BAG-Risikoliste: Spanien-Reisende brechen wegen Quarantäne Ferien ab
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BAG-RisikolisteSpanien-Reisende brechen wegen Quarantäne Ferien ab

Der Bund hat Spanien auf die Quarantäneliste gesetzt. Weil nicht alle Homeoffice machen können, kommen manche früher heim.

von
Claudius Seemann
Noah Knüsel
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Bald müssen Spanien-Rückkehrer in Quarantäne. Ab Samstag ist das spanische Festland auf der BAG-Risikoliste.

Bald müssen Spanien-Rückkehrer in Quarantäne. Ab Samstag ist das spanische Festland auf der BAG-Risikoliste.

KEYSTONE
Wie viele Personen aus der Schweiz sich im Moment in Spanien aufhalten, ist unklar. Mit dem Reiseveranstalter Hotelplan allein sind es jedoch bereits mehrere Hundert.

Wie viele Personen aus der Schweiz sich im Moment in Spanien aufhalten, ist unklar. Mit dem Reiseveranstalter Hotelplan allein sind es jedoch bereits mehrere Hundert.

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In der spanischen Community ist man schon länger besorgt. «Seit Wochen steigt bei unseren Mitgliedern die Unsicherheit», sagt etwa Antonio Rodriguez, der Präsident des Spanischen Zentrums in Zug.

In der spanischen Community ist man schon länger besorgt. «Seit Wochen steigt bei unseren Mitgliedern die Unsicherheit», sagt etwa Antonio Rodriguez, der Präsident des Spanischen Zentrums in Zug.

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Darum gehts

  • Spanien ist jetzt auf der BAG-Risikoliste. Ab Samstag müssen Rückkehrer zehn Tage in Quarantäne.

  • Das verunsichert Schweiz-Spanier.

  • Für die Reisebranche ist der BAG-Entscheid keine gute Nachricht.

  • Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reiseverbandes, sagt: «Das ist leider ein weiterer Rückschlag für uns.»

Das spanische Festland befindet sich ab Samstag auf der Liste der Corona-Risikogebiete des Bundes. Personen, die von dort in die Schweiz einreisen, müssen zehn Tage in Quarantäne. Ausgenommen sind die Balearen und die Kanaren. Das teilte das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) am Mittwoch mit.

Wie viele Personen aus der Schweiz sich im Moment in Spanien aufhalten, ist unklar. Mit dem Reiseveranstalter Hotelplan allein sind es jedoch bereits mehrere Hundert, wie eine Sprecherin sagt. Und Patrick Mathys vom BAG sagte am Nachmittag: «Es gibt eine grosse spanische Gemeinschaft in der Schweiz, die sich jetzt allenfalls in Spanien aufhält.»

Extra früher aus Ferien zurück

In der spanischen Community ist man schon länger besorgt. «Seit Wochen steigt bei unseren Mitgliedern die Unsicherheit», sagt etwa Antonio Rodriguez, der Präsident des Spanischen Zentrums in Zug. Dennoch hätten bereits einige Mitglieder in Spanien Ferien gemacht: «Und auch jetzt gerade sind wohl mehrere Familien dort.»

Auch laut José Campos vom spanischen Elternverein in Solothurn sind mehrere Mitglieder im Moment in Spanien in den Ferien. Diese kämen jetzt extra vor Samstag zurück: «Die Eltern müssen arbeiten und die Kinder wieder in die Schule. Da kann man nicht in Quarantäne.» Auch Rodriguez sagt, dass sich die Quarantäne nicht jeder leisten könne: «Darum sind viele gar nicht erst nach Spanien gegangen.»

Etwas komfortabler ist die Situation für N.D.*, der derzeit in Spanien in den Familienferien ist. Die zehntägige Quarantäne könne er glücklicherweise im Homeoffice verbringen, so D.: «Wir bleiben wie geplant bis Mitte August.» Bei seiner Tochter beginne dann zwar wieder die Schule. Doch es sei sowieso noch unklar, ob es an ihrem Gymnasium überhaupt wieder physischen Unterricht gebe.

«Weiterer Rückschlag für die Reisebranche»

Dass gerade ein beliebtes Ferienland wie Spanien auf die Liste gesetzt wird, sei für die Reisebranche keine gute Nachricht, sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reiseverbandes (SRV): «Das ist leider ein weiterer Rückschlag für unsere Branche, die ohnehin schon sehr hart getroffen worden ist.»

Allerdings schätze es der Reiseverband, dass das BAG die Balearen und Kanaren von der Quarantäneregelung ausgenommen hat. «Diese Differenzierung trägt den tieferen Fallzahlen auf den Inseln Rechnung.»

Bei Pauschalreisen kostenlose Umbuchung

In unsicheren Zeiten wie der Corona-Krise fahren Urlauber laut Kunz besser, wenn sie Pauschalreisen buchen. «Wenn man zum Beispiel eine Reise auf dem spanischen Festland gebucht hat, kann man gemäss Informationen der meisten Reiseveranstalter problemlos auf andere Destinationen ausweichen und die Reise umbuchen.»

So bieten etwa Kuoni, TUI Suisse und Hotelplan eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung der Reise an. Laut Hotelplan-Sprecherin Bianca Gähweiler wollen rund eintausend Schweizer bis Ende August noch nach Spanien fliegen. Es habe jedoch der grösste Teil davon für die Balearen oder Kanaren gebucht, welche von der Quarantäneregelung nicht betroffen sind.

* Name bekannt

Und wenn ich nur durch Spanien durchreise?

Wer ein Risikoland durchquert oder während der Rückreise als Transitland besucht, muss nicht in Quarantäne. Das erklärte Patrick Mathys vom BAG an der Pressekonferenz vom Mittwoch. Man dürfe sich aber maximal 24 Stunden im Land aufhalten. Für das spanische Festland gilt die Quarantäneregel erst ab Samstag.

Zudem besteht ein Recht auf Lohnfortzahlung: Wer nach Spanien gereist ist, bevor es auf der Liste war, und nach der Rückreise wegen der Quarantäne nicht arbeiten kann, erhält weiterhin Lohn, sagte Michael Schöll, der Vizedirektor des Bundesamtes für Justiz.

Deine Meinung

565 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Lenalein

07.08.2020, 23:28

Hier fehlt der Button "ich habe aus anderen Gründen keinen Urlaub geplant"... Kann ja nicht sein, dass es nur noch Corona gibt... das Leben hat auch noch andere Themen!

Manu

07.08.2020, 22:26

Jetzt hab ich doch gerade gelesen, dass es kaum Rückreisende gibt wegen Corona und jetzt steht hier, dass viele die Ferien abbrechen. Wollt ihr uns verschaukeln?

Tom Roth

07.08.2020, 20:10

Warum sollen die Rückreisende in Quarantäne wenn dies Fussballmannschften nicht müssen, da verstehe ich alle wenn dies nicht umgesetzt wird.