Winterthur: SP-Politiker strauchelt über Pädo-Verfahren
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WinterthurSP-Politiker strauchelt über Pädo-Verfahren

Er wurde wegen Besitzes von Kinderpornos verurteilt und hat ein Strafverfahren am Hals. Trotzdem wollte SP-Mitglied Andreas F. (49) in den Bezirksrat – gestern Abend gab er auf.

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Dass Andreas F.* überhaupt auf die Idee kam, für den Winterthurer Bezirksrat zu kandidieren, erscheint unfassbar. Denn der 49-Jährige aus Wiesendangen ZH stand erst vergangenen Sommer wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Pornografie vor Gericht, wie die Zeitung «Der Landbote» am Samstag schrieb. Laut Anklageschrift soll er sein damals dreijähriges Patenkind immer wieder beim Schlafen betatscht und mit ihm «Dökterlis» gespielt haben. Weiter stellte die Polizei bei ihm offenbar rund 180 000 Kinderporno-Dateien sicher. F. wurde deshalb 2009 festgenommen und verbrachte einen Monat in Untersuchungshaft. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. F., der Mitglied bei der SP Kanton Zürich ist, bestreitet die Vorwürfe vehement. Er habe nie ein Kind missbraucht, sei für sein Gotte­meitli vielmehr wie ein Vater gewesen. Unbestritten ist hingegen, dass der Projektingenieur bereits 2005 rechtskräftig verurteilt worden war: Wegen des Besitzes von Kinderpornografie musste er eine Geldstrafe bezahlen.

Rückzug aus Rücksichtsnahme

Trotz dieser Vorgeschichte wollte F. unbedingt in den Bezirksrat – und sorgte damit in Winterthur für Empörung. Denn wäre er am 11. März gewählt worden, hätte er künftig auch die Aufsicht über die Vormundschaftsbehörde gehabt und womöglich gar über Fälle von Kindsmissbrauch befinden können. Für F. «kein Problem». Trotz hängigem Verfahren «fühle ich mich nicht asozial», liess er sich im «Landboten» zitieren.

Nachdem 20 Minuten gestern den ganzen Tag versucht hatte, ihn zu kontaktieren, meldete sich F. am Abend telefonisch – und gab auf. «Ich kann es meinem betagten Vater und dem betroffenen Kind gegenüber nicht mehr verantworten. Der Druck ist zu gross.» Er ziehe deshalb seine Kandidatur zurück.

*Name der Redaktion bekannt (mir/20 Minuten)

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