Live aus Bern: «Diese Abstimmung war eine Schande» – SP-Funiciello hält Wutrede in Bern

Live aus BernSP rief zum Streik auf – Wütende Frauen demonstrieren in Bern

Nach dem hauchdünnen Ja zur AHV-Reform haben die SP Frauen zu einer Demo in Bern aufgerufen. 20 Minuten berichtet live.

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Montag, 26.09.2022

Frauen wollen weiter politisch für ihre Rechte kämpfen

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele Frauen zwar vom Abstimmungssonntag herb enttäuscht sind, jetzt aber erst recht für ihre Anliegen weiterkämpfen wollen. Die beiden Co-Präsidentinnen der SP-Frauen, Martine Docourt und Tamara Funiciello, pochten auf echte Gleichstellung auch bei den Löhnen und den versprochenen Rentenzuschlag beim BVG.

Die beiden riefen auch zum Frauenstreik im Juni 2023 auf – und attackierten neben den «alten weissen Männern» auch bürgerliche Politikerinnen, die sich stärker für die Rechte aller Frauen einsetzen müssten.

«Sind gekommen, um zu bleiben»

Die Politik scheint laut Funiciello vergessen zu haben, was die wirklichen Probleme der Frauen seien. «Jetzt gilt es, sie daran zu erinnern und zum nächsten feministischen Frauenstreik am 14. Juni 2023 aufzurufen. Wir müssen wieder auf die Strasse gehen.» Gleichzeitig müsse der Kampf auch im Parlament weitergehen. Es brauche Mindestlöhne, die Pflegeinitiative, genügend Kitaplätze und faire Frauenrenten. «Wir sind hier und wir sind gekommen, um zu bleiben», endet die Rede von Funiciello unter dem tosenden Applaus der Zuschauerinnen und Zuschauer, die den Bahnhofsplatz in Bern mittlerweile gut füllen.

«Ihr habt noch ein Jahr Zeit»

Funiciello warnt die bürgerlichen Frauen vor der Wahl 2023: «Ihr habt noch ein Jahr, um zu beweisen, dass es euch ernst ist. Sonst braucht es keine rosa, sondern eine rote Welle!» Die AHV-Befürworter hätten das Argument der Gleichstellung missbraucht. «Echte Gleichstellung ist nicht unsere Forderung, es ist unser verfassungsmässig garantiertes Recht», sagt Funiciello. Nach der Abstimmung vom Sonntag würde die Ungleichheit bei den Löhnen noch verstärkt. «Frauen tragen diese Gesellschaft unbezahlt und jetzt müssen wir einmal mehr büssen», ärgert sich Funiciello.

Rede Tamara Funiciello

Tamara Funiciello ist richtig wütend. Vor lauter Wut habe sie kaum eine Rede vorbereiten können. «Diejenigen, die sagen, es sei undemokratisch, dass wir heute hier stehen, denen sage ich: Es ist undemokratisch, dass wir seit 40 Jahren ein Recht auf Gleichstellung haben und dass die Männer immer noch nicht gecheckt haben, dass wir meilenweit davon entfernt sind.» Es sei eine Schande, dass «alte, reiche Männer» gestern über schwächer gestellte Frauen entschieden hätten. «Die alten reichen Männer zwingen sie, länger zu arbeiten, das ist ein Hohn!», brüllt Funiciello ins Mikrofon. «Das hier ist eine erste Kampfansage an die alten, weissen, reichen Männer! An die, die entschieden haben, dass die Nannys, Kita-Mitarbeiterinnen und Pflegefachkräfte, die es den reichen Frauen ermöglichen, dass sie arbeiten können, jetzt länger arbeiten müssen. Und es ist eine Kampfansage an die bürgerlichen Frauen, die nach dem feministischen Streik 2019 gewählt wurden. Das Einzige, war bisher erreicht wurden, sind mikrige zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, ein Besuch beim Frauenbesuchstag der Armee und die Erhöhung des Frauenrentenalters.»

Rede auf Französisch

Martine Docourt, Co-Präsidentin der SP Frauen Schweiz, hält eine Rede auf Französisch. Sie sagt, es gebe immer noch 20 Prozent Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern. Es brauche echte Gleichstellung im Job. Die Frauen seien wütend, ihr Leben sei verschlechtert worden mit der Abstimmung. Es brauche jetzt den versprochenen Rentenzuschlag beim BVG. Sie ruft zum feministischen Streik 2023 auf. Die Gewerkschaften, Frauenbewegungn und die Linke würden weiterhin für echte Gleichstellung und die Rechte der Frauen einstehen.

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