Grenzwert überschritten: Spanien-Rückkehrer sollen ab sofort in Quarantäne
Publiziert

Grenzwert überschrittenSpanien-Rückkehrer sollen ab sofort in Quarantäne

Die Corona-Neuinfektionen in Spanien haben stark zugenommen, das Land müsste ab jetzt als Risikoland gelten. Das BAG solle Spanien-Rückkehrer ab jetzt in Quarantäne schicken, fordern Politiker von links bis rechts.

von
Daniel Graf
1 / 9
In Spanien kontrolliert die Polizei die Maskenpflicht laut einem Leser-Reporter sogar am Strand.

In Spanien kontrolliert die Polizei die Maskenpflicht laut einem Leser-Reporter sogar am Strand.

KEYSTONE
Obwohl gewisse Städte – im Bild die Plaza de España in Sevilla – fast menschenleer sind, sind die Infektionszahlen in den letzten Tagen stark angestiegen.

Obwohl gewisse Städte – im Bild die Plaza de España in Sevilla – fast menschenleer sind, sind die Infektionszahlen in den letzten Tagen stark angestiegen.

Leser-Reporter
Auch auf der Kathedralenstrasse in Sevilla sind laut dem Leser derzeit kaum Menschen anzutreffen.

Auch auf der Kathedralenstrasse in Sevilla sind laut dem Leser derzeit kaum Menschen anzutreffen.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Spanien verzeichnet seit Samstag, 1. August, mehr als 60 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen.
  • Damit gilt Spanien per Definition des BAG als Risikoland. Rückkehrer aus Risikoländern müssen zehn Tage in Quarantäne.
  • Politiker aller Couleur fordern deshalb nun, dass das BAG Spanien schnell auf die Liste nimmt und Rückkehrer in Quarantäne schickt.

Spanien zählt zu den beliebtesten Feriendestinationen der Schweizer. In einem normalen Jahr reisen Hunderttausende für Ferien nach Spanien, 2017 nahmen die Ferienreisen von Schweizern nach Spanien gemäss Bundesamt für Statistik um 6 Prozent zu.

20-Minuten-Leser J. K.* macht derzeit Ferien in Sevilla. «Als ich letzten Dienstag nach Spanien reiste, war noch nicht die Rede davon, dass das Land bald auf die Risiko-Liste des BAG kommen könnte. Jetzt fürchte ich, dass ich nach meiner Rückkehr am kommenden Donnerstag zehn Tage in Quarantäne muss», sagt K. Spanien hat am 1. August die Grenze von 60 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen überschritten – und fällt damit per Definition in die Kategorie Risikoland (siehe Box).

Für K. wären zehn Tage Quarantäne eine Katastrophe: «Ich habe in dieser Zeit einen Junggesellenabschied, den ich organisiert habe, und eine Hochzeit. Die könnte ich natürlich nicht besuchen, wenn ich in die Quarantäne müsste.»

«Kaum Ansteckungen auf Mallorca»

Auch Marcel Kofel ist seit drei Wochen in Spanien – auf der Insel Mallorca, wo er ein Haus besitzt. «In zwei Wochen kehren wir wieder heim. Wenn Spanien dann auf der Liste ist, müssen wir wohl zehn Tage in die Quarantäne», sagt Kofel.

Er stört sich daran, dass das BAG nur eine Länderliste führt und nicht nach Regionen differenziert: «In Teilen Spaniens sind die Zahlen sehr hoch. Hier in der mallorquinischen Pampa hat es aber meines Wissens schon länger keine einzige Ansteckung mehr gegeben.» Kofel hätte deshalb wenig Verständnis, wenn er in Quarantäne gehen müsste.

Anders sehen das Schweizer Politiker. Von links bis rechts fordern sie, dass das BAG schnell reagiert und alle Spanien-Rückkehrer in Quarantäne schickt. «Die Zahlen sind in den letzten Tagen beunruhigend stark angestiegen. Wir müssen jetzt alles tun, um diese Entwicklung zu stoppen», sagt etwa SP-Nationalrätin Yvonne Feri.

«Müssen weitere Superspreader-Fälle verhindern»

Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel, Präsidentin der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK, sagt: «Es ist klar, dass Spanien auf die Liste kommen muss. Ich bin der Meinung, dass das schnell geschehen sollte. Wir mussten schon mehrfach feststellen, wie schnell ein einzelner Infizierter das Virus als Superspreader verbreiten kann. Das müssen wir verhindern.»

«Die Grenzwerte sind definiert», sagt auch Erich Ettlin (CVP), Vizepräsident der SGK des Ständerats. «Es wäre unverständlich, wenn das BAG Spanien jetzt nicht auf die Liste nehmen würde.» Die Quarantäne müsse auch für Rückkehrer gelten, die jetzt bereits in Spanien sind. «Wer in der aktuellen Situation im Ausland Ferien macht, dem muss bewusst sein, dass er damit ein Risiko eingeht», sagt Ettlin.

Auch SVP-Nationalrat Andreas Glarner will Spanien auf die Liste setzen. Bei den Quarantänebestimmungen plädiert er aber für einen Zwischenweg: «Das BAG könnte jetzt dazu auffordern, dass alle Schweizer aus Spanien nach Hause kommen sollen. Wer das innerhalb einer Woche tut, könnte die Quarantäne so verhindern», schlägt er vor.

BAG kann Liste jederzeit aktualisieren

Wann das BAG seine Liste das nächste Mal aktualisiert, ist unklar. «Die Liste wird grundsätzlich jeden Monat aktualisiert», schreibt BAG-Sprecher Jonas Montani. «Sie kann allerdings auch früher angepasst werden, falls sich die Situation in einem Land rapide verschlechtert.» Wann Spanien allenfalls auf die Liste genommen wird, konnte Montani am Sonntag nicht sagen.

Das BAG hat die Möglichkeit, nur einzelne Regionen auf die Liste zu nehmen. «Bis anhin haben wir darauf verzichtet. Inwiefern wir die Möglichkeit in Zukunft nutzen werden, kann im Moment nicht gesagt werden», sagt Montani. Klar ist: Sollte ganz Spanien auf die Liste kommen, müssten alle Rückkehrer in Quarantäne – auch wenn sie früher nach Spanien gereist sind. «Entscheidend für die Quarantänepflicht ist die Liste, die beim Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz gültig ist», heisst es auf der Website des BAG.

*Name der Redaktion bekannt

Hohe Busse droht

Diese Regeln gelten für Ferien-Rückkehrer

In der Schweiz gilt derzeit eine Quarantänepflicht für Einreisende aus bestimmten Gebieten. Eine Liste der betroffenen Länder gibt es hier. Die kantonalen Behörden kontrollieren die Einhaltung mit Stichproben. Auch wer ein negatives Testresultat vorweisen kann, muss zehn Tage in Quarantäne. Die Liste mit Risikoländern wird vom BAG geführt. Grundsätzlich gilt: Sobald ein Land mehr als 60 Infektionen pro 100’000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen aufweist, kommt es auf die Liste. Die Liste kann vom BAG jederzeit angepasst werden. Wer sich der Quarantäne widersetzt, kann mit bis zu 10’000 Franken Busse bestraft werden.

Deine Meinung

555 Kommentare