21.11.2016 21:12

EnergiearmutSpanien hat 6-mal mehr Energie- als Verkehrstote

Der Tod einer Rentnerin, der der Strom wegen Zahlungsrückstandes abgedreht wurde, schockt Spanien. Die sogenannte Energiearmut ist weit verbreitet.

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Am 14. November 2016 brach in der Wohnung der 81-jährigen Rosa P.V. ein Feuer aus. Die Rentnerin hatte Kerzen angezündet, nachdem ihr der Strom wegen Zahlungsrückstands abgedreht worden war.

Am 14. November 2016 brach in der Wohnung der 81-jährigen Rosa P.V. ein Feuer aus. Die Rentnerin hatte Kerzen angezündet, nachdem ihr der Strom wegen Zahlungsrückstands abgedreht worden war.

Jaume Sellart
Der Fall sorgt in Spanien für Empörung, denn die Fälle von Menschen, die Strom- und Gasrechnungen nicht bezahlen können, haben stark zugenommen.

Der Fall sorgt in Spanien für Empörung, denn die Fälle von Menschen, die Strom- und Gasrechnungen nicht bezahlen können, haben stark zugenommen.

Juan Carlos Cardenas
Am 19. November haben in rund 20 spanischen Städten Tausende Menschen gegen Energiearmut protestiert. «Das sind keine Todesfälle, das sind Morde!», sagte der Chef der linken Protestpartei Podemos (Wir können), Pablo Iglesias.

Am 19. November haben in rund 20 spanischen Städten Tausende Menschen gegen Energiearmut protestiert. «Das sind keine Todesfälle, das sind Morde!», sagte der Chef der linken Protestpartei Podemos (Wir können), Pablo Iglesias.

Zipi

Der Tod der 81-jährigen Rosa P. V. in der Ortschaft Reus in Katalonien bringt das Thema Energiearmut in Spanien zur Debatte. Die allein lebende Rentnerin war vergangenen Montag bei einem Brand in ihrer Wohnung erstickt. Sie hatte Kerzen angezündet, weil ihr der Strom wegen unbezahlter Rechnungen abgestellt worden war.

Erst eine Woche zuvor war in Saragossa die 12-jährige Lucia Fuoli ums Leben gekommen, nachdem ein Feuer in der Wohnung ihrer Grossmutter ausgebrochen war. Nach ersten Ermittlungen hatte eine defekte Gasleitung den Brand ausgelöst. Das Mädchen versuchte über den Balkon im fünften Stock zu flüchten und stürzte ab.

1126 Verkehrstote vs. 7000 Energietote

Die Fälle von Menschen, die Strom- und Gasrechnungen nicht bezahlen können, nehmen in Spanien zu. Nach einer Studie der Sozial- und Umwelt-Stiftung ACA fordert die Energiearmut jedes Jahr mehr als 7000 Menschenleben – das sind gut sechsmal mehr als die 1126 Verkehrstote im Jahr 2015.

«Das sind keine Todesfälle, das sind Morde!», schrien am Samstag in Madrid Hunderte von Demonstranten vor dem Sitz des Energiekonzerns Gas Natural Fenosa. Das Unternehmen hatte Rosa den Strom ohne Vorwarnung abgedreht, sagte Ángeles Alegre, die Anwältin der Familie, zur Zeitung «El Mundo».

Energie-Unternehmen machen das grosse Geschäft

«Es kann nicht sein, dass in der viertgrössten Volkswirtschaft der Eurozone Menschen sterben müssen, weil Firmen, die dicke Gewinne machen und ihren Chefs Skandalgehälter zahlen, armen und älteren Menschen den Strom abdrehen», sagte der Chef der linken Protestpartei Podemos (Wir können), Pablo Iglesias.

Laut der Zeitung «El País» subventioniert allein die katalanische Gemeinde Reus mit rund 100'000 Einwohnern die Stromrechnung in 774 Haushalten. 1398 Familien gaben an, die Wasserkosten nicht bezahlen zu können. Weitere 182 Familien können ihre Gasrechnungen nicht begleichen.

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