26.07.2020 15:11

Schweizer Studie

Späterer Lockdown hätte über 6000 Corona-Tote gefordert

Ein Forscherteam rund um den Epidemiologen Christian Althaus hat berechnet, welche Auswirkungen ein früherer oder späterer Lockdown gehabt hätten.

von
Joel Probst
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Mit einem Forscherteam hat der Epidemiologe Christian Althaus die Auswirkungen des Lockdowns auf die Coronavirus-Epidemie in der Schweiz analysiert.

Mit einem Forscherteam hat der Epidemiologe Christian Althaus die Auswirkungen des Lockdowns auf die Coronavirus-Epidemie in der Schweiz analysiert.

KEYSTONE
Mit einem Modell hat er die Konsequenzen eines früheren, aber auch späteren Lockdowns berechnet.

Mit einem Modell hat er die Konsequenzen eines früheren, aber auch späteren Lockdowns berechnet.

KEYSTONE
Der im Preprint veröffentlichten Studie zufolge hätte eine Lockdown eine Woche später über 6000 Tote mehr gefordert.

Der im Preprint veröffentlichten Studie zufolge hätte eine Lockdown eine Woche später über 6000 Tote mehr gefordert.

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Darum gehts

  • Ein Schweizer Forscherteam hat berechnet, wie sich der Lockdown auf die Corona-Epidemie in der Schweiz auswirkte.
  • Bislang gab es in der Schweiz 1701 Todesfälle. Hätte man den Lockdown eine Woche später angeordnet, wären es gemäss den Forschern bis zu 8683 gewesen.
  • Wäre der Lockdown allerdings eine Woche früher gekommen, wären nur etwa 399 Personen gestorben.

«Rasch zu handeln ist zentral, wenn es darum geht, auf einen Ausbruch zu reagieren»: So lautet das Fazit eines Forscherteams von der Universität Bern rund um den Epidemiologen Christian Althaus. In einer am Sonntag als Preprint veröffentlichten Studie rechnen die Experten vor, dass ein Lockdown eine Woche später als dem 17. März bis zu 8683 Tote gefordert hätte. Das wären über 6000 Tote mehr als die laut Studie bislang am Coronavirus gestorbenen 1701 Personen.

Für die Studie haben die Forscher ein Übertragungsmodell entwickelt, das Infektion, Spitalaufenthalt, Genesung und Tod aufgrund des Coronavirus in der Schweiz beschreibt. Die Berechnungen zeigen auch: Hätte der Bundesrat schneller und entschlossener gehandelt, hätte er womöglich rund 1600 Leben retten können. Denn wären die Lockdown-Massnahmen schon eine Woche früher eingeführt worden, wären in der Schweiz nur etwa 399 Menschen am Coronavirus gestorben.

3 Wochen Lockdown für 1 Woche exponentielles Wachstum

Klar ist für die Forscher, dass der Lockdown «zu einer erfolgreichen Eindämmung der Epidemie» führte. Aus ihrem Rechenmodell geht die Erkenntnis hervor, dass für jede Woche einer unkontrolliert exponentiellen Ausbreitung des Coronavirus rund 3 Wochen Lockdown nötig sind, um die Anzahl der Neuinfektionen wieder auf das gleiche Niveau zu reduzieren.

Die Forscher folgern, dass die frühzeitige Anordnung eines Lockdowns bei Coronavirus-Ausbrüchen die Zahl der Todesfälle und die notwendige Dauer der Massnahmen erheblich reduzieren könne. Für künftige Ausbrüche heisst das laut der Studie: Je schneller einschneidende Massnahmen ergriffen werden, wenn die Situation ausser Kontrolle gerät, desto besser.

So arbeiten Forscher

Was ist ein Preprint?

Um neue Erkenntnisse unters Volk zu bringen, publizieren Forscher ihre Studien in Fachzeitschriften (Journals). Dafür arbeiten sie zunächst ein Manuskript aus, das sie der Fachzeitschrift vorlegen. Nimmt dieses den Entwurf an, findet die Begutachtung, das sogenannte Peer-Review statt. Das heisst: In der Regel anonyme und unabhängige Fachkollegen begutachten die Arbeit, kritisieren und machen Anmerkungen. Dies dient der Qualitätssicherung. Dann wird die Arbeit an die Autoren zurückgesandt, welche sie überarbeiten. Dieses Vorgehen kann sich einige Male wiederholen. Abschliessend wird die Arbeit im Journal publiziert.

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558 Kommentare
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Enrico Costa Lopez

27.07.2020, 21:42

warten wir mal ab wieviele noch sterben nachdem sie geimpft wurden.

Reality

27.07.2020, 18:09

«Rasch zu handeln ist zentral, wenn es darum geht, auf einen Ausbruch zu reagieren» ;-D Ende Dezember erstmal erkannt. Aber ne warten wir mal bis 16. März... Rasch ist anders.

Bipo

27.07.2020, 17:55

Welcher lock down ? In unserer Stadt war es fast wie immer.