Illegale Medikamente: Sparen bis in den Tod
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Illegale MedikamenteSparen bis in den Tod

Kriminelle Organisationen haben den Handel mit Medikamenten entdeckt. Die Swissmedic warnt vor gefälschten und gefährlichen Präparaten im Internet.

von
Othmar Bamert

Täglich in unserer Mail-Box: Angebote mit Potenzmitteln für die stramme Libido, Schlankheitsmittel für die perfekte Linie, Haarwuchsmittel für die dichte Matte. Alles risiko- und rezeptfrei, wird suggeriert. Leider nein: Gross ist die Gefahr, dass die angepriesenen Mittel gefälscht, wirkungslos oder sogar gesundheitsschädigend sind, warnt das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic.

75 Prozent mehr als letztes Jahr

Swissmedic schätzt, dass pro Jahr mindestens 50 000 illegale Arzneimittelsendungen in die Schweiz importiert werden. Tendenz stark steigend: Swissmedic wurden bis Mitte Jahr von der Eidgenössischen Zollverwaltung 992 verdächtige, potenziell illegale Arzneimittelimporte gemeldet. Das entspricht einer Zunahme um 75 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009. Es handelt sich meist um verschreibungspflichtige Arzneimittel, und die meisten Präparate stammen aus Fernost.

Die Verlockung, ein solches Mittelchen per Mausklick zu bestellen, ist gross. Schliesslich sehen die Internet-Seiten der kriminellen Anbieter nicht selten professionell und seriös aus. Das bestätigt Ruth Mosimann, Leiterin Kontrolle illegaler Arzneimittel bei Swissmedic: «Die Anbieter gaukeln den Patienten vor, sie seien seriöse Unternehmen. so geraten auch Leute, die nicht aktiv danach suchen, in Versuchung, übers Internet Arzneimittel zu bestellen.»

Schlankheitsmittel «LiDa Daidaihua» gefährlich

Die am häufigsten beschlagnahmten Mittelchen: Erektionsförderer (31%), Schlankheitsmittel (26%), rezeptpflichtige Haarwuchsmittel (6%), Muskelaufbaupräparate (5%) und Schlafmittel (5%). Fälschung von Originalprodukt zu unterscheiden, sei oft schwierig, so die Expertin. Häufig würden die Medikamente mit täuschend echten Verpackungen ausgestattet. Die Gefahr sei aber gross, dass die Dosierung nicht stimmt oder ein falscher Wirkstoff im Produkt sei, warnt Mosimann.

Der Renner unter den Schlankheitsmitteln ist derzeit ein dubioses Produkt «LiDa Daidaihua» aus China, vor dem Swissmedic seit einiger Zeit warnt. Das Produkt enthält den nicht deklarierten rezeptpflichtigen Wirkstoff Sibutramin. Dieser ist in der Schweiz vor allem wegen Herz-Kreislauf-Risiken nicht mehr zugelassen. Mosimann sagt: «Die Einnahme dieses Schlankheitsmittels kann die Gesundheit enorm gefährden.»

Wer ohne Arztrezept im Internet verschreibungspflichtige Medikamente bestellt, macht sich selber strafbar. Denn gemäss Heilmittelgesetz ist die Einfuhr von Arzneimitteln für Einzelpersonen in einer Menge über einem Monatsbedarf verboten.

Ärger für etablierte Versandapotheken

Gar keine Freude an den rasch spriessenden dubiosen Zweigen der Branche haben die etablierten Versandapotheken. Eva Conrads von der Versandapotheke Zur Rose in Frauenfeld ist bestrebt, den kriminellen Teil der Branche abzugrenzen: «Wir versuchen, die Verbraucher aufzuklären. Bei uns erhalten sie ausschliesslich Originalpräparate, die wir direkt vom Hersteller beziehen.» Schliesslich helfe der Medikamenten-Versand, die Gesundheitskosten zu reduzieren. So verlangt Zur Rose keine Bearbeitungstaxe wie die örtlichen Apotheken und gewährt Rabatte auf Generika und auch Originalpräparate. Auch auf Potenzmittel. «Selbstverständlich nur gegen ärztliche Verordnung», so Conrads.

Medikamentenkauf in den Ferien

Die Swissmedic-Expertin Ruth Mosimann rät: «Besonders in Asien, Afrika und Südamerika sollte man Medikamente nur in offiziellen Apotheken kaufen und keineswegs bei Strassenhändlern oder auf anderen Kanälen» Je nach Schweregrad der Erkankung solle man eine Arztpraxis oder ein Spital aufsuchen. «Auch in asiatischen Ländern wird man dort sehr gut versorgt», so Mosimann.

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