29.08.2020 12:18

Sparen beim Sonnenbaden

BMW baute nie eine Cabriolet-Version des E21 (316 bis 323i) in Serie. Da sprang die Karosseriefirma Baur natürlich gerne wieder in die Lücke und offerierte die offene 3er-Variante namens TC1 für alle Motorisierungen.

von
Bruno von Rotz
29.8.2020
«Hardtop-Cabriolet» nannte man diese Bauweise, wie sie der BMW 316 als Baur TC1 bietet.

«Hardtop-Cabriolet» nannte man diese Bauweise, wie sie der BMW 316 als Baur TC1 bietet.

Foto: Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Eigentlich hatte der BMW 316 nur zwei Scheinwerfer, aber man konnte sich ja die mittigen Lampen nachrüsten.

Eigentlich hatte der BMW 316 nur zwei Scheinwerfer, aber man konnte sich ja die mittigen Lampen nachrüsten.

Foto: Bruno von Rotz/www.zwischengas.com
Wirkt mehr wie eine Limousine als wie ein Cabriolet, zumindest von aussen.

Wirkt mehr wie eine Limousine als wie ein Cabriolet, zumindest von aussen.

Foto: Bruno von Rotz/www.zwischengas.com

Darum gehts

  • Bei BMW löste im Sommer 1975 die Baureihe E21 die seit 1966 gebauten Modelle 1602 bis 2002 ab.
  • Der erste Dreier war ein bisschen grösser, aber gleichzeitig etwas flacher als seine Vorgänger – nur als Cabriolet gab es ihn von BMW nicht.
  • Das übernahm – wie bei der 02er-Serie – die deutsche Baur Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH.
  • Lanciert wurde BMW 316 Baur Cabriolet 1977 – für 21’156 D-Mark in der Preisliste – in der Standardausführung.
  • In Deutschland rechnete man mit 6000 D-Mark Aufpreis für die Baur-Version.

Im Sommer 1975 löste die Baureihe E21 die seit 1966 gebauten Modelle 1602 bis 2002 ab. Die 02er (intern Baureihe 114 genannt) hatten sich grosser Beliebtheit erfreut; bis 1975 waren über 750’000 Einheiten gebaut worden, und die Produktion des 1502 wurde noch bis 1977 fortgesetzt. Grosse Experimente wagte man bei BMW daher nicht, als die neuen Modelle 316, 318 und 320 im Juli 1975 der Presse vorgestellt wurden.

Der erste Dreier war im Vergleich zum 02er etwas gewachsen und komfortabler geworden, ohne seine Sportlichkeit zu verlieren. Als Einstiegsmodell gab es den 316, und der hatte sinngemäss einen 1,6-Liter-Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und Vergaserbestückung an Bord. 90 PS leistete das vom Vorgänger übernommene, aber überarbeitete Aggregat bei 6000 Umdrehungen im 316, das Leistungsplus gegenüber dem 1602 betrug fünf PS, obschon der Motor mit Normalbenzin auskam.

Äusserlich unterschied sich der 316 primär durch die nicht vorhandenen Doppelscheinwerfer vom Modell 320. Ansonsten waren die selbsttragende Karosserie und das Fahrgestell mit Federbeinen und Querlenkern vorne sowie die hinteren Einzelradaufhängungen mit schräggestellten Längslenkern bei allen Typen identisch. 15’850 Franken kostete ein 316 in der Schweiz, der Abstand zum 320 lag bei rund 12 Prozent.

Wieder ein Hardtop-Cabriolet

Für den 02er-BMW hatte Baur von 1968 bis 1971 ein Voll-Cabriolet gebaut; ab 1971 schwenkte man auf eine neue Bauweise um, die mit festem Überrollbügel, umklappbarer Heckscheibe und herausnehmbarem Dachteil auch «Hardtop-Cabriolet» genannt wurde. Einen ähnlichen Umbau wollte Baur auch für den E21 wieder anbieten. Bereits im Frühjahr 1977 war ein erster Prototyp fertiggestellt, aber dieser musste durch BMW noch abgenommen werden.

Lanciert wurde der TC1 dann Ende 1977, und man konnte alle verfügbaren Motorisierungen dafür bestellen. Als BMW 316 Baur Cabriolet stand der Wagen mit 21’156 D-Mark in der Preisliste, in die Schweiz eingeführt wurde er zu Beginn offiziell noch nicht. In Deutschland rechnete man mit 6000 D-Mark Aufpreis für die Baur-Version, womit ein 316 Baur Cabriolet in der Schweiz wohl einiges über 20’000 Franken kostete.

Kaum Nachteile, aber viele Vorteile

Angesichts der erheblichen Umbaukosten stellt sich natürlich die Frage, warum jemand den günstigeren Vierzylinder als Motorisierung für Baur-Hardtop-Cabriolet wählte, schliesslich versprachen gerade die Sechszylindermotoren eine souveräne Leistungsentfaltung und ein Klangbild der Superlative. Doch manchen Bestellern waren die technischen Eigenschaften eben weniger wichtig als der Endpreis.

Der Erstbesitzer der Baur-Laufnummer 122 (siehe Bildstrecke) dachte offenbar ökonomisch. Selbst auf den aufpreispflichtigen Drehzahlmesser verzichtete er, ein solcher wurde später als Aufsatzinstrument nachgerüstet. Am Lenkrad überrascht das Vierzylindercabriolet mit genügend Spurtstärke, auf Landstrassen oder in der Stadt hat man auf jeden Fall keine Mühe, mit dem Verkehr mitzuhalten.

Der kleine BMW fühlt sich sehr handlich an, die Sicht nach vorne und zur Seite ist gut, nur nach schräg hinten stört der breite Überrollbügel ein wenig. Und noch heute überzeugt die Wandelbarkeit des offenen Dreiers, kann er doch stufenweise geöffnet werden, je nachdem, wie viel Frischluft man gerade möchte. Die Bedienung des ersten Dreiers gestaltet sich problemlos, noch heute kommt man auf der Landstrasse oder in der Stadt mühelos mit dem Verkehr mit.

Was will man mehr? Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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4 Kommentare
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Herr Bünzlig

29.08.2020, 12:55

der Titel : Sparen beim BMW ist lustig!

Automech

29.08.2020, 12:46

Grenzwertiges Design, diese seltsame Mischung zwischen Limousine und Cabrio, nicht umsonst wurden nicht mehr als 591 Stück davon gebaut. Und die Nachrüstung der Scheinwerfer (Bild 2) ergab auch nicht die 320er-Optik, denn diese hatten im Durchmesser etwas kleinere Doppelscheinwerfer als die kombinierten 316er Voll-/Abblendlichter verbaut.