Euroland in Schieflage: Spanien muss sich selber helfen

Aktualisiert

Euroland in SchieflageSpanien muss sich selber helfen

Die Rating-Agentur S&P hat jetzt auch Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Damit gerät die Währungsunion schon an ihre Belastungsgrenze. Eine Einschätzung.

von
Werner Grundlehner
Auch Spanien kommt in die Problemzone.

Auch Spanien kommt in die Problemzone.

Griechenlands Finanzdebakel droht zum gefährlichen Flächenbrand zu werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den Stab über dem südeuropäischen Staat gebrochen. Die Rückstufung der Kreditwürdigkeit auf «Junk» (Müll) zeigt, dass S&P überzeugt ist, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr aus eigener Kraft zurückzahlen kann. Diese Rückstufung erhöht den Druck auf das südeuropäische Land weiter: Die sinkende Bonität erhöht die Risikoprämie für griechische Anleihen. Konkret wird so die Zinslast auf bestehenden Schulden grösser. Das gilt aber auch für andere «angeschlagene» Länder aus dem Euro-Raum wie Spanien, Italien und Irland. In den Fokus geraten sind jetzt vor allem Portugal und Spanien, die von S&P ebenfalls zurückgestuft wurden und nur noch knapp über «Müll» bewertet werden.

Ein Zehntel aller Steuern für Schuldzinsen

Experten weisen darauf hin, dass Portugal noch gesünder ist. So erklärt Anastassios Frangulidis von der ZKB: «Der Staat Portugal weist eine tiefere Verschuldung als Griechenland auf. Nimmt man jedoch die Privat- und Unternehmensschulden dazu, übersteigt die Schuldenquote jene Griechenlands.» Doch: «Portugal braucht keine unmittelbare Hilfe. Das Land hat weniger Refinanzierungsbedarf als Griechenland», sagt UBS-Ökonom Daniel Kalt. Ein Parameter, um die finanzielle Gesundheit eines Staates zu messen, sei, welcher Prozentsatz der Steuereinnahmen für die Schuldenzinsen eingesetzt werde. Die Fachleute definieren 10 Prozent als kritische Grenze. «In Griechenland liegt dieser Satz über 10 Prozent, in Portugal darunter», differenziert der UBS-Volkswirt.

Spanien kann nicht auf Hilfe hoffen

Bezüglich Finanzkraft der Helfer darf man keine falschen Hoffnungen hegen. «Ein Bailout von Portugal wäre noch möglich, dann ist aber Schluss. Spanien beispielsweise liegt nicht mehr drin», hält Anastassios Frangulidis fest. Dem stimmt sein Kollege von der UBS zu. «Der IWF hat zwar in der Finanzkrise seine Mittel zur Intervention aufgestockt, mittlerweile ist von bis zu 750 Milliarden Dollar die Rede», sagt Kalt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde jedoch in Europa nur in Kombination mit Euro-Ländern zu Hilfe eilen. Für Kalt ist die Verteilung der Schuldenlast innerhalb der EU suspekt. Denn: Die Finanzierung des Hilfspakets müsste teilweise auch wieder von hochverschuldeten Ländern wie Italien und - noch gefährlicher: Spanien - übernommen werden. «Das sieht doch ganz konkret wie ein Kartenhaus aus», so Kalt.

Reicht nur zum Durchfüttern

Um Griechenland aus der Patsche zu helfen, hat die EU Hilfe in Höhe von 30 Milliarden Euro für Anfang Mai in Aussicht gestellt – auch Soforthilfe ist nicht mehr tabu. Der IWF hat 15 Milliarden in Aussicht gestellt. Angesichts der verschärften Lage überlegt sich der Währungsfonds gemäss Medienberichten eine Erhöhung der Hilfe um weitere 10 Milliarden. «Das reicht lediglich um kurzfristig die Liquidität von Griechenland wieder herzustellen – aber bei weitem nicht für eine vollständige Sanierung», hält Frangulidis fest. Die Mittel reichten aus, um Griechenland ein Jahr «durchzufüttern», so Daniel Kalt. Hinter den Kulissen wird laut UBS-Ökonom an einem Drei-Jahresplan gearbeitet, der die fundamentalen Probleme lösen soll. Die jetzt geschnürten Finanzpakete sollten die Märkte beruhigen, damit in Ruhe gearbeitet werden kann. «Das ist offensichtlich misslungen», stellt Kalt fest.

Nicht Spekulanten verurteilen

Falls Griechenland in den nächsten Jahren keine gute Arbeit leistet, geht der politische Wille für den Erhalt des Euro verloren. «Ewige Transferzahlungen innerhalb der Euro-Zone würde zu Differenzen führen». Man dürfe aber nicht einfach Spekulanten für die Krise verantwortlich machen, ergänzt Daniel Kalt. Die Finanzkrise habe Probleme des Euro-Raums an die Oberfläche gebracht, welche die Hochkonjunktur lange überdeckt habe. Zahlreiche Ökonomen haben bereits zum Start der Währung auf Geburtsfehler hingewiesen».

Doch der UBS-Ökonom will nicht dramatisieren. Alle vier grossen Währungen – also Dollar, Yen, Pfund und Euro – hätten im Moment Probleme. Darum empfiehl Kalt auf Nebenwährungen zu setzen. «Die Euro-Probleme sind Innenprobleme, jene des Dollars rühren von den auswärtigen Schulden – beispielsweise mit China». Zudem: Mit Kalifornien hat die USA einen Pleitekandidaten, der Griechenland punkto wirtschaftlicher Potenz bei weitem in den Schatten stellt. Das abschliessende Wort des ZKB-Ökonomen dazu: «Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit.»

Deine Meinung