Spaltung der UBS schädlich
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Spaltung der UBS schädlich

Die Abspaltung der Investmentbank von der UBS ist laut dem Finanzfachmann Markus Granziol derzeit unmöglich. Im Vordergrund stehe nun die Stärkung der UBS-Investmentbank, sagte deren früherer Chef in einem Interview. UBS-Präsident Marcel Ospel sei vermutlich zu einer Belastung für die Bank geworden, sagte er.

Obwohl er seit jeher der Meinung sei, dass sich Vermögensverwaltung Investmentbanking nicht ergänzten, sei der Zeitpunkt für eine Abspaltung der UBS-Investmentbank denkbar ungünstig, sagte Granziol im Interview mit der Zeitung «Sonntag». Es sei Gift für die Investmentbank, wenn sie von Kunden mit Inkompetenz im Risikomanagement assoziiert werde - nur weil «ein paar Führungskräfte einige wenige Mitarbeiter, die nicht einmal in einem der Kerngeschäfte operiert haben, einfach machen liessen», sagte er mit Blick auf die Milliardenabschreiber der UBS wegen der US-Hypothekenkrise.

Das Investmentbanking lebe mehr als andere Bereiche vom guten Ruf und davon, dass ihre Mitarbeiter in den Augen der Kunden Kompetenz in allen Bereichen des modernen Bankings verkörperten. Die UBS sei für ihn eigentlich die beste Bank der Welt, und ihre Investmentbank zähle zur Weltspitze im Corporate Finance sowie im Aktien-, Zins-, Devisen- und Derivategeschäft, sagte Granziol. Der Erfolg der Investmentbank sei zentral, um längerfristig eine substanzielle Erholung der UBS-Aktie anzustreben. Die grösste Gefahr bestehe nun darin, dass eine extreme Form von Risikoaversion überhand nehme und Verluste um jeden Preis vermieden würden. «Aber Investmentbanking ist und bleibt ein riskantes, aber auch hoch lukratives Geschäft», sagte Granziol. Fragezeichen machte er zur Doppelbelastung von UBS-Konzernchef Marcel Rohner, der derzeit auch das Investmentbanking leitet.

Bei der UBS gehe es derzeit darum, die Eigenmittel der Bank so schnell als möglich zu stärken, die Mitarbeiter wieder zu motivieren und sich wieder auf die Kunden zu fokussieren, sagte Granziol, und weiter: «Das erfordert einen Neuanfang, auch an oberster Stelle.» UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel sei vermutlich zu einer Belastung für die Bank geworden. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass Ospel einen ganz wesentlichen Beitrag zum Aufbau der UBS geleistet und durch die Fusion der Schweizerischen Bankgesellschaft mit dem Schweizerischen Bankverein auch die Schweizer Bankenwelt gestärkt habe.

Die UBS legt kommenden Donnerstag ihren Abschluss für 2007 vor. Sie hat im zweiten Halbjahr 2007 insgesamt 21,3 Milliarden Franken wegen der US-Hypothekenkrise abgeschrieben und den ersten Verlust ihrer Firmengeschichte in Aussicht gestellt. Er wird auf rund 4,4 Milliarden Franken veranschlagt. Ende Monat wird an einer ausserordentlichen UBS-Generalversammlung unter anderem über eine Pflichtwandelanleihe entschieden, mit der der Staatsfonds GIC aus Singapur elf Milliarden und ein namentlich nicht bekannter Anleger aus Nahost weitere zwei Milliarden Franken in die grösste Schweizer Bank einschiessen wollen. (scc) (dapd)

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