Mondlandung: Später Triumph einer utopischen Idee

Aktualisiert

MondlandungSpäter Triumph einer utopischen Idee

Vor 40 Jahren fand die Generalprobe für die Mondlandung statt: Apollo 10 testete in der Mondumlaufbahn das Ab- und Anlegen der Landefähre. Es war ein später Triumph für einen längst toten ukrainischen Ingenieur.

von
Peter Blunschi

Am 18. Mai 1969 startete die Mission Apollo 10 in Richtung Mond. Es war der letzte Testflug vor der geplanten ersten Landung auf dem Mond. Dabei kam ein Verfahren zum Einsatz, das der gebürtige Ukrainer Juri Kondratiuk bereits 1916 beschrieben hatte: ein kleines Landegerät sollte ein Mutterschiff in der Mondumlaufbahn verlassen, die Besatzung hinab zur Oberfläche und wieder zurück bringen.

Was sich aus heutiger Sicht einfach anhört, galt lange als undurchführbar. Noch 1961, als Präsident John F. Kennedy das Ziel formuliert hatte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Amerikaner zum Mond und wieder zurück zu bringen, hielt die Raumfahrtbehörde NASA die Methode für zu kompliziert. Sie favorisierte einen auf den ersten Blick simplen Ansatz: Eine Rakete sollte zum Mond fliegen, dort senkrecht landen und auf die gleiche Weise zur Erde zurückkehren.

Zu teuer und zu kompliziert

Bald jedoch zeigte sich, dass dafür eine gigantische Rakete benötigt worden wäre. Sie hätte gemäss BBC etwa viermal so stark sein müssen wie die bereits riesige Saturn V, zudem war völlig unklar, wie man ein solches Vehikel hätte senkrecht landen können. Auch andere Methoden, wie sie etwa der Saturn-V-Konstrukteur Wernher von Braun entwickelt hatte, erwiesen sich als teuer und zu kompliziert.

Der junge Ingenieur John Houbolt war er schliesslich, der Kondratiuks Idee der Nasa als einzig realistischen Weg aufzeigte, um Kennedys Zielvorgabe einzuhalten. 1962 stimmte die Behörde zu. Als grösstes Problem erwies sich das Rendez-vous zweier Raumfahrzeuge. Deshalb wurde das Gemini-Programm gestartet, das genau dieses Manöver im Weltraum mehrfach übte. Als Apollo 10 startete, bestand die Besatzung aus Tom Stafford, John Young und Eugene Cernan – alles erfahrene Gemini-Astronauten.

Probleme bei der Rückkehr

Der Flug verlief reibungslos, in der Mondumlaufbahn stiegen Stafford und Cernan in die Landefähre «Snoopy» um, während Young im Kommandomodul (sinnigerweise «Charlie Brown» genannt) verblieb. «Snoopy» näherte sich der Mondoberfläche bis auf eine Höhe von 15 Kilometer, die von der Nasa aus «Point of no Return» betrachtet wurde. Beim Rückflug geriet die Landefähre plötzlich ins Trudeln. Stafford gelang es schliesslich, die Landeeinheit der Fähre abzusprengen.

Auch danach verlief nicht alles reibungslos, so war unter anderem ein erforderlicher Schaltvorgang nicht in der Checkliste verzeichnet. Doch am Ende gelang das Wiederandocken an «Charlie Brown», die Besatzung kam am 26. Mai sicher zur Erde zurück, und im Juli konnte Apollo 11 abheben, um die ersten Menschen zum Mond zu bringen und Kennedys vermeintlich utopische Vorgabe zu erfüllen.

Nicht nur der ermordete Präsident erlebte dies nicht mehr, sondern auch der bis heute kaum bekannte ukrainische Ingenieur. Juri Kondratiuk, der eigentlich Alexander Shargei hiess und seinen Namen geändert hatte, nachdem er ins Visier der kommunistischen Geheimpolizei geraten war, starb 1942 im Grossen Vaterländischen Krieg gegen Nazi-Deutschland. Der Triumph seiner Idee fand ohne ihn statt.

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