Bundesratsersatzwahl: SP-Frauen sind gegen ein reines Frauenticket

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BundesratsersatzwahlSP-Frauen sind gegen ein reines Frauenticket

Selbst Sozialdemokratinnen finden es übertrieben, dass die Parteispitze für die Nachfolge von Bundesrätin Simonetta Sommaruga nur Frauen vorschlagen will.

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«Ich finde die Fixierung auf ein reines Frauenticket demokratisch und strategisch ungeschickt»: SP-Nationalrätin Franziska Roth. (Archivbild)

«Ich finde die Fixierung auf ein reines Frauenticket demokratisch und strategisch ungeschickt»: SP-Nationalrätin Franziska Roth. (Archivbild)

20min/Simon Glauser
Auch Nationalrätin Gabriela Suter kann sich vorstellen, dass die Partei «für eine kurze Übergangszeit zwei Frauen oder zwei Männer im Bundesrat hat».

Auch Nationalrätin Gabriela Suter kann sich vorstellen, dass die Partei «für eine kurze Übergangszeit zwei Frauen oder zwei Männer im Bundesrat hat».

20min/Simon Glauser
Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat überraschend ihren Rücktritt auf Ende Jahr eingereicht.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat überraschend ihren Rücktritt auf Ende Jahr eingereicht.

20min/Stefan Lanz

Darum gehts

Das Zweier-Frauenticket, mit dem die SP-Führung in die Bundesratswahlen steigen will, kommt intern unter Druck. Nachdem Ständerat Daniel Jositsch den Antrag der Parteispitze als «diskriminierend» bezeichnet hat, äussern nun auch Frauen Kritik. «Ich finde die Fixierung auf ein reines Frauenticket demokratisch und strategisch ungeschickt», sagt SP-Nationalrätin Franziska Roth in der «SonntagsZeitung». Für Roth steht ausser Frage, dass die SP fähige Frauen für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga hat. «Wir sollten aber auch Männern, die wollen, eine Chance geben.» Mit einer internen Ausmarchung mit Frauen und Männern sei der Sache der Gleichstellung mehr gedient.

Für Nationalrätin Gabriela Suter ist es zwar selbstverständlich, dass die SP eine Vertretung mit einer Frau und einem Mann im Bundesrat anstrebt. Trotzdem kann sie sich vorstellen, dass die Partei «für eine kurze Übergangszeit zwei Frauen oder zwei Männer im Bundesrat hat». Auch andere SP-Frauen sind überzeugt, dass das Frauenticket in der Bundeshausfraktion noch zu Diskussionen führen werde und der definitive Entscheid nicht gefallen sei.

Wermuth Seite an Seite mit Meyer

SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer verteidigt das Frauenticket in der Zeitung weiterhin. «Die SP ist die Partei der Gleichstellung. Diesen Anspruch müssen wir auch an uns selbst stellen», sagt sie. Dass sich Daniel Jositsch eine Kandidatur überlegt, stört sie denn auch. Meyer fordert Jositsch sogar auf, nicht anzutreten: «Wir sind überzeugt davon, dass auch mögliche Kandidaten die Notwendigkeit einer Frauenkandidatur sehen und jetzt verzichten. Sie haben die Möglichkeit, nach einem Rücktritt von Alain Berset zu kandidieren.» 

Ist ein Frauenticket für die Bundesratswahl diskriminierend?

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth steht Meyer im «SonntagsBlick» zur Seite: «Ohne Frauenticket besteht das Risiko, nur noch zwei Frauen in der Landesregierung zu haben», sagt er im Interview mit dem «SonntagsBlick». «Das würde die Bevölkerung nicht verstehen.» Für die SP-Spitze darf es auch eine Frau aus der Romandie sein. Dass die Deutschschweiz bei drei Romands im Bundesrat deutlich untervertreten wäre, ist aus Wermuths Sicht kein Problem: «Ich verstehe nicht, wovor die Deutschschweizer Angst haben, wenn drei Romands im Bundesrat sind.»

(chk)

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