Eltern verzweifelt: Spanische Behörde steckt zwei Schweizer Mädchen (6 und 9) in ein Heim

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Eltern verzweifeltSpanische Behörde steckt zwei Schweizer Mädchen (6 und 9) in ein Heim

Die katalanische Kinderschutzbehörde erhebt schwere Anschuldigungen an die Eltern. Der Vater entkräftet diese und wirft der Behörde vor, sich an den Kindern finanziell bereichern zu wollen.

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Die katalanische Kinderschutzbehörde DGAIA steht in Spanien schon länger in der Kritik.

Die katalanische Kinderschutzbehörde DGAIA steht in Spanien schon länger in der Kritik.

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Von dem Geld, dass die Behörde erhält, solle längst nicht alles in die jeweiligen Heime fliessen.

Von dem Geld, dass die Behörde erhält, solle längst nicht alles in die jeweiligen Heime fliessen.

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Bei der DGAIA befänden sich über 8000 Kinder unter Vormundschaft, darunter rund 40 Prozent Ausländerinnen und Ausländer.

Bei der DGAIA befänden sich über 8000 Kinder unter Vormundschaft, darunter rund 40 Prozent Ausländerinnen und Ausländer.

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Darum gehts

  • Zwei Schweizer Mädchen sind in Spanien in ein Heim gesteckt worden.

  • Die katalanische Kinderschutzbehörde erhebt schwere Vorwürfe gegen die Eltern.

  • Diese wehren sich und werfen der Behörde politische Motive vor und, dass sie sich an den Kindern bereichern wollen.

Der letzte Tag, an dem der gebürtige Schweizer Thomas Lang und seine russischstämmige Frau Elena Lang  ihre Töchter Ellie (9) und Lilie (6) gesehen haben, war der 17. Juni. Die Mädchen kamen am Morgen in die renommierte öffentliche Schule ISCAT Maresme in Canet de Mar (Barcelona). Ihre Mutter machte ein Foto von ihnen und ging, nachdem sie sie an der Schule abgesetzt hatte, zur Arbeit.

Um 13 Uhr erhielt Elena einen Anruf. Es war jemand von der Abteilung für Soziales und Familie der Generalitat de Catalunya, der ihr sagte, dass sie die Mädchen nicht von der Schule abholen solle, da die Generaldirektion für Kinder- und Jugendbetreuung (DGAIA) die Verantwortung für sie übernommen habe. Seither wissen die Eltern nur, dass sich ihre Töchter in einem Heim befinden. Wo genau, wird ihnen nicht mitgeteilt, wie das «NZZ Magazin» (Bezahlartikel) berichtet. Der Fall wirft auch in Spanien hohe Wellen.

Heftige Anschuldigungen an die Eltern

Thomas und Elena Lang wird vorgeworfen, sie seien nicht die leiblichen Eltern der beiden Mädchen Ellie und Lilie. Ausserdem hätten sie sich getrennt. Der Vater würde zudem die Mutter schlagen. Die weiteren Vorwürfe lauten, dass die Kinder oft die Schule gewechselt hätten, und dass Ellie mit neun Jahren bereits einen eigenen Instagram-Account habe. Die Direktorin der Schule habe den Behörden gemeldet, dass die Mädchen über sexuelle Begriffe gesprochen hätten, unangemessene Kleidung trugen und von fremden Männern von der Schule abgeholt worden seien.

Gegen diese schweren Anschuldigungen wehrt sich Thomas Lang. Er ist im Besitz der Geburtsurkunden seiner Töchter. Bilder zeigen seine Frau während der Schwangerschaft und nach der Geburt der beiden Töchter. Ebenso zeigt Lang dem «NZZ Magazin» Fotos von Ellie und Lilie als Babys. Auch der Anwalt der Familie entkräftet die Vorwürfe gegenüber der Behörde: Bei den «fremden Männern» handelte es sich um den Vater einer Mitschülerin, der als Polizist arbeitet, und um einen pensionierten Anwalt und Freund der Familie. Dem «öffentlichen Instagram-Profil» würden sieben Familienmitglieder folgen. Die Mutter habe es nach einem Gespräch mit der Schule auf privat gestellt. Die «unangemessene Kleidung» sei unglaubhaft, da in der Schule Uniform getragen wird. Und der Anwalt beantragt DNA-Tests, damit die Elternschaft der Langs zweifellos festgestellt werden kann.

Kinderschutzbehörde soll sich bereichern

Der Vater wirft der katalanischen Kinderschutzbehörde vor, sich bereichern zu wollen. Sie erhalte monatlich 4000 Euro für jedes Kind, das unter ihrer Vormundschaft steht. Das Pendant zur schweizerischen Kesb steht in Katalonien schon länger in der Kritik. 

Von dem Geld, dass die Behörde erhält, solle längst nicht alles in die jeweiligen Heime fliessen, in denen die Minderjährigen untergebracht sind, berichten dortige Medien. Ende 2019 soll die Behörde den Jugendzentren 13 Millionen Euro geschuldet haben. Wohin das Geld geflossen ist, sei nicht bekannt. Bei der DGAIA befänden sich über 8000 Kinder unter Vormundschaft, darunter rund 40 Prozent Ausländerinnen und Ausländer, sagt Francisco Cárdenas, Präsident der «Aprodeme», der katalanischen Vereinigung zum Schutz Minderjähriger. 

Thomas Lang vermutet, dass hinter dem Kindsentzug auch ein politisches Motiv stecke. So lebe seine Frau in einer Ferienvilla eines sanktionierten Russen, der die Villa über ein Immobilienportal zur Miete ausgeschrieben habe. Die Schulleiterin habe damit ein Problem gehabt. Gegenüber dem «NZZ Magazin» berichtet Lang von einer Familienreise in die Karibik während der Schulschliessungen in der Corona-Pandemie. Auch das habe die Schule gestört.

Schweiz kann nicht helfen

Der verzweifelte Vater hat auch um Hilfe in der Schweiz ersucht. Die Schweizer Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb habe bei den spanischen Behörden eine Gefährdungsmeldung wegen des Gesundheitszustands von Ellie eingereicht. Das Verfahren sei jedoch am 20. Juli eingestellt worden. Dies wegen mangelnder Zuständigkeit aufgrund des internationalen Abkommens über den Kindesschutz.

Ebenso habe sich das Schweizer Konsulat in Barcelona mit dem Fall befasst, wie das Aussendepartement EDA gegenüber dem «NZZ Magazin» bestätigt. «Da der Fall auf spanischem Boden stattfindet, sind die spanischen Behörden allein zuständig», sagt Stéphanie Périllard, Chefin Abteilung Konsularischer Schutz. Das EDA könne sich bei der DGAIA nach dem Zustand der Mädchen erkundigen, aber nicht direkt intervenieren.

Der Fall dürfte sich in die Länge ziehen. Frühestens im September wird sich ein Gericht der Sache annehmen. So lange wollen die Eltern nicht warten. «Wir vertrauen den spanischen Behörden nicht», sagt Thomas Lang. «Wir haben alle Dokumente eingereicht, doch die Behörde macht, was sie will.» Deshalb sucht er Hilfe in der Schweiz.

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(job)

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