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Austritt aus SP«SP vergisst die Leute mit Migrationshintergrund»

Blerim Bunjaku hat genug von der SP Winterthur. Als Parteiloser will er jetzt in den Stadtrat.

von
Silvana Schreier
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«Die SP Winterthur hat mich nie wirklich gemocht. Vielleicht hatten sie Angst, dass ich bei einer Wahl in den Gemeinde- oder Kantonsrat zu viele Stimmen holen würde», sagt der 39-jährige Blerim Bunjaku.

«Die SP Winterthur hat mich nie wirklich gemocht. Vielleicht hatten sie Angst, dass ich bei einer Wahl in den Gemeinde- oder Kantonsrat zu viele Stimmen holen würde», sagt der 39-jährige Blerim Bunjaku.

zvg
Blerim Bunjaku engagiert sich seit Jahren für die Integration: Er lancierte unter anderem die Schweizermacher-App, ein Einbürgerungstest fürs Smartphone.

Blerim Bunjaku engagiert sich seit Jahren für die Integration: Er lancierte unter anderem die Schweizermacher-App, ein Einbürgerungstest fürs Smartphone.

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Blerim Bunjaku: «Für mich bedeutet Integration, dass man zuerst einmal die Leute integriert, die bereits in der Schweiz sind.» Die SP konzentriere sich zu fest auf Flüchtlinge.

Blerim Bunjaku: «Für mich bedeutet Integration, dass man zuerst einmal die Leute integriert, die bereits in der Schweiz sind.» Die SP konzentriere sich zu fest auf Flüchtlinge.

Blerim Bunjaku machte in den vergangenen Jahren mit zwei Projekten auf sich aufmerksam: Er lancierte eine Einbürgerungs-Test-App und gründete den Verein FairWinti, der Angehörige von radikalisierten Jugendlichen berät.

Für die EVP kandidierte der 39-Jährige 2015 für den Kantonsrat und erreichte den dritten Platz. Im selben Jahr wechselte zur Winterthurer SP. Jetzt verlässt der gebürtige Albaner die Partei.

Herr Bunjaku, Sie sind aus der SP Winterthur ausgetreten. Warum?

Blerim Bunjaku: Die Partei hat mich nie unterstützt. Ich wollte auf die Gemeinderatsliste für die Wahl von 2018. Doch dass ich nicht auf die Liste komme, fand ich sehr seltsam. Als ich fragte, warum, sagte Christoph Baumann, Co-Präsident der SP Winterthur, das Vertrauen müsse gestärkt werden und ich sei noch nicht lange genug in der Partei.

Warum lehnt die SP Sie ab?

Die SP Winterthur hat mich aus irgendeinem Grund nicht gemocht. Vielleicht hatten sie Angst, dass ich bei den Gemeinde- oder Kantonsratswahlen zu viele Stimmen holen würde. Der Neid war sehr gross in dieser konservativen Partei. Durch die Projekte, die ich lanciert habe, war ich oft präsent in den Medien. Und ich habe eine eigene Meinung, die nicht immer dem Parteiprogramm entspricht. Das war der SP zu viel.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Meinung vom SP-Parteiprogramm?

Ich will eine volksnahe Politik betreiben. Mein Programm wird von der Gesellschaft geschrieben, nicht von einer Partei. Die SP schreibt Integration zwar gross. Richtig darum kümmern tun sie sich aber nicht. Die SP muss einsehen, dass nicht nur fördern wichtig ist, sondern auch fordern, beispielsweise im Bereich der Sprache.

Wie zeigt sich das?

Die SP konzentriert sich schweizweit momentan nur auf Flüchtlinge. Sie vergisst aber die Leute mit Migrationshintergrund, die sich noch nicht integriert haben. Für mich bedeutet Integration, dass man zuerst die Leute integriert, die bereits in der Schweiz sind. Das hat Priorität.

Sie kritisieren die Integrationspolitik der SP Winterthur. Was läuft schief?

Die SP hat sich nie für Projekte interessiert, die ich angerissen habe, obwohl beispielsweise das Projekt FairWinti, ein Beratungsangebot für radikalisierte Jugendliche, sogar von der Stadt Winterthur aufgegriffen wurde. Die SP Winterthur hat nicht mal eine Integrationsgruppe, die sich kümmert. Ich war der Einzige, der etwas für die Integration gemacht hat.

Vor zwei Jahren verliessen Sie die EVP für die SP. Gehen Sie jetzt wieder zurück zur EVP?

Nein, ich werde parteilos politisieren. So kann ich mein ganzes Potenzial ausschöpfen. Sowieso würde ich mich in fast keiner Partei richtig wohl fühlen, denn meine politische Linie ist mal links, mal wirtschaftsliberal, mal bürgerlich.

Was macht die SP falsch, dass sich immer wieder Mitglieder von der Partei abwenden?

Ich sehe dieses Problem bei vielen Parteien, aber vor allem bei der SP. Einige Ex-SPler finden, dass sie nur als Stimmenfänger gebraucht wurden. Für die SP zählt nur, ob man schon länger dabei ist und wie gut man innerhalb der Partei vernetzt ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich kandidiere als Parteiloser für den Winterthurer Stadtrat. Aber ich bin realistisch: Meine Chancen sind gering. Meine Wahl wäre ein Wunder! Trotzdem sehe ich es als Chance. Und ich kandidiere, um gewählt zu werden.

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