Internationale Presse: «Spanien kriegt keinen hoch»
Aktualisiert

Internationale Presse«Spanien kriegt keinen hoch»

Der Sieg der Nati schlägt nicht nur hierzulande hohe Wellen. Im Ausland steht jedoch eher die Niederlage Spaniens im Fokus. Böse Worte gibts aus England.

von
M. Brand und K. Leuthold

In Spanien gehen die Medien mit dem eigenen Team besonders hart ins Gericht. Als «Bescheidenheits-Kur» betitelt beispielsweise die «Marca» den Auftritt von Torres, Villa, Iniesta und Co. - und befürchtet bereits Schlimmes: «Die spanische Nationalmannschaft steht mit dem Rücken zur Wand. Sie muss sich nun eine Überlebensstrategie ausdenken, die es ihr erlaubt, in die zweite Runde zu kommen – mit allen Mitteln. Das kann nur passieren, wenn sie die zwei nächsten Spiele gegen Honduras und Chile gewinnt.»

«El Mundo» spricht währenddessen von einer «lässlichen Sünde» und «20 minutos» schreibt: «Spanien kriegt keinen hoch.» Etwas diplomatischer gibt sich die «Sport»: «Der bitterste Start für die Roten.» Die «AS» hingegen hadert etwas mit dem Schicksal: «Spanien schöpft sein Pech aus.» Die «ABC» sieht das Ganze nicht so eng und spricht lediglich von einem «Ausrutscher gegen die Schweiz».

Weltweite Schlagzeilen

Die Pleite des Europameisters findet weltweit Platz in den Zeitungen. «Zum WM-Auftakt schmeckte den Spaniern die Schweizer Schokolade recht bitter», schreibt beispielsweise der argentinische «Clarin». Und Brasiliens «O Globo» doppelt nach: «Spanien hat Angst zu enttäuschen.» Sogar in den nicht besonders fussballinteressierten USA ist der 1:0-Erfolg der Eidgenossen eine Meldung Wert: «Die Schweiz überrascht Europameister Spanien», schreibt «USA Today».

Nachbar Österreich feiert mit den Schweizern mit. Die «Krone» zeigt jubelnde Fans in Rot-Weiss und titelt: «Die Schweiz versinkt im Freudentaumel.» Die Deutschen versuchen, sich auch noch eine Scheibe des Erfolgs abzuschneiden - dem Nati-Trainer sei Dank. «Hitzfeld schockt Spanien», steht im Boulevard-Blatt «Bild». Der Stern hingegen schreibt von einem «Sommermärchen in der Alpenfestung». Der englische «Mirror» trumpft mit einem neuen Wort auf. Die Spanier wurden demnach von den Schweizern «toblerowned» - in Anlehnung an die gute alte Toblerone.

Die «Sun» lässt kein gutes Haar an den Schweizern

Nicht ganz ernst nimmt uns hingegen die «Sun». Dort steht: «Wir geben ihnen Skifahren, Raclette und Rösti. Und Greyerzer und Emmentaler ebenfalls. Und ja, sie haben ein gutes Händchen mit Schokolade und Uhren. Aber Fussball? Die Schweiz? Nein, das ist Blödsinn.» Die Eidgenossen hätten mit dem Sieg gegen Spanien für den grössten WM-Schock gesorgt, seit Senegal 2002 Welt- und Europameister Frankreich besiegte. Und man gräbt tief, um den Schweizern noch eins auszuwischen. Spanien habe eine Pleite einstecken müssen gegen ein Team, «das es irgendwie geschafft hat, in der Qualifikation gegen Luxemburg zu verlieren». Autsch, der hat gesessen. Immerhin anerkennt das Boulevard-Blatt, dass die Schweizer an einer WM seit 484 Minuten ohne Gegentreffer sind. Doch schon folgt der nächste Seitenhieb: «Sie haben es bloss geschafft, im Achtelfinal 2006 gegen die Ukraine auszuscheiden, nachdem sie ALLE Elfmeter verschossen haben.»

Wir meinen dazu: Die «Sun» hat den Mund da ganz schön voll genommen. Vor allem in Sachen Penaltyschiessen müssen uns die Engländer rein gar nichts vorhalten. Oder wer hat bei den letzten sechs Elfmeterduellen an WM- oder EM-Endrunden gleich deren fünf verloren? Und immerhin haben wir mit Diego Benaglio einen Weltklasse-Torhüter zwischen den Pfosten und nicht immer wieder einen neuen Fliegenfänger wie die Herren von der Insel, die bei ihrem Auftaktspiel gegen die USA (1:1) ja nicht wirklich überzeugen konnten - allen voran Keeper Robert Green mit seinem peinlichen Patzer. Wer austeilt, muss auch einstecken können ...

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