Nach 16 Jahren: SP-Nationalrätin Hildegard Fässler tritt zurück

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Nach 16 JahrenSP-Nationalrätin Hildegard Fässler tritt zurück

Die ehemalige Fraktionschefin der Sozialdemokraten hat nach 16 Jahren genug. Hildegard Fässler zieht sich per 3. März 2013 aus dem Nationalrat zurück und wird somit an der Frühlingssession nicht mehr teilnehmen.

Hildegard Fässler im September 2012 im Gespräch mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Hildegard Fässler im September 2012 im Gespräch mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

In einem Interview mit der Zeitung «Werdenberger und Obertoggenburger» vom Samstag hat die 61-jährige Ostschweizer Nationalrätin ihren Abschied von der nationalen Bühne bekannt gegeben. An der Frühlingssession, die am 5. März beginnt, wird Fässler nicht mehr teilnehmen. «Ich finde vier Legislaturen eine sehr vernünftige Amtszeit», sagte Fässler.

An der Frühlingssession, die am 4. März beginnt, wird die Mathematikerin und Mittelschullehrerin somit nicht mehr teilnehmen. Sie habe nicht während einer Session zurücktreten wollen, erklärte sie gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Eine Verabschiedung durch das Parlament hätte sie emotional nicht verkraftet.

Zu den Höhepunkten ihrer Zeit in Bundesbern zählt Fässler das Präsidium der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) von 2008 bis 2009. Dieses Amt habe ihr Gelegenheit geboten, sehr genau in die Mechanismen des Parlaments und der Politik zu blicken.

Verantwortlich für Calmy-Reys Wahl

Ein weiterer Höhepunkt war die «reibungslose Wahl» von Micheline Calmy-Rey zur Bundesrätin im 2003. Als Fraktionspräsidentin sei sie für die Strategie verantwortlich gewesen. Der SP-Bundeshausfraktion stand Fässler von Juni 2002 bis Juni 2006 vor.

Was Calmy-Rey gelang, blieb ihr allerdings verwehrt. Im Jahr 2010 war sie im Gespräch als Nachfolgerin von Bundesrat Moritz Leuenberger. Sie wurde von ihrer Kantonalpartei nominiert, verpasste dann aber den Sprung aufs Zweierticket der SP-Bundeshausfraktion.

Ein wenig enttäuscht sei sie da schon gewesen, sagte die Ostschweizerin im Interview mit der Regionalzeitung. Rückblickend sei die Nicht-Nomination für ihre Lebensqualität aber «bestimmt nicht schlecht» gewesen.

Erfolge bei der Steuergerechtigkeit

Zu ihren grössten Erfolgen in der Sachpolitik zählt Fässler, «dass wir heute kein Bankgeheimnis mehr haben für ausländische Steuerhinterzieher» und dass sich die Steuergerechtigkeit verbessert habe. Zudem habe sie Freude an der «modernen Landwirtschaftsgesetzgebung».

Regionalpolitische Erfolge seien die Ansiedlung des Bundesverwaltungsgerichts in St. Gallen und die Anbindung des öffentlichen Verkehrs der Ostschweiz ans internationale Bahnnetz.

Fässler war vor ihrer Wahl in den Nationalrat vier Jahre Kantonsrätin. Von 2001 bis 2004 präsidierte sie die SP des Kantons St. Gallen. In Zukunft will sie nur noch ein Parteimitglied sein, wie alle anderen. Spezielle Engagements suche sie nicht. «Wenn ich aber angefragt werde, stehe ich zur Verfügung», sagte sie.

Grundsätzlich wolle sie ihre Tätigkeiten reduzieren und mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen. Zudem bleibe sie im Universitätsrat der Uni St. Gallen und Präsidentin des Hausvereins Schweiz.

Wichtiges Aushängeschild

«Ohne Hildegard Fässler werde im Nationalrat etwas fehlen», sagte auf Anfrage die Präsidentin der SP St. Gallen, Monika Simmler. Für die Kantonalpartei sei Fässler dank ihrer Bekanntheit und ihrem Renommee ein wichtiges Aushängeschild gewesen.

Parteiintern sei sie eine zentrale Ansprechperson gewesen mit ihrer Erfahrung und ihrer Menschlichkeit. «Sie war immer 'die Hilde' - bodenständig und zugänglich», erklärte Simmler.

Im Nationalrat rückt für Fässler Claudia Friedel nach. Die 52-Jährige sitzt für die Sozialdemokraten seit 1996 im St. Galler Kantonsrat. Der Kantonalpartei stand sie von 2004 bis 2012 als Präsidentin vor. (sda)

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