«Gesellschaft hat verlernt zu sterben» SP stellt bürgerliche «Corona-Verharmloser» an den Pranger
Die SP wirft bürgerlichen Politikern vor, sich um Corona-Tote zu foutieren. Die Bürgerlichen sind verärgert über die Schuldzuweisung der Linken.
- von
- Leo Hurni
Die SP wirft unter anderem diesen drei Politiker vor, sich um Corona-Tote zu foutieren.
Darum gehts
Die SP veröffentlicht eine Sammlung von Zitaten bürgerlicher Politiker.
Sie wirft den Politikern vor, gleichgültig gegenüber den Opfern der Corona-Pandemie zu sein.
Man müsse jetzt an einem Strang ziehen sich nicht gegenseitig zerfleischen, meint eine betroffene Politikerin dazu.
Unter dem Titel «Best of Pandemiepolitik» hat die SP auf Instagram und Facebook Zitate von mehreren bürgerlichen National- und Ständeräten veröffentlicht, darunter Sätze wie: «Nicht jeder Tod ist eine Katastrophe.» Man wolle damit auf die Gleichgültigkeit der bürgerlichen Politiker gegenüber den Corona-Toten aufmerksam machen, sagt SP-Co-Präsident Cédric Wermuth. Die betroffenen Politiker reagieren teils verärgert auf den Angriff.
«Bei allem Respekt vor jedem Todesfall. Ich wäre froh, ich würde das durchschnittliche Alter der Corona-Toten erreichen.» – FDP-Ständerat Andrea Caroni
Genervt ist FDP-Ständerat Andrea Caroni. Die seit Frühling immer gleiche linke Polemik gegen alle Politiker, welche die bundesrätlichen Einschränkungen kritisch prüften, sei langsam langweilig, sagt er. Zu seiner Aussage, er würde gerne 86 Jahre alt, stehe er natürlich. «Zu Recht erbringen wir historische Opfer, um möglichst viele Lebensjahre zu sichern. Wir wollen aber auch Lebensqualität sichern. Daher prüfe ich alle Massnahmen mit kritischem Geist, wobei ich die allermeisten mittrage.»
«Gründet religiöse Gemeinschaften, um die Corona-Einschränkungen auszuhebeln» – SVP-Nationalrat Erich Hess
Auch SVP-Nationalrat Erich Hess schafft es ins «Best of Pandemiepolitik» der SP. In einem Video rief er zur Umgehung der 10-Personen-Regel des Bundes auf – und machte sich so möglicherweise strafbar. Die Kritik der SP beeindruckt Hess allerdings nicht. «Mit meinem Video wollte ich nur die Absurdität der Corona-Regeln aufzeigen.» Hess versichert aber: «Auch ich werde mich an Weihnachten an die BAG-Vorschriften halten.»
«Wir haben mehr Corona-Tote, weil wir mehr testen.» – CVP-Ständerätin Andrea Gmür
CVP-Ständerätin Andrea Gmür bedauert das Missverständnis. «Das war eine ungeschickte Aussage, ganz klar. Was ich damit sagen wollte: Wenn wir im Frühling bereits ausgebaute Testkapazitäten gehabt hätten, hätte man wohl damals schon mehr Covid-Todesfälle beklagen müssen.» Gmür kritisiert die SP allerdings für ihren Angriff. «Gegenseitige Kritik ist jetzt aber sicher nicht angebracht. Wir müssen jetzt am gemeinsamen Strick ziehen, um die Pandemie zu meistern.»
SP-Co-Präsident Cédric Wermuth erklärt die Aktion: «Wir wollten damit zeigen, wie schockiert wir über die bürgerliche Pandemiepolitik sind. Wir können nicht verstehen, wieso man Tote in Kauf nimmt für den Profit.» Wermuth befürchtet, dass man mit den aktuellen Massnahmen zu spät sei. Dass der Bundesrat Ende Dezember über stärkere Massnahmen diskutieren wolle, sei dennoch ein Schritt in die richtige Richtung.
In den sozialen Medien sorgt die Aktion der SP für Diskussionen. Auch einige Anhänger der Sozialdemokraten äussern sich kritisch. «Ich bin in eigentlich SP-Wählerin, dass die SP sich nun auf das Niveau der SVP bringt, enttäuscht mich» erscheint als einer der Top-Kommentare auf Instagram, dicht gefolgt von der Gegenseite: «Schlimm, diese Aussagen. Auch deswegen bin ich in der SP.»
Die ebenfalls zitierten Ruth Humbel und Bruno Damann waren für 20 Minuten am Dienstag nicht erreichbar.
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