Aktualisiert 23.04.2014 07:05

Anpfiff nach 22 UhrSpäter zur Arbeit nach Schweizer WM-Spielen?

Schweizer Gewerkschaften sprechen sich für einen späteren Arbeitsbeginn nach nächtlichen Anspielzeiten bei der WM aus. Doch grosse Schweizer Unternehmen zeigen sich skeptisch.

von
A. Meili
Bei der WM 2014 werden Schweizer Fans ihre Nati bis spät in die Nacht anfeuern.

Bei der WM 2014 werden Schweizer Fans ihre Nati bis spät in die Nacht anfeuern.

Nur noch zwei Monate bis zum Beginn der Fussball-WM in Brasilien. Ein Dorn im Auge sind eingefleischten Fussballfans dabei die späten Anstosszeiten: 28 der 64 WM-Spiele beginnen in Mitteleuropa wegen der Zeitverschiebung erst um 22 Uhr oder später.

Deutsche Gewerkschaften fordern deshalb einen späteren Arbeitsbeginn während der WM. «Ich finde, dass Arbeitgeber und Betriebsräte besprechen sollten, die Arbeitszeiten wenn möglich so zu gestalten, dass die Beschäftigten die WM-Spiele schauen können», sagt Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, gegenüber der «BILD-Zeitung».

Gewerkschaften unterstützen Idee

Bei Schweizer Gewerkschaften stösst ein späterer Arbeitsbeginn nach Schweizer Spielen mit späten Anstosszeiten auf breite Zustimmung. «Dort, wo es die Organisation der Arbeit zulässt, ist das eine gute Idee», sagt Unia-Sprecher Pepo Hofstetter. Die Arbeitgeber sollten hier Toleranz zeigen. Dies findet auch Ewald Ackermann, Sprecher des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. «Wo die Belegschaft das wünscht, sollten Arbeitgeber auch darauf eingehen», sagt er.

Und auch Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel findet eine gewisse Flexibilität des Arbeitgebers wünschenswert. «Das ist ja auch im Interesse der Arbeitgeber. Schliesslich wollen sie ja keine übermüdeten Arbeitnehmer.»

Unternehmen sind skeptisch

Wenig gesprächsbereit zeigen sich die Schweizer Firmen. So schliesst eine grosse Schweizer Baufirma – die nicht namentlich genannt werden will – eine Verschiebung der Arbeitszeiten aus finanziellen Gründen kategorisch aus. Und auch andere grosse Unternehmen mit fixen Arbeitszeiten zeigen sich gegenüber 20 Minuten skeptisch.

So sagt beispielsweise Jowa-Personalleiter Fredi Beutler: «Wir haben fixe Schichten und sind nicht in der Lage, diese einfach nach hinten zu verschieben, sonst erhalten unsere Kunden ihr Gipfeli verspätet.» Zwar beschäftige die Jowa auch Büropersonal, diesen würde man einen späteren Arbeitsbeginn aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber den Produktionsangestellten aber nicht erlauben. Immerhin: Als Trost stellt die Jowa ihren Arbeitern während der WM eine Leinwand auf.

Sponsoren zeigen sich gesprächsbereit

Offener für die Idee der Gewerkschaften präsentieren sich die Sponsoren des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV). Bei Swiss Life hat man laut Sprecher Simon Zogg ein offenes Ohr für die Belegschaft. Beim Versicherungskonzern bestimmen die direkten Vorgesetzten, ob sie ihre Angestellten später zur Arbeit kommen lassen, «und dank flexiblen Arbeitszeiten liegt dies nach einem WM-Spiel durchaus auch mal drin», so Zogg.

Ebenfalls einen Schritt auf ihre Angestellten zu machen würde Volkswagen Schweiz. «Da unsere Mitarbeiter zu normalen Büroarbeitszeiten ihre Arbeit beginnen, liegen die Startzeiten der bereits terminierten Schweizer Spiele zwar zeitlich im Rahmen», sagt VW-Sprecher Livio Piatti. Los gehts bei den Gruppenspielen zwischen 18 und 22 Uhr. Sollte die Schweiz länger im Turnier bleiben, würde man die Situation – als Sponsor der Schweizer Nationalmannschaft mit vielen fussballbegeisterten Mitarbeitern – neu beurteilen.

An diesen Daten spielt die Schweiz

Ihr erstes Spiel bestreitet die Nati am Sonntag, 15. Juni um 18 Uhr gegen Ecuador. Das zweite Match spielt die Schweiz am Freitag, 20. Juni um 21 Uhr gegen die Franzosen. Und zum Abschluss der Vorrunde treffen die Mannen von Ottmar Hitzfeld am Mittwoch, 25. Juni um 22 Uhr auf Honduras. Ein allfälliges Achtelfinale fände am Montag, 30. Juni oder am Dienstag, 1. Juli um 18 Uhr statt. Sollte die Schweiz auch diese Runde überstehen, müsste die Nati am Freitag, 4. Juli oder Samstag, 5. Juli um 18 antreten. Ein Halbfinale mit Schweizer Beteiligung fände am Dienstag, 8. Juli oder Mittwoch, 9. Juli um 22 Uhr statt. Das Finale steigt am Sonntag, 13. Juli um 21 Uhr.

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