«Verreckt, Nazi-Bande!»: SP-Generalsekretär wollte Rechtsradikale verprügeln
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«Verreckt, Nazi-Bande!»SP-Generalsekretär wollte Rechtsradikale verprügeln

Ein 17-jähriger SP-Generalsekretär aus der Waadt beleidigt Identitäre aufs Übelste. Und fordert sie zu einer Schlägerei auf.

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Ein Ausschnitt des Chatverlaufs zwischen dem 17-jährigen SP-Generalsekretär von Pully (VD) und einer Gruppe von Genfer Nationalisten.

Ein Ausschnitt des Chatverlaufs zwischen dem 17-jährigen SP-Generalsekretär von Pully (VD) und einer Gruppe von Genfer Nationalisten.

Darin schreibt der Jungsozialist: «Nazi-Bande! Verreckt in den Gossen von Genf.»

Darin schreibt der Jungsozialist: «Nazi-Bande! Verreckt in den Gossen von Genf.»

Keystone/Peter Klaunzer
Ausserdem fordert der 17-Jährige sie zu einer Schlägerei im Innenhof einer Schule auf.

Ausserdem fordert der 17-Jährige sie zu einer Schlägerei im Innenhof einer Schule auf.

Keystone/Christian Beutler

«Nazi-Bande! Verreckt in den Gossen von Genf.» Diese Worte schickte der Generalsekretär der SP-Sektion von Pully (VD) am vergangenen Donnerstag an eine Gruppe von Genfer Nationalisten. Der 17-jährige Jungsozialist, Mitglied der waadtländischen Jugendkommission, forderte sie zudem zur Schlägerei im Innenhof einer Schule auf.

Er bedauere seine Wortwahl, sagt der Jungsozialist jetzt. Die Präsidentin der SP Waadt, Jessica Jaccoud, hörte ihn zuvor an. Seinen Ausrutscher rechtfertigt er mit einem anonymen Brief, der einen Tag zuvor am Wohnsitz seiner Familie per Post eingegangen sei.

Angeblich Familie bedroht

Darin wird der Jungsozialist beleidigt und seine Familie mit dem Tod bedroht. Signiert ist der Brief mit den Buchstaben KP, die er als Initialen der «Kalvingrad Patriote» identifiziert, einer kleinen Gruppe von Genfer Identitäten, die als sehr rechts gilt und oft von der Antifa attackiert wird.

Zweifel an dieser Version bleiben allerdings bestehen. Denn der Waadtländer begnügte sich damit, 20 minutes einen Scan des angeblich anonymen Briefs zu schicken: eine A4-Seite ohne Faltspuren. Ein kurzes Treffen mit 20 minutes, um den Brief in Papierform zu zeigen, verweigerte der Jungsozialist.

SP-Kantonalpräsidentin verurteilt Äusserung

Sein beleidigendes Schreiben an die angeblichen Verfasser erwähnte er zu keinem Zeitpunkt. Was den erhaltenen frankierten Umschlag anbelangt, so sagt er, habe er diesen nicht aufbewahrt. Aber er versichert, dass er im Begriff sei, eine Anzeige gegen unbekannt bei der Waadtländer Staatsanwaltschaft einzureichen.

Jessica Jaccoud zweifelt nicht an der Darstellung des Jungsozialisten. Stattdessen hebt sie sein junges Alter hervor: «Er war sehr schockiert und hatte Angst um seine Familie. Er verspürte eine grosse Wut, weil er als Mitglied einer politischen Partei angegriffen wurde.» Sie sagt, sie unterstütze ihn, heisse aber «seine bedauerlichen Äusserungen» nicht gut.

Kämpfe und Provokationen

Kämpfe und Provokationen

In gewalttätigen Attacken stehen sich in Genf regelmässig militante Links- und Rechtsradikale gegenüber. Der jüngste Fall ereignete sich am vergangenen Samstagabend, als ungefähr zwanzig bewaffnete Antifas in der Innenstadt Mitglieder der «Kalvingrad Patriote» überfielen. Einige landeten im Spital, doch es wurde noch keine Anzeige eingereicht.

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