Aktualisiert 11.05.2020 17:02

Masken schützen

Spanische Grippe zeigt, was auf uns zukommen könnte

Eine Maskenpflicht gibt es in der Schweiz nicht. Dabei könnte sie vor der gefürchteten zweiten Welle schützen, wie ein Blick auf die Geschichte zeigt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der Verzicht auf einen Mund-Nasen-Schutz kann Leben kosten. Das zeigt der Blick zurück auf die Spanische Grippe. Doch falsch getragen, bringen die Masken ebenfalls nichts.

Der Verzicht auf einen Mund-Nasen-Schutz kann Leben kosten. Das zeigt der Blick zurück auf die Spanische Grippe. Doch falsch getragen, bringen die Masken ebenfalls nichts.

Foto: Getty Images
So wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Hygienemaske bei einem Pressetermin Ende März 2020 trug, bringt sie nichts. Das ist auch ihm mittlerweile bewusst. Doch es gibt auch weniger offensichtliche Dinge, die man beim Tragen einer Maske beachten sollte.

So wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Hygienemaske bei einem Pressetermin Ende März 2020 trug, bringt sie nichts. Das ist auch ihm mittlerweile bewusst. Doch es gibt auch weniger offensichtliche Dinge, die man beim Tragen einer Maske beachten sollte.

KEYSTONE
Welche das sind, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO auf ihren Seiten zusammengefasst.

Welche das sind, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO auf ihren Seiten zusammengefasst.

WHO

Darum gehts

  • Während der Spanischen Grippe wurde die Maskenpflicht in San Francisco zu früh aufgehoben, und die zweite Welle traf die Stadt mit voller Wucht.
  • Das zeigt: Zu frühe Lockerungen und der Verzicht auf eine Maskenpflicht können eine zweite, noch heftigere Pandemiewelle provozieren.
  • Doch nicht nur Hygiene-, auch Stoffmasken können die Virenverbreitung wirkungsvoll hindern – vorausgesetzt, sie sitzen richtig. Auch die Materialien sind wichtig.
  • Trotzdem müssen auch immer andere Verhaltensregeln beachtet werden.

Die Spanische Grippe, der in den Jahren 1918/19 weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen zum Opfer fielen, liegt zwar schon über 100 Jahre zurück. Doch ein Teil der damals ergriffenen Massnahmen ist auch heute wieder aktuell: Das Auf-Abstand-Gehen etwa, aber auch das Tragen von Masken sowie die Debatten darüber und der Widerstand dagegen ähneln sich.

Der Vergleich zeigt, wohin das führen kann: Während die Abkehr vom Social Distancing in Philadelphia zu einem sprunghaften Anstieg der Toten in der US-Stadt führte, sorgte die voreilige Abkehr der Mundschutzpflicht in San Francisco für eine Verschlimmerung der Situation.

Spanische Grippe
Spanische Grippe

Die flache Kurve zeigt den Verlauf in St. Louis, die steile die von Philadelphia.

Twitter/Florian Krammer

Lehre aus der Vergangenheit

Um der Spanischen Grippe Herr zu werden, schränkten einige Städte das soziale Leben in weiten Teilen ein und bekamen das Virus so in den Griff. In Gegenden, in denen dies nicht passierte, breitete sich das Virus dagegen weiter aus und tötete zahlreiche Menschen. Besonders gut ist das am Beispiel der US-Städte St. Louis und Philadelphia zu sehen: Während Erstere frühzeitig Quarantänemassnahmen vornahm und einigermassen ungeschoren davonkam, stieg in Letzterer die Zahl der Toten sprunghaft an. Dort hatte man trotz des um sich greifenden Virus noch eine Parade stattfinden lassen.

«Verheerend, mit noch mehr Opfern»

«Die Menschen warfen die Masken voller Freude in die Luft oder verbrannten sie. Doch damit ermöglichten sie erst recht eine zweite Welle. Und diese war noch verheerender, mit noch mehr Opfern als die erste», so Stephen Morse von der New Yorker Columbia University zu SRF News.

Der Fall San Francisco könnte sich laut dem Epidemiologen heute wiederholen – zum Beispiel, wenn «wir auf einen Schlag alle Massnahmen aufheben würden», wie Heiner C. Bucher, Direktor des Instituts für klinische Epidemiologie und Biostatistik Basel und Chefarzt am Universitätsspital Basel, im Interview mit «20 Minuten» sagte. Dann, so der Fachmann, sei eine zweite Welle unvermeidbar.

So kam es zur zweiten Welle

Zunächst galt die Maskenpflicht in San Francisco für Coiffeure.

Zunächst galt die Maskenpflicht in San Francisco für Coiffeure.

Foto: Getty Images

Insgesamt verzeichnete San Francisco zwischen September 1918 und Januar 1919 mehr als 50’000 Fälle der Spanischen Grippe, 3500 Menschen starben daran. So reagierten die Verantwortlichen:

18. Oktober 1918: Die Stadtverwaltung von San Francisco verpflichtet Coiffeure zum Mundschutz, tags darauf betrifft es auch Verkäufer, Bank- und Hotelangestellte und andere Berufe mit direktem Kundenkontakt.

21. Oktober 1918: Die Gesundheitsbehörde empfiehlt nun allen Bürgern von San Francisco, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen. Doch nicht alle halten sich daran.

25. Oktober 1918: Die Stadtverwaltung verhängt eine Maskenpflicht für alle.

16. November 1918: Weil die Zahl der Grippekranken von über 2000 auf 600 gefallen war, werden die Beschränkungen gelockert.

Dezember 1918: Zu Beginn des Monats werden bereits 722 Neuinfektionen gemeldet, in der Woche darauf sind es 1500. Doch aus wirtschaftlichen Gründen zögern die Verantwortlichen, neue Verordnungen zu erlassen.

10. Januar 1919: Im Schnitt werden nun pro Tag 600 neue Fälle gemeldet, täglich sterben 25 Menschen an dem Virus.

17. Januar 1919: Es wird erneut eine Maskenpflicht verhängt. Es formt sich die rund 2000 Mann starke «Anti-Masken-Liga».

25. Januar 1919: Mit nur 35 Neuinfektionen verzeichnet San Francisco ein neues Tief.

1. Februar 1919: Die Maskenpflicht wird aufgehoben.

Kaum noch Neuinfektionen im einstigen Corona-Hotspot

Das Beispiel aus den USA zeigt weiter, wie sinnvoll Mundschutze beim Eindämmen einer viralen Pandemie sein können. Dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelte, sondern auch heute zusätzlich zu den entsprechenden Hygienemassnahmen und dem Abstandhalten dazu beitragen kann, die Infektionszahlen zu senken und niedrig zu halten, zeigt der Blick ins deutsche Jena.

Die thüringische Stadt war die erste in Deutschland, in der Anfang April die Maskenpflicht eingeführt wurde, und wandelte sich in der Folge vom Hotspot zur beinahe Corona-freien Zone:

Entwicklung der Erkrankungen in Jena: Rot sind die bestätigten Fälle, blau die aktiven Fälle.

Entwicklung der Erkrankungen in Jena: Rot sind die bestätigten Fälle, blau die aktiven Fälle.

Gesundheit.Jena.de

Doch nicht nur Hygienemasken können helfen, die beim Atmen, Sprechen, Lachen, Niesen und Husten ausgestossenen Tröpfchen zurückzuhalten. Auch Stoffmasken, selbst genäht oder gekauft, können ihren Teil dazu beitragen, wie etwa Benjamin Cowling von der Universität Hongkong der Nachrichtenagentur Reuters sagte: «Meiner Meinung nach dürften auch Stoff- oder Baumwollmasken schützen, wenn auch etwas weniger als eine richtig getragene chirurgische Maske.»

So sieht es auch das deutsche Robert-Koch-Institut. In der aktuellen Maskenempfehlung heisst es: «Das Risiko, eine andere Person anzustecken, kann so verringert werden (Fremdschutz).» Und weiter: «Es ist zu vermuten, dass auch Masken das Risiko verringern können, andere anzustecken.» Das gelte aber nur, wenn die Abstands-, Husten- und Niesregeln und eine gute Händehygiene eingehalten würden.

Auch Stoffmasken wirken
Auch Stoffmasken wirken

Das Test- und Vergleichsportal Vergleich.org klärt über die Wirksamkeit von verschiedenen Schutzmasken-Typen auf.

Vergleich.org

Materialmix ist wichtig

Wie gut ein wahlweise als Behelfs-, DIY- oder Alltagsmaske bezeichneter Mund- und Nasenschutz aus Stoff ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt einerseits vom Sitz des Mundschutzes ab, andererseits aber auch von den verwendeten Materialien.

Während Ersteres immer auch von der Kopf- und Gesichtsform des Trägers abhängig ist und sich nicht pauschal sagen lässt, können Forscher um Supratik Guha von der University of Chicago zumindest zum zweiten Aspekt Anhaltspunkte liefern. Wie sie im Fachjournal «ACS Nano» schreiben, hat sich in ihrer Studie ein Mix aus «eng gewebter Baumwolle und wahlweise Seide, Chiffon oder Flanell» als besonders effektiv erwiesen.

In Kombination würden die Materialien mehr als 80 Prozent der unter 300 Nanometer grossen Partikel und mehr als 90 Prozent der über 300 Nanometer grossen Partikel filtern. Allerdings würde ein Verrutschen der Maske die Filterfunktion um rund 60 Prozent reduzieren.

Masken bei 90 Grad reinigen

Weiteres Problem: Sowohl Seide als auch Chiffon und Flanell können nicht bei 90 Grad gereinigt werden – weder in der Waschmaschine noch im Backofen oder dem Kochtopf. Solch hohe Temperaturen braucht es laut neusten Erkenntnissen des deutschen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aber, um Viruspartikel zuverlässig abzutöten.

Deshalb empfehlen Experten auch beim Tragen von Masken, sich stets so zu verhalten, als ob man keine Maske tragen würde. Das heisst: zu anderen Menschen auf Abstand zu gehen, immer in die Armbeuge zu husten und zu niesen und die Hände regelmässig zu waschen.

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250 Kommentare

Roman

18.05.2020, 04:03

Die obige Abstimmung (Maskenpflicht) deckt sich kaum mit der Meinung in meinem Umfeld und vielen externen Bekannten aus Sport, Arbeit und geschäftlichen Kontakten (verschiedenste sozial Schichten). Der Verdacht liegt also nah, dass auch hier manipuliert wurde. Ausserdem ist der Vergleich offensichtlich der nächste lächerliche Versuch, die Angst weiter zu schüren...

CH

15.05.2020, 20:54

höört endlich auf gegen die vorsichtsmassnahmen zu protestieren! niemand weiss was das alles bedeutet. auch ich habe die schnauze voll vom virus. aber wir dürfen das nicht unterschätzen! meint man eigentlich immer noch, nur weil man selber nich betroffen ist ist gut? denkt man auch mal an jene die einfach innerhalb wochen tschüss sagen müssen?

Winggl

14.05.2020, 17:34

Die spanische Grippe ist nicht mit Corona zu vergleichen, da bei der spanischen Grippe das Immunsystem von gesunden Menschen ausgeschaltet wurde