AHV-Revision - SP und Unia wollen Rentenalter 65 für Frauen mit Referendum bekämpfen
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AHV-RevisionSP und Unia wollen Rentenalter 65 für Frauen mit Referendum bekämpfen

Das Parlament hat beschlossen, dass Frauen statt mit 64 Jahren künftig erst mit 65 Jahren pensioniert werden. Linke Politiker und Gewerkschaften wehren sich dagegen.

von
Bettina Zanni
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Der Nationalrat beschloss am Mittwoch, das Rentenalter auf 65 Jahre zu erhöhen.

Der Nationalrat beschloss am Mittwoch, das Rentenalter auf 65 Jahre zu erhöhen.

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«Wir werden das Referendum ergreifen, weil die Rentensituation der Frauen miserabel ist», sagt SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer.

«Wir werden das Referendum ergreifen, weil die Rentensituation der Frauen miserabel ist», sagt SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer.

Manuela Matt / Tamedia AG
Auch die Gewerkschaft Unia wird die Vorlage mit einem Referendum bekämpfen, wie Unia-Chefin Vania Alleva auf Anfrage bestätigt.

Auch die Gewerkschaft Unia wird die Vorlage mit einem Referendum bekämpfen, wie Unia-Chefin Vania Alleva auf Anfrage bestätigt.

unia.ch

Darum gehts

  • Das Rentenalter für Frauen soll gemäss Parlament auf 65 Jahre erhöht werden.

  • Die SP und die Gewerkschaft Unia wollen dagegen das Referendum ergreifen.

  • «Das erhöhte Rentenalter bedeutet einen Rentenabbau für die Frauen», sagt SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer.

  • FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt sieht dagegen darin einen wichtigen Schritt für die Gleichstellung von Mann und Frau.

Frauen sollen künftig ein Jahr länger arbeiten: Der Nationalrat beschloss am Mittwoch, das Rentenalter auf 65 Jahre zu erhöhen. Der Ständerat hatte der Vorlage bereits im März zugestimmt. Geschlossen dagegen sprachen sich die Fraktion der SP und der Grünen aus. Die SP kündigt bereits ein Referendum an, wie SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer auf Anfrage bestätigt.

«Wir werden das Referendum ergreifen, weil die Rentensituation der Frauen miserabel ist», sagt Meyer. Die Durchschnittsrente aller Frauen sei tiefer als 3000 Franken. «Das erhöhte Rentenalter bedeutet einen Rentenabbau für die Frauen.»

Frauen seien im Erwerbsleben benachteiligt

Auch die Gewerkschaft Unia wird die Vorlage mit einem Referendum bekämpfen, wie Unia-Chefin Vania Alleva auf Anfrage bestätigt. «Wir akzeptieren keine AHV-Revision, die ausschliesslich auf dem Buckel der Frauen ausgetragen wird.» Frauen seien im Erwerbsleben nach wie vor benachteiligt. «Sie sind von einer Lohndiskriminierung betroffen, die gemäss den letzten Daten sogar zugenommen hat.»

Auch seien sie oft in sogenannten Tieflohnbranchen tätig, sagt Alleva. «Dazu kommt, dass sie einen grossen Teil der unbezahlten Care-Arbeit übernehmen.» Da sich dies alles negativ auf die Rentenhöhe auswirke, sei ihre Rente über einen Drittel tiefer als jene der Männer. «Frauen dürfen nicht die Revision der AHV zahlen.»

«Wichtiger Schritt für Gleichstellung»

Grosse Unterstützung erhält das erhöhte Rentenalter von bürgerlicher Seite. «Die AHV weist eine grosse Finanzierungslücke auf», sagt FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt. In der Kasse fehlten 200 Milliarden Franken, was dem Dreifachen der Corona-Ausgaben entspreche. Die Frauen kämen dabei nicht zu kurz. «Sie profitieren klar vom System, weil sie mehr Rente erhalten, als sie einzahlen.»

Der FDP-Nationalrat sieht im erhöhten Rentenalter auch einen wichtigen Schritt für die Gleichstellung von Mann und Frau. «Jetzt ist die Wirtschaft in der Pflicht, die Lohnungleichheit zu beheben.» Werde hingegen auf dem Rentenalter 64 beharrt, verfestigten sich die bisherigen Unterschiede. «Wenn Männer bis 65 Jahre arbeiten, sollte dies im Sinne der Gleichstellung auch für Frauen gelten.»

Reform AHV 21

Seit 2014 reichen die Lohnbeiträge und die Beiträge der öffentlichen Hand nicht mehr aus, um die laufenden Renten der AHV zu finanzieren. 2040 rechnet der Bund mit einem Defizit von mehr als 12 Milliarden Franken. Die Reform AHV 21 hält das Rentenniveau und sichert die Finanzierung der AHV bis 2030.

Dabei wird das Referenzalters der Frauen sowohl in der AHV als auch in der beruflichen Vorsorge schrittweise von 64 auf 65 Jahre erhöht. Der Nationalrat verlangt nach Einkommen abgestufte Zuschläge auf die Renten von Frauen, die bis zum Referenzalter 65 arbeiten. Bei einem durchschnittlichen Einkommen von bis zu 57'360 Franken sieht er 150 Franken vor. Frauen, die bis 71'700 Franken verdienen, sollen einen Zuschlag von 100 Franken erhalten und bei höheren Einkommen noch 50 Franken.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert?

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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