Gesundheitskosten: Sparen ja, aber bei den anderen

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GesundheitskostenSparen ja, aber bei den anderen

Vier Fünftel der Schweizer Bevölkerung sind laut einer Santesuisse-Umfrage überzeugt, dass im Gesundheitswesen dringend gespart werden muss. Kompromisse auf eigene Kosten kommen aber schlecht an.

Den Zusammenhang zwischen steigenden Kosten und steigenden Prämien verstehe die Bevölkerung je länger je besser, erklärte der Krankenkassendachverband bei der Präsentation der «sondage sante 2009» heute in Bern.

Unterschiedlich würden dabei die Ursachen der Kostenexplosion gewertet: Zu häufige Arztbesuche macht jeder Dritte für den Prämienanstieg verantwortlich. Für 28 Prozent sind die zu teuren Medikamente der Grund. Fehlende Sparbereitschaft sehen mittlerweile 13 Prozent als Ursache, verglichen mit erst vier Prozent vor Jahresfrist. 80 Prozent der Bevölkerung beurteilten die Prämien als «hoch». «Zu hoch» kreuzten 30 Prozent an, verglichen mit 20 Prozent vor einem Jahr. Nur noch für 16 Prozent ist die Prämie weiterhin kein Problem, 24 Prozent waren es noch 2008 gewesen.

Bei Medikamenten sparen

Unter diesen Umständen und dem steigenden Kostenbewusstsein sind vier von fünf Personen der Auffassung, im Gesundheitswesen müsse sehr oder eher dringend gespart werden. Die Antwort auf das Wo ist laut Santesuisse allerdings widersprüchlich. Obwohl das eigene Konsumverhalten als Kostenfaktor erkannt werde, wollten die Leute in erster Linie nicht bei sich selbst sparen, sondern dort, wo es nicht wehtue: Allem voran beim Verschreiben von Medikamenten und den Medikamentenpreisen, wo je 84 Prozent der Befragten Möglichkeiten sehen. Je 65 Prozent wollen bei Geräten und Methoden der Spitzenmedizin und bei den Dienstleistungen der Kassen ansetzen, 58 Prozent möchten die Zahl der Apotheken verringern.

Den eigenen Konsum nicht einschränken

Wenn es um den eigenen Konsum geht, werden die Reaktionen zurückhaltender. Keiner der Vorschläge für höhere Schwellen beim Arztbesuch erzielte einen durchschlagenden Erfolg: 77 Prozent wollen bei jetzigen System bleiben. Nur gerade 30 Prozent sind für eine Praxisgebühr. Immerhin 52 Prozent wären für eine Gebühr, wenn statt dem Hausarzt direkt das Spital aufgesucht wird.

Die Umfrage lotete auch die Stimmung zu Reformvorschlägen aus und hier insbesondere die Alternativen zum Vertragszwang. Dabei hatten die Einschränkungen der Arztwahl einen schweren Stand, egal ob Kantone oder die Krankenkassen bestimmen, welche Ärzte mit der Grundversicherung abrechnen können. Es sei denn, die Versicherten können selbst entscheiden, ob sie die Arztwahl zu Gunsten tieferer Prämien einschränken wollen.

Beachtliche 73 Prozent unterstützten zudem die Idee einer dualen Grundversicherung mit der freien Wahl zwischen einem freiheitlich organisierten und einem staatlich regulierten Modell. 71 Prozent fänden es zudem in Ordnung, wenn bei jeder Erkrankung zuerst der Hausarzt aufgesucht werden muss.

Insgesamt ist aber laut Umfrage kein grundlegender Systemwechsel erwünscht. Ungebrochen hoch sei auch der Solidaritätsgedanke und unbestritten das Obligatorium, wobei das Wissen über die Grundversicherung im Volk weiterhin schlecht sei. So werde etwa der Verwaltungskostenanteil der Kassen auf 32 Prozent geschätzt, obwohl er tatsächlich nur 5,7 Prozent betrage.

Die Umfrage führte das Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE vom 2. Juni bis 9. Juli 2009 bei 1201 Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren durch. (dapd)

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