Aktualisiert 25.03.2015 16:25

Germanwings-Katastrophe

Sparen Billigflieger bei der Sicherheit?

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine keimen Zweifel an der Sicherheit von Billigfliegern auf. Doch die Low-Cost-Airlines sparen an anderen Orten.

von
Laura Frommberg
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Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Keystone/Guillaume Horcajuelo
Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

epa/Foto-team-mueller
Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Nach einem tragischen Unfall beginnen schnell Spekulationen darüber, wie dieser passieren konnte. Auch im Fall von Germanwings-Flug 4U9525 ist das der Fall. In den sozialen Medien diskutieren die User etwa, ob Billigflieger wie Germanwings, Easyjet oder Ryanair generell unsicherer sind als andere Fluggesellschaften.

Die Statistik widerspricht dieser These. Die Anzahl der Zwischenfälle unterscheidet sich nicht von der bei traditionellen Anbietern. Der Germanwings-Absturz vom Dienstag war der erste in der Geschichte der Lufthansa-Billigtochter. Weder Easyjet noch Ryanair hatten jemals Unfälle mit Todesopfern. Auch bei kleineren Anbietern wie der ungarischen Wizz oder Air Baltic sieht es so aus. «Sicherheit ist unsere oberste Priorität und wir halten uns an alle geltenden Standards», heisst es bei Easyjet. «Wir haben nie einen schlimmen Unfall erlebt», so eine Sprecherin zu 20 Minuten. «Unsere 29-jährige Sicherheits-Geschichte ist nichts, was man einfach leugnen kann», sagte denn auch Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely vor einiger Zeit zu ähnlichen Vorwürfen gegenüber dem Fachportal Aerotelegraph.

Wie sind die Tickets zu Dumping-Preisen denn möglich? Erklären lässt sich das am besten an der Radikal-Strategie von Ryanair. Zumindest einen Teil der Spartricks wenden alle Billiganbieter auch an.

Kaufen, wenn andere sparen

Billigflieger handeln antizyklisch. Übersetzt heisst das: Wenn andere sparen und ihre Flotten reduzieren, kaufen sie neue Flugzeuge. Denn die sind dann besonders billig. So hat etwa Ryanair nach dem 11. September 2001 einen Grosskauf getätigt. Eine US-Fluggesellschaft, die wegen der Anschläge finanzielle Probleme hatte, stornierte ihre Bestellung. Die Flieger gingen dann mit Rabatten an die irische Fluggesellschaft.

Auf eine einheitliche Flotte setzen

Billigflieger sparen, indem sie nur auf einen Flugzeugtypen setzen. Bei Ryanair ist das die Boeing 737, bei Easyjet der Airbus A320, bei Germanwings sind es ebenfalls Flieger der A320-Familie. So spart man Wartungs-, aber auch Personalkosten, weil alle Piloten auf denselben Typen geschult sind.

Weniger Personal einstellen

Ein Vergleich: Bei Ryanair kommt auf etwa 10'000 Passagiere ein Angestellter, bei Premium-Airlines sind es zum Teil nur etwa 1000.

Personalkosten sparen

Oft erhalten Angestellte von Billigairlines keine Hotelübernachtungen am Zielort, sondern fliegen wieder an die Heimatbasis zurück. Ein Faktor, der in den vergangenen Jahren kritisiert wurde: Piloten werden von den Ultra-Low-Cost-Anbietern wie Ryanair nicht fest angestellt, sondern landen in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Ob das eine Auswirkung auf die Sicherheit hat, ist ein ewiges Streitthema. Fakt ist aber: Wer in einem solchen Anstellungsverhältnis landet, arbeitet meist länger und für weniger Geld.

Langsamer fliegen

Es klingt absurd, ist aber wahr: Manche Billigairlines lassen ihre Piloten langsamer fliegen. Beispielsweise die österreichische Air-Berlin-Tochter Flyniki: Der Zeitverlust betrage bei einem Flug zwischen Wien und Frankfurt nur wenige Minuten. Dafür kann die Fluglinie aber Hunderte Liter Kerosin und Millionen Euro pro Jahr einsparen.

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