31.08.2017 06:46

Feministisches Manifest

SP-Frauen fordern 25-Stunden-Woche

Für Gleichberechtigung in der Familie wollen die SP-Frauen die Arbeitszeit bei gleichem Lohn massiv reduzieren. Eine Utopie, finden die Arbeitgeber.

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Um die sogenannte Care-Arbeit gerechter zu verteilen, fordert Natascha Wey, Präsidentin der SP-Frauen, die Einführung der 25-Stunden-Woche.

Um die sogenannte Care-Arbeit gerechter zu verteilen, fordert Natascha Wey, Präsidentin der SP-Frauen, die Einführung der 25-Stunden-Woche.

Für Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband ist klar: «Die Idee, 3 Tage zu arbeiten und dafür den Lohn vom Arbeitgeber für 5 Tage zu erhalten, lehnen wir ab.»

Für Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband ist klar: «Die Idee, 3 Tage zu arbeiten und dafür den Lohn vom Arbeitgeber für 5 Tage zu erhalten, lehnen wir ab.»

Keystone/Gaetan Bally

Kinder oder betagte Eltern und Verwandte betreuen – diesen Job übernehmen in der Schweiz oft Frauen oder Pflegeangestellte mit tiefem Lohn. Um die so genannte Care-Arbeit gerechter zu verteilen, fordert Natascha Wey, Präsidentin der SP-Frauen, die Einführung der 25-Stunden-Woche. «Die Privilegierten lagern die Care-Arbeit an die weniger Privilegierten aus. Also an Frauen und Migrantinnen. Darum ist die Care-Frage eine feministische Frage», sagt Wey im Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit».

Wenn jeder nur an drei Tagen arbeiten, aber denselben Lohn wie bisher erhalten würde, könnten sich Männer und Frauen die Betreuung von Familienmitgliedern teilen. Die Forderung nach einer 25-Stunden-Woche ist Teil eines feministisches Manifests, das am Samstag in der SP-Delegiertenversammlung in Bern diskutiert werden soll.

Akademiker-Hausfrauen sollen einspringen

«Seit den 1960er-Jahren hat sich die Produktivität in der Schweiz verdoppelt. Die Arbeitszeiten hingegen sind zum Teil sogar gestiegen», heisst es im Manifest. Die wegfallende Arbeitszeit könne durch Frauen, die momentan zu Hause blieben, kompensiert werden. Laut den Berechnungen der SP-Frauen gilt: Würde jeder 20- bis 65-jährige Mensch in der Schweiz arbeiten, könnte man die in der Schweiz anfallenden 6,5 Milliarden Arbeitsstunden (Zahlen von 2006) in 29 Wochenstunden bewältigen. Seither sei die Produktivität noch einmal gestiegen, eine 25-Stunden-Woche würde also reichen.

Die wegfallenden Stunden würden durch die vielen gut ausgebildeten Frauen kompensiert, die momentan vom Arbeitsmarkt fernbleiben würden. Von diesen Akademiker-Hausfrauen gibt es gemäss Recherchen von 20 Minuten in der Schweiz rund 50'000.

«Würde Wettbewerbsfähigkeit schwächen»

Wie eine solche 25-Stunden-Woche finanziert werden soll, sagt Wey jedoch nicht. Auch Tamara Funiciello brachte bei ihrer Wahl zur Juso-Chefin letztes Jahr die Idee einer 25-Stunden-Woche ins Spiel. Wegen der Entwicklungen hin zu Digitalisierung und Roboterisierung brauche es in Zukunft neue Lösungen, damit jeder und jede eine Arbeit finden könne, so Funiciello

Doch für Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband ist klar: «Die Idee, 3 Tage zu arbeiten und dafür den Lohn vom Arbeitgeber für 5 Tage zu erhalten, lehnen wir ab.» Dieser enorme Kostenschub bei den im internationalen Vergleich bereits sehr hohen Schweizer Löhnen würde die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen massiv schwächen und wäre schlicht nicht tragbar.

Ausserdem sei die Erwerbsquote der Frauen in der Schweiz sehr hoch, viele würden jedoch in kleinen Teilzeitpensen arbeiten. «Aus Gleichstellungsüberlegungen muss eine Erhöhung der Pensen der Frauen – und damit Gleichberechtigung auch in dieser Hinsicht – angestrebt werden, zumal die Frauen immer besser ausgebildet sind.» Die Idee der SP-Frauen, die Pensen zu reduzieren, gehe dagegen in die entgegengesetzte, falsche Richtung.

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