Spanischer Saisonstart: «Dieses Real ist lächerlich»
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Spanischer Saisonstart: «Dieses Real ist lächerlich»

Am Samstag beginnt in Spanien die Saison mit dem Derby in Madrid. Meister Real befindet sich im personellen Umbruch und wird weniger hoch gehandelt als der Rivale FC Barcelona.

«Never Change A Winning Team!» - an diese Maxime hielten sich die Verantwortlichen von Real Madrid in diesem Sommer nicht. Kaum war der Jubel nach dem Titelgewinn verhallt, trennten sich die «Königlichen» von Meistertrainer Fabio Capello. Für den erfolgreichen Italiener holten Präsident Ramon Calderon und Sportchef Predrag Mijatovic den Deutschen Bernd Schuster von Getafe.

Nach dem «unattraktiven Resultat-Fussball» von Capello soll mit dem früheren Regisseur von Real der Traum der Fussball-Romantiker im Bernabeu Wirklichkeit werden: Erfolg gepaart mit schönem Spiel. Doch aufgrund der Eindrücke während der Vorbereitung scheint das Team von Schuster von der königlichen Erfolgsformel meilenweit entfernt. Die Mehrheit der Testspiele ging verloren, am vergangenen Sonntag setzte es im Supercup gegen den FC Sevilla zuhause ein 3:5-Debakel ab.

Der Schnitt, den Calderon und Mijatovic vollzogen, fand nicht nur auf der Trainerbank statt. Roberto Carlos (Fenerbahce) und David Beckham (L.A. Galaxy) gingen als Letzte der «Galacticos» von Bord. Auch Antonio Reyes (Atletico Madrid), Emerson (Milan) und Ivan Helguera (Valencia) verliessen den Verein. Mit prall gefülltem Geldbeuteln gingen die Verantwortlichen dafür in den letzten Wochen auf Shoppingtour. Das Ergebnis lässt sich auf den ersten Blick sehen: Wesley Sneijder (Ajax), Arjen Robben (Chelsea), Javier Saviola (Barcelona), Gabriel Heinze (Manchester United), Christoph Metzelder (Dortmund) und Pepe (Porto) sind die prominentesten der zahlreichen neuen Namen.

Insgesamt 120 Millionen Euro liess sich Real den Umbau kosten und gab damit rund einen Drittel der Transfersumme der gesamten Primera Division aus. Das Problem für Schuster ist, dass beispielsweise Sneijder, Robben und Heinze erst wenige Tage vor dem Saisonstart verpflichtet wurden. Die Funktionalität des neuen Teamgefüges umschrieb die Madrider Sportzeitung «AS» Anfang Woche wie folgt: «Dieses Real ist lächerlich!».

Henry und das Traumquartett

Aufgerüstet hat nach der enttäuschenden letzten Saison (kein Titelgewinn) auch der FC Barcelona. Das Engagement von Thierry Henry (Arsenal) war dabei sogar der Transfercoup schlechthin. Ob die Katalanen den in den letzten Monaten oft verletzten Superstar aus Frankreich indes wirklich brauchen, ist fraglich. Mit Ronaldinho, Lionel Messi und Samuel Eto'o verfügte der FC Barcelona schon vorher über die nominell stärkste Sturmreihe auf dem Globus.

Sportlich gesehen machen da die Verpflichtungen von Gabriel Milito (Saragossa/Innenverteidiger), Eric Abidal (Lyon/linker Aussenverteidiger) und Yaya Touré (Monaco/defensives Mittelfeld) mehr Sinn, auch wenn die mediale Wirkung dieser Transfers im Schatten von Thierry Henry geradezu marginal war.

Am Vorabend der neuen Saison wird «Barça» von den Experten höher eingestuft als Real. Doch die Fans befürchten, dass die finanziell einträgliche Tournée in China und Japan eine optimale Vorbereitung torpediert hat. Auch der Franzose Lilian Thuram und Weltmeister Gianluca Zambrotta kritisierten dies öffentlich. Aus Italien sind sie sich gewohnt, während der Vorbereitung zu schwitzen statt im Flugzeug zu sitzen und für fotografierende Asiaten zu posieren.

Drei Romands mit unterschiedlichen Perspektiven

Die Schweizer Xavier Margairaz (Osasuna), Fabio Celestini (Getafe) und Johann Vogel (Betis Sevilla) haben mit ihren Klubs das Ziel, einen Platz im Mittelfeld der Rangliste zu erreichen. Die drei Romands haben dabei unterschiedliche persönliche Perspektiven. Während sich Margairaz im neuen Umfeld zurecht finden muss und wegen einer Oberschenkelverletzung einige Testspiele verpasste, ist Celestini beim Madrider Vorstadt-Verein und letztjährigen Cupfinalisten Getafe auch unter dem neuen Trainer Michael Laudrup eine feste Grösse.

Bestenfalls noch geduldet ist Johann Vogel bei Betis Sevilla unter Coach Hector Cuper. Die «Causa Vogel» wurde in den letzten Wochen in der andalusischen Metropole sogar zum Ärgernis: erst verhinderte der Verein den Transfer des Genfers zu Everton, dann schloss Cuper den Mittelfeldspieler vom Mannschaftstraining aus, worauf dieser rechtliche Schritte gegen den Verein in Erwägung zog.

(si)

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