblich, «Trans*» zu schreiben. Das Sternchen fungiere dabei als Platzhalter für Frauen, Männer oder Menschen.

Dagegen sei die Bedeutung im Falle von «Frauen*» unklar und erfordere weitere Erklärungen, damit die Botschaft auch von der Bevölkerung verstanden werde. Ansonsten würden Transfrauen zu Anhängseln «richtiger» Frauen degradiert. «Es wäre schön gewesen, hätten uns die Verantwortlichen vorgängig nach unserer Meinung gefragt.»

«Der Stern ist gebräuchlich»

Die Mitunterzeichnende Mattea Meyer entgegnet: «Es ist einfach zu vermitteln, dass die Realität über die Zweigeschlechtlichkeit von Mann und Frau hinausgeht. Heute werden viele Menschen diskriminiert, die sich nicht der strikten Einteilung in zwei Geschlechter unterordnen lassen wollen.» Das Sternchen wolle dies ausdrücken. Der Einsatz für Transmenschen bedeute überhaupt nicht, dass die Gleichstellung schon erreicht sei – «im Gegenteil». «Die SP Frauen* werden sich auch mit diesem kleinen Sternchen weiterhin für eine Gleichberechtigung aller Geschlechter einsetzen. Uns wird die Arbeit nicht ausgehen.»

Die SP Frauen wollen das mit dem Sternchen ergänzte Logo nun Mitte April offiziell vorstellen – begleitet von einem umfassenden Informationsbrief an die Mitglieder, wie Zentralsekretärin Anita Balz sagt. Bis im Juli das neue Co-Präsidium besetzt werde, gehe die Diskussion um die künftige Ausrichtung der Partei weiter Unter anderem werde überlegt, wie man die Männer einbinden könne.

SVP-Nationalrätin Nadja Pieren kann die Diskussion nicht nachvollziehen: «Feministinnen verbeissen sich regelmässig in abgehobene Gender-Diskussionen. Dabei haben wir weiss Gott andere Probleme zu lösen.» Überhaupt seien die Frauenparteien überflüssig: Die Politik müsse allen Menschen im Land dienen. Die SVP Frauen Schweiz stehen denn auch vor der Auflösung.

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