Studie gefordert: SP-Nationalrätin will Doppelnamen zurück
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Studie gefordertSP-Nationalrätin will Doppelnamen zurück

Wegen der Abschaffung der Doppelnamen würden wieder mehr Frauen den Namen ihres Mannes annehmen, glaubt SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz. Sie fordert Antworten.

von
sma
SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz will, dass Ehepaare wieder einen Doppelnamen tragen können.

SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz will, dass Ehepaare wieder einen Doppelnamen tragen können.

Sandra Müller und Markus Meier wollen heiraten. Beide müssen sich nun entscheiden: Behalte ich meinen Namen oder gebe ich ihn ab? Denn einen Doppelnamen zu tragen ist seit dem neuen Namensrecht, das vor zwei Jahren eingeführt wurde, nicht mehr möglich. Dabei wäre genau das Sandras Wunsch. Schliesslich ist ihr Familienname Teil ihrer Identität. Auf der anderen Seite will sie aber auch – sollten sie eines Tages Kinder haben – dass die ganze Familie den gleichen Namen trägt. Schweren Herzens entscheidet sich Sandra deshalb, ihren Nachnamen abzugeben, auch wenn sie dabei das Gefühl beschleicht, ihre Ideale einer unabhängigen Frau zu verraten.

Das Beispiel ist fiktiv, dennoch sehen sich viele Heiratswillige mit ähnlichen Problemen konfrontiert: «Heutzutage müssen Frauen zwischen zwei extremen Lösungen wählen – einer progressiven und einer konservativen. Aber es fehlt ein Mittelweg», sagt SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz. Die Waadtländerin ist überzeugt, dass Frauen seit der Einführung des neuen Namensrechts wieder vermehrt den Namen des Mannes annehmen. Denn gerade für Mütter sei es wichtig, den gleichen Namen wie ihre Kinder zu tragen. Sie sei von vielen Betroffenen auf dieses Problem angesprochen worden, sagt Ruiz gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Die 32-Jährige will deshalb Klarheit und fordert in einem Postulat, dass die Auswirkungen des neuen Namensrechts in einer Studie untersucht werden. Ihr Ziel ist «die grösstmögliche Wahlfreiheit»: «Jeder soll den Namen wählen können, der ihm am besten entspricht.»

«Staat soll uns nicht vorschreiben, wie wir heissen sollen»

Unterstützung erhält Ruiz von links bis rechts. Vor allem bürgerliche Kreise haben die Gesetzesrevision vor zwei Jahren stark kritisiert. Einer von ihnen ist SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Dass Ruiz das Thema erneut aufs politische Parkett bringt, freut ihn: «Ich sehe nicht ein, warum der Staat uns vorschreiben soll, wie wir heissen sollen.» Er wisse von vielen Frauen, die sich den Doppelnamen wieder zurück wünschten. «Ich bin in diesem Bereich für den grösstmöglichen Spielraum.»

Dass die Gesetzesrevision, die auf einen Vorstoss von SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer zurückgeht, ausgerechnet von einer SP-Kollegin hinterfragt wird, bringt den SVP-Nationalrat zum Schmunzeln: «Es zeigt einfach, dass die Gleichstellungspolitik der SP nicht aufgeht.»

Leutenegger Oberholzer kontert

Diesen Vorwurf will Leutenegger Oberholzer nicht auf sich sitzen lassen. «Es ist naiv, bereits nach einem Jahr zu sagen, dass eine Revision gescheitert ist.» Bis die neue Regel in der Gesellschaft angekommen sei, brauche es viel mehr Zeit. «Bei den Doppelnamen war es identisch: Auch diese wurden erst nach vielen Jahren in der Gesellschaft salonfähig.»

So lange will Ruiz nicht warten. Sie hofft, dass die Studienergebnisse bereits 2016 vorliegen. Momentan gehen inoffizielle Schätzungen davon aus, dass 71 Prozent der Frauen den Namen ihres Mannes angenommen haben. Das wären gleich viel wie vor der Gesetzesänderung. Eine Umfrage der Zeitung «Schweiz am Sonntag» hatte allerdings ergeben, dass je nach Gemeinde 75 bis 90 Prozent den Namen des Mannes gewählt hatten. «Sollte die Studie meinen Verdacht bestätigen und zeigen, dass wieder mehr Frauen den Namen ihres Mannes annehmen, dann müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, dass Gesetz wieder zu ändern», sagt Ruiz. Dann habe die Revision das Ziel der Gleichstellung nämlich definitiv verfehlt.

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