EM in Frankreich: Spanien greift nach dem Titel-Hattrick
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EM in FrankreichSpanien greift nach dem Titel-Hattrick

Auf den Titelverteidiger lauern bereits in der Gruppenphase Gefahren: Tschechien, die Türkei und Kroatien sind Aussenseiter mit Ambitionen.

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Diese Teams fahren an die EM 2016 in FrankreichDie Türkei qualifiziert sich als bester Gruppendritter.

Diese Teams fahren an die EM 2016 in FrankreichDie Türkei qualifiziert sich als bester Gruppendritter.

epa/Tolga Bozoglu
Die Slowakei jubelt nach dem 4:2-Sieg in Luxemburg über die erstmalige EM-Teilnahme.

Die Slowakei jubelt nach dem 4:2-Sieg in Luxemburg über die erstmalige EM-Teilnahme.

epa/Julien Warnand
Kroatien profitiert von Norwegens Ausrutscher in Italien und ist dabei.

Kroatien profitiert von Norwegens Ausrutscher in Italien und ist dabei.

AFP/Matthew Mirabelli

Trotz der Aufstockung auf 24 Teams kann in der Gruppe D von einer Verwässerung des Niveaus nicht gesprochen werden. Alle vier Teams haben aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Tradition Ansprüche auf einen längeren Verbleib im Turnier.

Favorit auf den Gruppensieg ist Titelhalter Spanien. Die tatsächliche Stärke der «Seleccion» ist allerdings schwierig abzuschätzen. Die Spanier stellten 2011 und 2013 den U21-Europameister und dominieren seit Jahren den europäischen Clubfussball. In der Qualifikation gewannen sie neun der zehn Spiele und kassierten nur drei Gegentore. Mit der Ukraine und der Slowakei als stärkste Gegner fehlten allerdings die ganz grossen Kaliber in der Gruppe.

Ohne Costa, Torres und Mata

Vor zwei Jahren scheiterte die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque an der WM in Brasilien bereits in der Vorrunde, der Umbruch begann. Mit Xavi Hernandez, Xabi Alonso und David Villa sind wichtige Pfeiler der «goldenen Ära» nicht mehr dabei. Noch immer verfügt Spanien aber über viel Erfahrung. Acht Spieler waren bereits beim WM-Titel 2010 dabei, zehn gehörten zum Kader, das 2012 den EM-Titel erfolgreich verteidigte.

Den Umbruch trieb Del Bosque auch auf die EM hin voran. Er verzichtete auf Diego Costa, Fernando Torres und Juan Mata und setzt stattdessen im Sturm neben Alvaro Morata, dem Torschützenkönig der U21-EM 2013, auf weniger bekannte Spieler wie Aritz Aduriz, den 35-Jährigen von Athletic Bilbao, oder Nolito von Celta Vigo. Der 29-jährige Flügel war einst beim FC Barcelona durchgefallen.

Nach der Enttäuschung von 2014 sind die Iberer gewarnt, denn sowohl Tschechien als auch die Türkei und Kroatien haben schon bewiesen, dass an Endrunden mit ihnen zu rechnen ist. Die Türkei erreichte an der WM 2002 und der EM 2008 die Halbfinals, Tschechien trumpfte an Europameisterschaften immer wieder gross auf. Und Kroatien erreichte 1998 den WM-Halbfinal und scheiterte an EM-Endrunden zweimal in den Viertelfinals.

Kroatien: Starke Offensive, schwache Abwehr

Gerade Kroatien hat mit zwei seiner Gegner noch eine Rechnung offen. 2008 unterlagen die Kroaten im EM-Viertelfinal der Türkei im Penaltyschiessen, nachdem sie einen Vorsprung in der Verlängerung nicht über die Zeit gebracht hatten. Und gegen Spanien bekundeten sie vor vier Jahren zum Abschluss der Vorrunde Pech, als sie kurz vor Schluss das 0:1 kassierten, ihnen aber zwei Penaltys unterschlagen worden waren.

Einmal mehr verfügt Kroatien über eine überdurchschnittliche Mannschaft. Das Prunkstück ist das Mittelfeld mit Luka Modric, dem in Möhlin aufgewachsenen und beim FC Basel gross gewordenen Ivan Rakitic und Mateo Kovacic. Und mit Mario Mandzukic, Nikola Kalinic und Ivan Perisic verfügt Kroatien auch über einen starken Angriff. «Diese Mannschaft hat ihr letztes Wort noch nicht gesprochen», hatte der als Trainer abtretende Slaven Bilic 2012 prophezeit.

Tschechien und Türkei leichte Aussenseiter

Als Aussenseiter gehen Tschechien und die Türkei ins Rennen um die Achtelfinalplätze. Tschechiens Trainer Pavel Vrba schaffte mit seiner nur mit wenigen Stars bestückten Equipe eine Überraschung und beendete die Gruppe A als Sieger. Vrba setzt zwar noch immer auf die Altstars Petr Cech und Tomas Rosicky, der 52-Jährige schenkt aber vielen Spielern aus der heimischen Liga das Vertrauen. Ein wichtiger Mann im Mittelfeld ist Vladimir Darida von Hertha Berlin. Die Offensive ist geprägt von Spielern von Sparta Prag, dem Viertelfinalisten in der Europa League.

In der Türkei entfachte Trainer Fatih Terim wieder einmal eine Euphorie. Am Bosporus träumen sie von einem ähnlichen Erfolg wie 2008, als die Türkei bis in den Halbfinal gestürmt war. Vergessen ist der schwache Start in die Qualifikation oder der Abgang des langjährigen Stammtorhüters Volkan Demirel, der sich im Herbst 2014 vor der Partie gegen Kasachstan auswechseln liess, nachdem er von Fans beschimpft worden war. Dank drei Siegen zum Abschluss der Qualifikation und der Hilfe Kasachstans, das Lettland besiegte, qualifizierte sich die Türkei als bester Gruppendritter auf direktem Weg für Frankreich. (sda)

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